Rückgang im Schienengüterverkehr in Tschechien
Der Umfang der Gütertransporte auf der Schiene lag in Tschechien im vergangenen Jahr so niedrig wie seit 15 Jahren nicht mehr. So wurde beispielsweise weniger Kohle zu den Kraftwerken befördert. Zudem gelingt es weiterhin nicht, mehr Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern.
Das Transportvolumen gehe überall in Europa deutlich zurück, meint Tomáš Tóth, Direktor von ČD Cargo, der Tochtergesellschaft der staatlichen Tschechischen Bahnen (ČD) für Güterverkehr. Nach Angaben der Eisenbahnverwaltung (SŽ) und des Verbandes der Eisenbahngüterverkehrsunternehmen (ŽESNAD) hat das Güterverkehrsaufkommen auf der Schiene in Tschechien in den vergangenen beiden Jahren um 11,3 Prozent abgenommen. Im vergangenen Jahr lag es sogar niedriger als während der Corona-Pandemie. So werden immer weniger bestimmte Industrierohstoffe und aufgrund von Dekarbonisierungsplänen auch immer weniger Kohle zu Kraftwerken transportiert. Tóth nennt das in Insolvenz geratene Stahlwerk Liberty Ostrava als Beispiel:
„Der Ausfall von fünf Millionen Tonnen Stahl von Liberty ist absolut. Das heißt, dass diese Güter einfach wegfallen. Dasselbe gilt für die Braunkohle, die nicht mehr abgebaut wird und daher auch nicht mehr befördert werden muss.“
Das staatliche Güterverkehrsunternehmen verkauft daher die entsprechende Ausrüstung beziehungsweise lässt sie verschrotten. Bisher trifft das auf etwa ein Zehntel aller Lokomotiven und Waggons zu. Seit dem vergangenen Jahr seien zudem 800 Mitarbeiter entlassen worden, so Tomáš Tóth:
„Wir müssen unsere Kapazitäten abbauen, um unsere wirtschaftliche Gesundheit zu erhalten. Die Kürzungen werden künftig fortgesetzt und sollen über die aktuellen Zahlen hinausgehen.“
Nach Angaben des Fachverbands ŽESNAD befinden sich einige kleinere Verkehrsunternehmen in einer ähnlichen Lage. Martin Hořínek ist der Verbandsvorsitzende:
„Auch die kleineren Transportunternehmen haben Überkapazitäten und müssen darauf reagieren, was Entlassungen oder die Stilllegung von Lokomotiven bedeutet, die überflüssig geworden sind.“
Während der Transport für die Schwerindustrie stark rückläufig ist, nimmt der Containertransport, zum Beispiel von Konsumgütern, nur leicht zu.
Nach Meinung von Hořínek müssen Schienen- und Straßengüterverkehr besser miteinander kooperieren:
„Die Fracht sollte über längere Strecken auf der umweltfreundlicheren Schiene und nur auf den letzten Kilometern auf der Straße befördert werden.“
Nach Ansicht des Verkehrsministeriums sollen neue Terminals und Umschlagplätze, die vom Staat gebaut werden sollen, genau dazu beitragen. František Jemelka ist Sprecher des Ressorts:
„Die Schienenverwaltung analysiert derzeit die möglichen Standorte der Terminals und ihre Effizienz in Bezug auf die Verkehrsströme und die Nutzbarkeit aus Sicht der Industrie. Und noch weitere Faktoren werden bewertet.“
Die Einbrüche im Güterverkehr dürften zumindest die geplante Elektrifizierung der Strecken nicht beeinträchtigen. Die Eisenbahnverwaltung bereitet für etwa 30 Trassen entsprechende Projekte vor, ergänzt Jemelka:
„Der vorübergehende Rückgang des Schienengüterverkehrs ist kein Grund, die Pläne zu überdenken. Die Elektrifizierung der Strecken ist unter anderem dringend notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit der Bahn zu erhöhen.“
Die Tschechische Republik hat bisher etwa ein Drittel ihrer Strecken elektrifiziert, während der europäische Durchschnitt bei 57 Prozent liegt.







