Tschechische Bahnen: Massenentlassungen im Güterverkehr-Bereich wegen schlechter Auftragslage
Das staatliche Güterschienenverkehr-Unternehmen ČD Cargo plant, eine Großzahl seiner Mitarbeiter zu entlassen. Denn der europaweite Abwärtstrend bei Aufträgen setzt sich fort.
Gütertransporte auf der Schiene haben es seit einiger Zeit schwer. In Tschechien wie in anderen Teilen Europas sind die Aufträge deutlich zurückgegangen. Wichtigster Beförderer hierzulande ist ČD Cargo, also eine Tochter der staatlichen Tschechischen Bahnen (ČD). Tomáš Tóth leitet das Unternehmen und erläutert:
„Derzeit wird der Energiesektor dekarbonisiert, die Eisenbahngesellschaften verlieren dadurch Aufträge für die Beförderung von festen Brennstoffen wie Stein- und Braunkohle. Zudem läuft es in der Industrie in Europa aktuell nicht gut. Kein Wunder also, dass der Umfang der beförderten Güter zurückgeht.“
ČD Cargo reagiert auf diese Entwicklung nun mit weiteren Massenentlassungen. Seit Anfang vergangenen Jahres mussten bereits rund 1000 Beschäftigte gehen. Bis Ende dieses Jahres sollen noch einmal 700 dazukommen. Das entspricht etwa einem Viertel der ursprünglichen Belegschaft.
Betroffen sind dabei sowohl Lokführer als auch Techniker oder ebenso Positionen in der Verwaltung. Ein Teil von ihnen könnte laut den Gewerkschaften beim Mutterkonzern Tschechische Bahnen unterkommen.
Zugleich macht sich die Leitung von ČD Cargo auch Gedanken darüber, ob sich der Ausfall an Transportmaterial nicht kompensieren ließe.
„Sicher ist angebracht, sich über Ersatz zu unterhalten wie zum Beispiel Biomasse oder Siedlungsabfälle. Zugleich muss man sich aber auch eingestehen, dass dies nur schrittweise geschehen kann. Außerdem werden solche Güter in ihrem Gesamtumfang beispielsweise nie die Braunkohle ersetzen können“, so Tóth.
2024 beförderte ČD Cargo insgesamt fast 57 Millionen Tonnen Güter. Da aber weitere Kohlekraftwerke in Tschechien abgestellt werden sollen, dürfte der Umfang bis 2027 auf nur noch 40 Millionen Tonnen sinken. Tomáš Tóth geht deswegen davon aus, dass noch weitere Beschäftigte entlassen werden müssen.
Jan Sůra ist der Gründer des Online-Fachportals Zdopravy. Er kann das Vorgehen bei ČD Cargo nachvollziehen, hat aber auch Einwände:
„Wegen der Lage, in der sich derzeit der Güterschienenverkehr in ganz Europa befindet, sind Entlassungen sicher unausweichlich. Die Frage ist aber, ob dies auch beim Stammpersonal in diesem Umfang geschehen muss. Einen neuen Lokführer anzulernen dauert ein bis zwei Jahre. Und in ein paar Jahren kann sich die Situation auch wieder ändern, und dann wird ČD Cargo verzweifelt nach Lokführern suchen. Schon mehrfach kam es hierzulande zu solchen Umschwüngen.“
Dass der Umfang der Güter auf der Schiene in Tschechien zurückgeht, hat jedoch nicht nur mit der schlechten Konjunktur und dem Strukturwandel zu tun. Denn es fehlen hierzulande auch einfach Umschlagbahnhöfe. Die Waren können also nur an wenigen Orten von der Schiene auf Lkw umgeladen werden, um sie dann die letzten Kilometer zum Kunden zu bringen.








