Reden, um verantwortlich handeln zu können - Forum 2000

Madeleine Albright und Vaclav Havel (Foto: CTK)

Welches sind die großen gesellschaftlichen Probleme im 21. Jahrhundert und wie können sie in einer globalisierten Welt gelöst werden? Das sind die Grundfragen, denen sich jedes Jahr auf Einladung des tschechischen Ex-Präsidenten Vaclav Havel herausragende Intellektuelle aus allen Teilen der Erde stellen. Die Rede ist von der internationalen Konferenz "Forum 2000", die dieses Jahr zum elften Mal stattfindet.

V.l.n.r.: Madeleine Albright,  Vaclav Havel und Dagmar Havlova  (Foto: CTK)
Die Liste derer, die in früheren Jahren bereits der Einladung zum Forum 2000 gefolgt waren, liest sich wie ein "Who´s who" der Weltpolitik: Butros Ghali, Dalai Lama, Bill Clinton, aber auch der deutsche Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Wer dieses Jahr dabei ist, sagte vor Konferenzbeginn am Sonntag der Leiter der veranstaltenden Stiftung Forum 2000, Oldrich Cerny:

"Zu den größten Stars gehört in diesem Jahr die ehemalige amerikanische Außenministerin Madeleine Albright. Ich bin zudem äußerst froh, dass im dritten Anlauf endlich auch die iranische Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi unserer Einladung gefolgt ist. Sie ist die erste iranische Teilnehmerin am Forum 2000. Zudem ist der ehemalige chilenische Präsident Ricardo Lagos da sowie viele, viele weitere."

Das Thema, mit dem sich die illustren Gäste von Format diesmal in den Diskussionszirkeln beschäftigen, lautet "Freiheit und Verantwortung". Welchen Zusammenhang sie zwischen diesen beiden Begriffen sieht, erläuterte Madeleine Albright, die 1937 in Prag geboren wurde, am Sonntag in einer politischen Talkshow im Tschechien Fernsehen:

"Die Wahrheit liegt darin, was aus der Freiheit gemacht wird. Jeder muss die Freiheit nutzen, um etwas Besseres zu erreichen. Darin liegt die Verantwortung."

In einem Grußvideo an die Konferenzteilnehmer äußerte sich zudem der Chef der Europäischen Kommission, Jose Barroso. Wörtlich sagte er:

Nicholas Winton  (Foto: CTK)
"Wenn wir die Freiheit von der sich aus ihr ergebenden Verantwortung trennen, schwindet die Freiheit. Es liegt an uns Politikern und Journalisten, dass wir Populismus vermeiden und keine Sündeböcke für Probleme suchen, für die wir alle etwas können."

Einer, über den sich mit Sicherheit sagen lässt, dass er sich dieser Verantwortung in den schwersten Zeiten gestellt hat, ist ebenfalls zu Gast beim Forum. Der ehemalige Börsenmakler Nicholas Winton rettete kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 669 meist jüdische tschechische Kinder vor den Nationalsozialisten und brachte sie nach Großbritannien. Wie Vaclav Havel in seiner Ansprache sagte, ist erstaunlich, dass Winton nie selbst über seine Heldentat gesprochen habe. Die damaligen Kinder erfuhren erst Jahrzehnte später, wem sie ihr Leben verdanken. Während Nicholas Winton damals verantwortungsvoll handelte, haben Veranstaltungen wie das Forum 2000 natürlich nur begrenzte Mittel, um ihr Ziel zu erreichen. Dies räumte Vaclav Havel vor den Gästen ein.

"Die Reden auf Konferenzen ändern die Welt selbstverständlich nicht. Dennoch glaube ich, dass sie sinnvoll sind. Denn am Anfang steht immer das Wort", so Havel.

Das Forum 2000 dauert noch bis Dienstagabend.