„Prager Frühling“ als Online-Variante

Die internationalen Musikfestspiele „Pražské jaro“ (Prager Frühling) finden zwar schon zum 76. Mal statt. Man kann aber mit Sicherheit sagen, dass dieser Jahrgang ganz anders als alle vorhergehenden ausfallen wird.

Quelle:  Musikfestspiele „Prager Frühling“

Der „Prager Frühling“ findet nämlich in diesem Jahr als Online-Festival statt. Alle Programmpunkte werden live im Internet übertragen. In die Konzertsäle selbst werden nur sehr wenige Besucher Zugang haben. Gleichzeitig können die Auftritte der Spitzenkünstler aber von Musikliebhabern in aller Welt verfolgt werden.

Das Festival dient damit in Tschechien als ausgewähltes Pilotprojekt, mit dem der Besuch von Kulturveranstaltungen in Corona-Zeiten erprobt wird. Bei vier Konzerten werden Zuschauer anwesend sein, die am Tag zuvor aber einen PCR-Test absolvieren müssen.

Kiya Tabassian | Foto: YouTube Kanal von Atlas Ensemble

Das Programm hält weltberühmte Namen bereit, wie zum Beispiel Ion Marin, Mark Wigglesworth, das Huelgas Ensemble, Kiya Tabassian oder Garrick Ohlsson. Die einheimische Musikszene wird etwa vom Collegium 1704 vertreten. Eben diesem Ensemble von Václav Luks haben die Organisatoren unerwartet das Auftaktkonzert anvertraut. Warum dies eine Überraschung ist? Zur Festivaleröffnung wird nämlich immer dasselbe Stück gespielt, und zwar Bedřich Smetanas „Mein Vaterland“. Das Collegium 1704 allerdings ist einer der besten Interpreten alter Musik, vor allem aus dem Barock. Smetanas Komposition aus der Hochzeit der Romantik bedeutet daher für das Orchester eine deutliche Abweichung von seinem üblichen Repertoire.

Quelle: Musikfestspiele „Prager Frühling“

Das Angebot, den „Prager Frühling“ zu eröffnen, erreichte die Musiker zudem erst im März. Damit blieben ihnen nur zwei Monate zur Vorbereitung. Das Collegium 1704 muss zu dieser Gelegenheit die Zahl seiner Mitglieder wesentlich aufstocken. Obwohl dazu Künstler eingeladen wurden, die Erfahrung mit der Musik des späten 19. Jahrhunderts haben, steht das Ensemble doch vor einer großen Herausforderung. Wie es diese meistert, kann am 12. Juni auf der Webseite festival.cz verfolgt werden.

Pražské jaro 2021