Reliquiendiebstahl: Schädel der heiligen Zdislava aus Kirche in Nordböhmen verschwunden
Aus der katholischen Kirche in Jablonné v Podještědí im Norden Tschechiens wurde am Dienstag eine wertvolle Reliquie gestohlen. Eine Vitrine wurde dort aufgebrochen und der Schädel der heiligen Zdislava entwendet.
Ein noch unbekannter Täter habe den Schrein zerstört, in dem der Schädel aufbewahrt wurde, und flüchtete anschließend damit. Er sei auf einem schlecht aufgenommenen Überwachungsvideo festgehalten, sagte Polizeisprecherin Dagmar Sochorová.
Die Polizei erhielt am Dienstag gegen 18.20 Uhr die Meldung über den Einbruch, der wenige Minuten zuvor passierte. Der Prager Erzbischof und Diözesanadministrator Stanislav Přibyl erläutert die näheren Umstände:
„Es war zu Beginn eines Gottesdienstes. Allerdings waren weniger Leute da als sonst, denn es fanden in der Umgebung ein Treffen mit dem Kreishauptmann und eine Ausstellungseröffnung statt. Der Täter ging also vermutlich auf Nummer sicher und wusste, dass es ihm leichter fallen würde.“
Wäre die Kirche in dem Moment leer gewesen, hätte sie ein Alarmsystem überwacht. Wegen des Gottesdienstes war dieses aber ausgeschaltet. Der Priester in der Basilika habe zwei Schläge gehört und einen Mann auf der Flucht erblickt, sagt Přibyl weiter. Der Schädel wurde laut ihm in einem der Seitenaltäre aufbewahrt:
„Dort befindet sich ein Gitter, unter dem sich das Grab der heiligen Zdislava befindet. Und vor diesem Gitter steht der Altar, auf dem bis gestern der Schädel der heiligen Zdislava ausgestellt war.“
Zdislava von Lämberg wird als Schutzheilige der Familie, der Kranken und der Armen verehrt. Die Adelige starb 1252 im Alter von 33 Jahren. 1907 wurde sie selig- und 1995 heiliggesprochen. Der Priester und Kirchenhistoriker Tomáš Petráček stellt die Persönlichkeit vor:
„Die heilige Zdislava gehört zu den heiligen Prinzessinnen der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert. Damals initiierte Franz von Assisi eine bedeutende Bewegung innerhalb der Kirche, die erkannte, dass man neben Gebet und Askese auch durch hingebungsvollen Dienst an Armen, Kranken und Leidenden Gott näherkommen kann. Dies weckte die Sympathie zahlreicher hochrangiger Frauen aus königlichen und adligen Familien, die Krankenhäuser gründeten und sich selbst aktiv der Krankenpflege widmeten. Das galt auch für Zdislava. Zuvor war sie die Frau eines angesehenen tschechischen Adligen und hatte mehrere Kinder. Somit verkörpert sie zwei Rollen: die einer hingebungsvollen christlichen Mutter und Ehefrau und die einer Gründerin von Klöstern, die sich selbst sehr aktiv im Bereich der Wohltätigkeit engagierte.“
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Diebstähle von Reliquien kamen laut dem Historiker im Mittelalter recht häufig vor. Damals gehörten sie zu den wertvollsten Besitztümern, betont er:
„Damals wurden sie gestohlen, um sie für die eigene Kirche, das eigene Land oder die eigene Stadt zu gewinnen. Der aktuelle Fall hat vermutlich einen anderen Charakter. Denn ich glaube nicht, dass nun entdeckt wird, dass sich die Reliquie in einer anderen katholischen Kirche oder in einem anderen Land befindet und dort ausgestellt werden soll, um Pilger anzulocken.“
Es könne viele Motive für den Diebstahl geben, meint Petráček:
„Vielleicht steckt eine antireligiöse Voreingenommenheit dahinter, jemand, der der Kirche schaden will. Vielleicht erfolgte der Diebstahl aber auch im Auftrag. Möglicherweise gibt es einen gläubigen Verehrer der heiligen Zdislava, der unbedingt eine ihrer Reliquien besitzen möchte. Vielleicht kann die Reliquie sogar okkulten Zwecken dienen. Es lässt sich schwer sagen, aber es handelt sich wirklich um einen ungewöhnlichen Vorfall. Heutzutage gehen die vergoldeten, goldenen und reich verzierten Reliquiare eher verloren, doch das Interesse am Inhalt ist geringer.“
Die Polizei bittet die Öffentlichkeit um Hilfe bei der Suche nach der gestohlenen Reliquie.
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