Rennkanute Fuksa komplettiert seine WM-Medaillensammlung in Mailand

Martin Fuksa (Foto: ČTK)

In diesen Tagen wird viel geerntet. Auch im Sport, denn in mehreren Sportarten wurden und werden im Spätsommer die Weltmeisterschaften ausgetragen. Im Kanurennsport wurden die tschechischen Aktiven für ihren Trainingsfleiß belohnt: Von der WM in Mailand brachten sie vier Medaillen mit nach Hause, darunter eine goldene durch Martin Fuksa im 500-Meter-Canadier-Rennen der Männer.

Martin Fuksa (Foto: ČTK)
Im Leben erhält man in der Regel immer eine zweite Chance. Im Sport bekommt man sie manchmal binnen weniger Stunden. Das war bei der WM der Rennkanuten in Mailand für den Tschechen Martin Fuksa der Fall – und er hat seine zweite Möglichkeit perfekt genutzt. Am Samstag lag der 22-Jährige im Einer-Canadier-Rennen über 1000 Meter lange Zeit auf Goldkurs, doch kurz vor dem Ziel wurde er vom deutschen Kontrahenten Sebastian Brendel noch abgefangen. Ganze 17 Hundertstel fehlten Fuksa zum Gewinn seines ersten WM-Titels bei den Senioren, die Verärgerung darüber aber hielt sich in Grenzen. Der WM-Zweite freute sich vielmehr über seine gute Leistung:

„Es ist zu sehen, dass ich mich verbessert habe. Allein die Tatsache, dass ich von Sebastian Brendel nur um Haaresbreite geschlagen wurde, zeugt davon. Ich bin wirklich zufrieden.“

Martin Fuksa (Foto: ČTK)
Mit dieser Aussage demonstrierte Fuksa zudem: Ich bin gut drauf, weiß um meine Stärken und werde es am Sonntag erneut versuchen. Das tat der im mittelböhmischen Nymburk geborene Kanute dann auch, und zwar in eindrucksvoller Manier. Über die Halbdistanz, dem Rennen auf der nichtolympischen 500-Meter-Strecke, ließ Fuksa diesmal alle Konkurrenten hinter sich und wurde neuer Weltmeister:

„Dieser Titel hat mir bisher gefehlt. Alles, wofür ich im Training hart gearbeitet habe, hat zum Ziel, dass ich nach den Wettkämpfen das Siegerpodest besteige. Heute ganz oben zu stehen, ist einfach super.“

Im gleichen Atemzug betonte Fuksa, dass ihm die knappe Niederlage vom Vortag in keiner Weise verunsichert habe:

„Daran habe ich überhaupt nicht mehr gedacht. Gestern Abend habe ich mir das 1000-Meter-Rennen noch mehrmals in der Wiederholung angeschaut und muss sagen, es war nur ein Wimpernschlag, der mich von Gold trennte. Das hat meinen Appetit nur noch gesteigert, auch wenn ich schon gestern gierig auf den Titel gewesen bin.“

Martin Fuksa und Sergej Tarnovschi (Foto: ČTK)
Im 500-Meter-Rennen erwartete Fuksa erneut von Brendel die härteste Gegenwehr, doch nach der Hälfte der Distanz zeigte sich, dass ihm diesmal ein anderer Kanute das Leben schwer machte:

„Zirka 200 Meter vor dem Ziel habe ich damit gerechnet, dass Brendel wieder angreift, doch zum Glück war er nicht in Sichtweite. Dafür habe ich aus dem Augenwinkel heraus gesehen, dass ein anderer rechts von mir sich sehr stark ins Zeug legte. Es war der Moldauer Sergej Tarnovschi, der mich attackiert hat. Bei mir lief es gerade nicht so gut, zum Glück aber habe ich am Ende mehr Kräfte gehabt als Tarnovschi und die Führung bis ins Ziel verteidigt.“

Dank des Sieges hat Fuksa nun auch seine WM-Medaillensammlung komplettiert: Nach Silber und Bronze 2014 in Moskau holte er in Mailand erneut Silber über 1000 Meter und den Titel auf der Halbdistanz. Und obendrein qualifizierte er sich für die Olympischen Spiele nächstes Jahr in Rio de Janeiro.

Josef Dostál (Foto: ČTK)
Das schaffte auch der Weltmeister von 2014 im Einer-Kajak, Josef Dostál. Am Samstag konnte er diesen Titel auf der 1000-Meter-Strecke zwar nicht verteidigen, doch auch mit dem zweiten Platz hinter dem Dänen René Poulsen zeigte sich der Zweimeter-Hüne sehr zufrieden:

„Ich bin unheimlich froh, diese Medaille gewonnen zu haben. Im vergangenen Jahr habe ich den WM-Sieg als kleine Sensation gefeiert, doch in diesem Jahr lief es vor allem zu Beginn der Saison mehrere Male nicht gut für mich. Ich wusste, dass ich wieder zu mir und meiner vorjährigen Form finden muss, um in Mailand zu bestehen.“

Josef Dostál, Daniel Havel, Lukáš Trefil, Jan Štěrba (Foto: ČTK)
Das hat Dostál dann auch im Finallauf des Vierer-Kajak gezeigt, zusammen mit Daniel Havel, Lukáš Trefil und Jan Štěrba gewann er die Bronzemedaille. Dieses Quartett hat sich neben Weltmeister Fuksa und der Filip Šváb im Einer-Kajak für Olympia qualifiziert. Im nächsten Jahrwerden also in Rio insgesamt sechs Rennkanuten aus Tschechien an den Start gehen.

Fußball: Thuns Trainer Sforza glaubt an die Siegchance gegen Sparta Prag

Sparta Prag - FC Thun (Foto: ČTK)
Am Donnerstag werden die Rückspiele der Play-off-Runde in der Qualifikation zur Europa League ausgetragen. Der tschechische Fußball ist gleich mit vier Mannschaften vertreten, und drei Vereine haben sich durch jeweils einen Heimsieg im Hinspiel zudem eine günstige Ausgangsposition für den Showdown geschaffen. Landesmeister Viktoria Pilsen schlug die serbische Elf von Vojvodina Novi Sad mit 3:0, Vizemeister Sparta Prag den FC Thun aus der Schweiz mit 3:1 und Slovan Liberec bezwang das kroatische Team von Hajduk Split mit 1:0. Lediglich der FK Jablonec nad Nisou muss einen Rückstand wettmachen: Die Neißestädter unterlagen bei Ajax Amsterdam mit 0:1. Im Rückspiel hat Jablonec Heimvorteil, dennoch behält der niederländische Traditionsverein die Favoritenrolle. Liberec erwartet in Split ein feuriger Tanz, denn auch die Fans der Kroaten gelten als heißblütig. Verbleiben mit Pilsen und Sparta Prag die zwei Mannschaften, denen die größten Chancen auf das Weiterkommen eingeräumt werden

Das aber dachten die beiden tschechischen Top-Teams bereits eine Runde vorher, als sie sich noch für die Champions League qualifizieren wollten. Da haben die Westböhmen wie auch die Prager ihre gute Ausgangsposition jeweils durch eine Heimniederlage noch verspielt. Und auch der Trainer des FC Thun glaubt fest an die Möglichkeit, dass seine Schützlinge das Steuer noch herumreißen. Dieser Trainer ist kein Geringerer als Ciriaco Sforza. Der 45-Jährige, der 79 Länderspiele absolvierte, wird bis heute als einer der erfolgreichsten Spieler bei den Eidgenossen geführt. Denn Sforza wurde nicht nur mit dem Grasshopper Club Zürich 1991 Schweizer Meister, sondern auch mit dem 1. FC Kaiserslautern (1998) und Bayern München (2001) zweimal Deutscher Meister. Dazu gewann Sforza 2001 mit den Bayern sowohl die Champions League als auch den Weltpokal. Nach der 1:3-Niederlage seines Vereins bei Sparta stellte er sich den Fragen von Radio Prag.

Herr Sforza, Ihre Mannschaft hat das Play-off-Hinspiel in der Qualifikation zur Europa-League in Prag mit 1:3 verloren. Wie enttäuscht sind Sie nach dem Spielverlauf, dass das Ergebnis für Sie nicht besser ausgefallen ist?

„Kurz nach dem Spiel ist man natürlich erst einmal enttäuscht. Meine Mannschaft hat sehr gut gespielt in Prag, vor allem in der zweiten Halbzeit. Als Team sind wir präsent gewesen, wir haben uns einige Chancen erarbeitet, diese aber leider nicht verwertet. Mich enttäuscht ein bisschen, dass wir in der 90. Minute noch ein Tor zu kriegen. Und auch das 2:1 für Sparta fiel erst kurz vor der Halbzeit. Dabei haben wir dem Gegner das Leder unnötig nach einem Kopfball direkt vor die Füße gespielt. So etwas darf eigentlich nicht passieren. Heute haben wir uns selbst geschlagen, doch das passiert uns nicht zum ersten Mal in den letzten Spielen. Einzelne Dinge wie Einstellung und Konzentration von jedem Spieler, das müssen wir einfach besser machen. Dennoch bin ich weiterhin überzeugt, dass wir die nächste Runde schaffen!“

Die Prager Journalisten haben feststellen müssen, dass Sparta 35 Minuten lang gar nicht im Spiel war, weil Ihre Jungs ständig in die Zweikämpfe gegangen sind und das Spiel der Prager unterbunden haben. Was es Ihr Ziel, die Prager ein bisschen nervös zu machen und in viele Zweikämpfe zu verwickeln?

„Ich glaube, wir haben Sparta gut beobachtet. Wir haben eine umfassende Analyse gemacht und uns gut auf den Gegner eingestellt. Die Prager haben Probleme, wenn man sie unter Druck setzt. Das hat der bisherige Verlauf der tschechischen Meisterschaft gezeigt. Wir haben ihnen zugesetzt und sind dann auch verdient in Führung gegangen. Sparta spielt zu Hause dominant, aber wir haben keine Angst gehabt. Und das zeigt unseren Charakter. Mir tut es nur weh für die Mannschaft, wenn sie zum Schluss noch zwei solche Tore kriegt.“

Sie haben eine Druckphase von Sparta vor der Pause zugelassen. War das vielleicht die entscheidende Phase, durch die Sparta ins Spiel gefunden hat?

„Es gibt sicher noch Momente, die wir besser lösen müssen. Man kann ja nicht ununterbrochen Druck ausüben. Aber dann muss man wenigstens konzentriert bleiben. Wenn ich mir die drei Gegentore so kurz auf die Schnelle anschaue: Es war nicht so, dass uns Sparta ausgespielt hätte, sondern wir haben die Prager zu ihren Toren eingeladen. Und das darf nicht passieren.“

Woraus ziehen Sie Ihre Hoffnung für das Rückspiel? Ist Ihre Mannschaft auch in der Lage, ein eigenes Spiel aufzuziehen? Sie müssen ja mindestens zwei Tore erzielen…

„Dass wir das können, haben wir doch heute schon gezeigt. Wir haben gute Spielzüge nach vorne und auch Torchancen gehabt. Wir haben ein Auswärtstor geschossen, das kann noch ein wichtiger Faktor sein. Wir können Sparta zu Hause durchaus schlagen.“

Autor: Lothar Martin
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