"Radio Freies Europa" will tschechische Redaktion schließen

Direktor Thomas Dine (Foto: CTK)

Die tschechische Sprache auf den Wellen von Radio Freies Europa - Radio Freiheit wird höchstwahrscheinlich verstummen. Markéta Maurová berichtet.

Direktor Thomas Dine (Foto: CTK)
Nach mehr als einem halben Jahrhundert endet zum 30. September die Ära der tschechischen Sendungen von Radio Freies Europa. Die Leitung des Senders in Washington hat nämlich entschieden, tschechische Sendungen nicht mehr zu finanzieren. Die damit eingesparten Mittel in Höhe von 650 Tausend US-Dollar seien für das Ausstrahlen in andere Länder im Rahmen des Kampfes gegen den Terrorismus erforderlich, begründete Direktor Thomas Dine den Beschluss. Für die tschechische Redaktion stellt diese Summe etwa ein Drittel ihrer Kosten dar. Bedeutet dies das definitive Ende, fragte Radio Prag die Direktorin des tschechischen Senders Olga Kopecka?

"Ich hoffe nicht, ich glaube, dass wir noch eine Rolle hier in der tschechischen Medienlandschaft spielen und dass es irgendwie möglich sein wird weiterzumachen. Ich selbst möchte nun in die USA fahren und versuchen eine Stiftung zu finden, die uns vielleicht finanzieren könnte, bis die Tschechische Republik in die Europäische Union kommt. Das wäre mein Ziel und mein Wunsch, dass wir bis zu diesem Augenblick senden."

Direktor Thomas Dine und Olga Kopecka (Foto: CTK)
Die tschechische Redaktion arbeitet seit einigen Jahren als ein gemeinsames Projekt des US-Senders und des Tschechischen Rundfunks. Wie der Programmdirektor des letztgenannten, Josef Havel, bestätigte, wolle man auch ohne die Unterstützung aus den USA weitersenden, allerdings in eingeschränkter Form und unter dem Namen Tschechischer Rundfunk 6. Und worin sieht Olga Kopecka die Bedeutung der tschechischen Redaktion von Radio Freies Europa in der nahen Zukunft?

"Es wäre mein größter Wunsch, eine neue Generation tschechischer Journalisten, demokratischer Journalisten zu erziehen, oder ihnen zu helfen, die Dinge aus der Perspektive des demokratischen Journalismus zu sehen. Denn in der Tschechischen Republik gibt es keine lange Tradition des demokratischen Journalismus, es sind nur ein paar Jahre seit der Wende vergangen und es konnte keine Tradition entstehen. Und unser Sender hat eine solche demokratische Tradition. Ich selbst z.B. habe bei den großen tschechischen demokratischen Journalisten wie Ferdinand Peroutka gelernt. Als ich bei Radio Freies Europa angefangen habe, war da diese Tradition noch lebendig und ich möchte sie weitergeben."