Schädel der heiligen Zdislava kehrt zurück – aber nur für einen Tag

Die Reliquien der Heiligen Zdislava von Lämberg

Der Schädel der heiligen Zdislava soll künftig nicht mehr in der Basilika in Jablonné v Podještědí ausgestellt werden. Darüber haben Experten von Polizei und Denkmalschutz gemeinsam mit Kirchenvertretern entschieden.

In der Basilika in Jablonné v Podještědí befand sich fast 120 Jahre lang auf einem der Altäre der Schädel der heiligen Zdislava. Am 12. Mai wurde die Reliquie von einem 35-jährigen Mann aus der Kirche gestohlen. Der Täter wurde bald verhaftet. Er hatte den Schädel jedoch in Beton eingegossen. Den Restauratoren gelang es, diesen zu befreien. Allerdings soll die Reliquie künftig nicht mehr ausgestellt werden. Das hat am Dienstag eine Kommission entschieden, die aus Vertretern der Kirche, der Polizei und des Denkmalschutzes bestand. Die Polizei gebe die Reliquie der Kirche zurück, teilte Petr Rajt den Inlandsendungen des Tschechischen Rundfunks mit. Er leitet die Polizei im Bezirk Česká Lípa.

„Am Samstag um 11 Uhr werden wir dem Prager Erzbischof die Reliquie der heiligen Zdislava übergeben.“

Foto: Archiv des Bistums Litoměřice

Nach dem Gottesdienst wird der Schädel in der Kirche ausgestellt. In dieser Zeit wird er überwacht, deswegen rechnet die Polizei mit verstärkter Präsenz. Aber nur während der traditionellen Zdislava-Wallfahrt am Samstag kann die Öffentlichkeit die Reliquie zum letzten Mal sehen. Nach dem Kirchenfest wird der Schädel in das Grab der Heiligen gelegt, das sich in der Krypta der Basilika befindet. Der Prager Erzbischof Stanislav Přibyl erklärte, darauf habe sich die ganze Kommission geeinigt.

„Die Ausstellung der Reliquie war mit der Seligsprechung von Zdislava verbunden. Seit 1907 ist eine lange Zeit vergangen. Damals sollte damit der Akt der Seligsprechung betont werden. Seit der Heiligsprechung von 1995 sind inzwischen auch viele Jahre vergangen. Das Zurschaustellen ist also ein Anachronismus.“

Ein weiteres Argument dafür, den Schädel in der Krypta aufzubewahren, waren laut dem Erzbischof auch die Meinungen der Öffentlichkeit.

Stanislav Přibyl | Foto: Archiv des Bistums Litoměřice

„Wir möchten zudem denjenigen entgegenkommen, die davon überzeugt sind, dass alle sterblichen Überreste zusammen bestattet werden sollten. Da sich das Grab in der Krypta findet – und damit nur ein paar Meter von dort entfernt, wo zuvor die Reliquie ausgestellt war –, halte ich das für verständlich.“

Nach der Wallfahrt wird der Schädel noch einige Wochen lang in einem Tresor aufbewahrt und von den Restauratoren überwacht, um zu wissen, ob er stabil ist und durch den Kontakt mit dem Beton keinen Schaden erlitten hat. Erst später wird er in die Krypta gelegt. Auf dem Altar wird ein leerer Reliquienschrein zurückbleiben. Für seine Neugestaltung wird ein Wettbewerb ausgeschrieben. In dem Schrein solle ein kleines Stück von Zdislavas Schädelknochen aufbewahrt werden, erläuterte der Rektor der Basilika, Pavel Maria Mayer.

„Die Gläubigen verlieren so nicht die Möglichkeit, vor dem Altar beten zu können. Auch wird mit einem neuen Reliquienschrein gerechnet.“

Foto: Tomáš Mařas,  Tschechischer Rundfunk

Der Mann, der den Schädel aus der Kirche gestohlen hatte, sagte der Polizei, er sei nicht damit einverstanden gewesen, dass eine Reliquie ausgestellt werde. Er wollte den Schädel im Fluss bestatten. Den Restauratoren sei es gelungen, die Reliquie aus dem Beton zu befreien, ohne sie beschädigt zu haben, merkte Erzbischof Přibyl an:

„Ich empfinde große Freude und freue mich auf das Treffen mit all denjenigen, die sich an der Rettung der historischen Reliquie beteiligt haben – egal ob das Polizisten, Restauratoren oder weitere Personen sind.“

Autoren: Martina Schneibergová , Veronika Šlaisová | Quelle: Český rozhlas
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