Preisgekrönte Schauspielerin Sophie Rois eröffnet Europäische Filmtage in Prag

Tom Tykwers Film „Drei“

Europäische Filme vorzustellen, die sonst in den tschechischen Kinos kaum zu sehen sind - das ist das Hauptziel der Europäischen Filmtage, die zum 18. Mal in Prag veranstaltet werden. Die 40 Filme aus 25 Ländern sind thematisch breit gestreut: Da gibt es Streifen, die für den Oscar nominiert wurden, einige Musikfilme, und in der Sektion „Zur Sache“ wird eine Auswahl von Filmen gezeigt, die thematisch mit dem Europäischen Freiwilligenjahr zusammenhängen. Zum Festivalangebot gehören auch mehrere preisgekrönte Filme: So wurde das Festival am Donnerstagabend mit der tschechischen Premiere von Tom Tykwers Film „Drei“ eröffnet. Die österreichische Schauspielerin Sophie Rois, die für ihre Leistung in Tykwers Beziehungskomödie jüngst mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet wurde, nahm an der Festivaleröffnung teil. Martina Schneibergová hat mit ihr gesprochen.

Sophie Rois
Frau Rois, zuerst Gratulation zum Deutschen Filmpreis, zur Goldenen Lola! Was hat Sie am Drehbuch des Films gereizt, das Sie von Tom Tykwer bekommen haben?

„Er hat mir das Drehbuch mit den Worten gegeben, er habe es für mich geschrieben. Das macht einen als Schauspieler zuerst sehr misstrauisch, weil das oft passiert, dass jemand sagt: Ich habe das für dich geschrieben. Und meistens denkt man dann: Oh Gott, was für ein Missverständnis! Ich habe voll von Misstrauen das Drehbuch gelesen und dann doch schon viel Humor darin entdeckt. Ich habe gedacht, dass deckt sich tatsächlich irgendwie mit meiner Person, mit dem, was ich als Schauspielerin gerne mache. Mir ist das eher am Theater gelungen, Zusammenhänge zu basteln, in denen ich mich frei bewegen kann. Und es ist nicht so oft – zumindest im deutschsprachigen Raum – dass man als weibliche Schauspielerin in meinem Alter Rollen spielen kann, die diese Art von Souveränität und Witz haben. Ich finde immer diese Frauen in den Filmen schlimm, die eine moralische Oberhoheit haben und die Männer die lustigen Trottel spielen. In deutschen Filmen ist es ganz oft so, in den tschechischen zeitgenössischen Filmen kenne ich mich allzu wenig aus. Die Männer haben die lustigen Rollen, und die Frauen mit der moralischen Überlegenheit stehen in der Ecke und sagen: ´Was ist mit den Kindern? Hast du dir das überlegt? ´ Oder sie werden von ihrem Mann gedemütigt, geschlagen oder wegen einer 20jährigen Verkäuferin verlassen. Das soll man dann intensiv spielen und sich dabei die Haare raufen und die Pulsadern aufschneiden. Auf so was habe ich keine Lust. Da dachte ich bei diesem Film, dieses Risiko gehe ich ein. Ich wusste ja nicht, ob ich das so mache, dass es ihm gefällt. Ich drehe ja nicht so viel. Ich hatte auch Angst, ihn zu blamieren, nicht gut genug für ihn zu sein. Heute bin ich froh, dass ich für diese Rolle so viele Preise bekommen habe.“

Tom Tykwers Film „Drei“
Sie haben erwähnt, dass Sie sich nicht in der neuesten tschechischen Kinematografie auskennen. Welcher der nicht ganz neuen tschechischen Filme hat Sie beeindruckt?

„Ich kenne einige Filme von Věra Chytilová und ich kenne auch Jan Svěrák. Als Kind habe ich natürlich Pan Tau und den kleinen Maulwurf gesehen. Ich habe vor Jahren in Westberlin, wo man DDR-Fernsehen empfangen konnte, mehrere tschechische Filme gesehen. Von daher habe ich einen Eindruck. Ich war tatsächlich geschmeichelt von der Einladung hierher, weil ich das tschechische Kino in seiner Tradition über alles zu schätzen weiß. Ich meine, das, was Chytilová 1966 gemacht hat, das war so weit ästhetisch und formal vorne. Das ist so eine Avantgarde, das fand ich großartig. Ich freue mich sehr darüber, in diesem traditionsreichen Land als Festivalgast zu sein.“

Die Tage des Europäischen Films dauern in Prag bis zum 21. April, danach werden die Filme in Brünn sowie in einigen weiteren tschechischen Städten gezeigt.