Prager Gedenken an Opfer von Holocaust und Hamas: Warnung vor Antisemitismus

In Prag wurde am Sonntag vor Antisemitismus gewarnt. Anlass war eine Gedenkveranstaltung für Holocaust-Opfer sowie die Opfer des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023.

Foto: Denis Doksanský / FB

Kantor Michal Foršt trug vor den im Prager Wallenstein-Garten versammelten Menschen ein Lied vor. Der Garten war das Ziel des Umzugs, an dem mehrere Hundert Menschen teilnahmen. Unter dem Motto „Mit der Kultur gegen Antisemitismus“ gingen sie vom Franz-Kafka-Platz durch die Josefstadt am Rudolfinum vorbei und weiter über die Brücke auf die Kleinseite. Mehrere der Teilnehmer des Umzugs hatten israelische Flaggen mitgebracht. Unter den Rednern im Wallenstein-Garten war auch der Vizevorsitzende des tschechischen Senats Jiří Oberfalzer (Bürgerdemokraten). Er sagte unter anderem:

Jiří Oberfalzer | Foto: ICEJ Česká Republika

„Es ist absurd, dass in einer Zeit, in der Israel mit dem brutalsten Nationalismus und religiöser Intoleranz konfrontiert ist, der Antisemitismus in Europa und im Allgemeinen in der westlichen Zivilisation wächst. Es sind Kräfte der Finsternis, die ihre Energie aus unseren Schwächen und dem Verlust des Sinns für grundlegende zivilisatorische Werte schöpfen.“

Der Vizechef des Senats erklärte, es sei auch hierzulande notwendig, gegen den Antisemitismus zu kämpfen und sich an die guten hiesigen Traditionen zu erinnern. Oberfalzer wies auf das Ethos von Präsident Tomáš Garrigue Masaryk sowie die Taten seines Sohns, des tschechoslowakischen Außenministers Jan Masaryk, hin.

Jan Masaryk | Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks

„Er knüpfte damals an den Philosemitismus seines Vaters an und setzte sich für eine militärische Hilfe für Israel in dessen schwersten Augenblicken ein, als der Staat Israel ausgerufen wurde. Die Israelis haben sich später an diese Unterstützung erinnert und sind dafür bis heute dankbar.“

Der Politiker dankte den Veranstaltern dafür, dass sie seit Jahren die Notwendigkeit betonen, gegen Antisemitismus zu kämpfen.

„Denn es ist ein Kampf für Demokratie, für Gleichheit, für die Menschenrechte und im Grunde genommen auch für die europäische Zivilisation.“

Die aus Israel eingeladenen Gäste konnten nicht zur Veranstaltung kommen. Sie meldeten sich jedoch mit Videobotschaften. Unter ihnen waren die Holocaust-Überlebende Hana Sternlicht sowie Irene Shavit, die das Massaker am 7. Oktober 2023 im Kibbuz Kfar Aza überlebte.

Zum Schluss lasen die Veranstalter eine Erklärung gegen Antisemitismus vor, die von Vertretern mehrerer Kirchen in Tschechien zuvor unterzeichnet worden war.

Über die Ursachen des steigenden Antisemitismus in der Welt sagte einer der Veranstalter, Mojmír Kallus, gegenüber Radio Prag International:

Mojmír Kallus | Foto: Martina Schneibergová,  Radio Prague International

„Leider wächst der Antisemitismus dermaßen, dass er schon als gesellschaftlich akzeptabel gilt – nicht in allen Ländern in gleicher Weise. Aber auch bei uns haben wir gemerkt, dass hierzulande die verschiedenen Merkmale des Antisemitismus häufiger vorkommen. Das ist der Grund, warum wir die Veranstaltung jedes Jahr organisieren. In diesem Jahr lief alles sehr friedlich, wir haben keine Proteste bemerkt. Es kam eine gute Menge von Menschen. Obwohl das Programm ein wenig improvisiert wurde, weil die Gäste aus Israel nicht kommen konnten und es dafür Videobotschaften gab.“

Mojmír Kallus | Foto: Denis Doksanský / FB

Die tschechische Zweigstelle der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem (ICEJ) hilft zusammen mit weiteren Initiativen und Privatpersonen einem der Kibbuze, die am 7. Oktober 2023 von der Hamas überfallen und zerstört wurde. Mojmír Kallus über die Unterstützung für den Kibbuz Be’eri:

„Obwohl Israel noch inmitten des Krieges steht, wird dieser zerstörte Kibbuz allmählich wieder hergestellt. Die alten Gebäude wurden abgerissen, und neue Viertel werden erbaut. Wir haben dort überall gesehen, dass das Volk einen großen Mut zum Leben hat. ,Am Yisrael Chai‘ – ,das Volk Israel lebt‘ war auch das Motto unserer diesjährigen Veranstaltung. Wir sind froh, dazu beitragen zu können, dass die Wiederherstellung vorangeht.“

Das Projekt „Mit der Kultur gegen Antisemitismus“ wird seit 23 Jahren von der tschechischen Zweigstelle der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem (ICEJ) in Zusammenarbeit mit weiteren Initiativen organisiert. Unterstützt wird es unter anderem vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds.

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