Sáblíková gewinnt 10. WM-Gold und will wieder schmerzfrei laufen

Martina Sáblíková (Foto: ČTK)

Der tschechische Spitzensport wird seit den letzten sechs, sieben Jahren zunehmend von Frauen beherrscht. Die Umfrage nach dem besten Sportler des Jahres wurde seit 2006 stets von einer Vertreterin des weiblichen Geschlechts gewonnen, die Entdeckung der abgelaufenen Wintersaison ist auch eine Sportlerin – die Biathletin Gabriela Soukalová. Und am vergangenen Wochenende, als sich die Sportfans nach einer 0:3-Heimpleite der Fußballer gegen Dänemark die Wunden leckten, sorgte eine Eisschnellläuferin für den großen Lichtblick: Martina Sáblíková. Im russischen Sotschi gewann die 25- Jährige über 5000 Meter den zehnten WM-Titel ihrer Karriere.

Martina Sáblíková (Foto: ČTK)
In Tschechien hat man sich relativ schnell daran gewöhnt. Seit Martina Sáblíková bei den Olympischen Winterspielen 2006 die internationale Bühne zum ersten Mal betrat, gibt es keine bessere Ausdauerläuferin auf dem Eisoval als die grazile Sportlerin aus Žďár nad Sázavou. Seit 2007 hat sie jedes Jahr den Gesamt-Weltcup auf der Langstrecke gewonnen, und in ihrer Paradedisziplin, den 5000 Metern, brachte sie von internationalen Meisterschaften stets die Goldmedaille nach Hause. Der Gewinn ihres sechsten WM-Golds auf dieser Strecke am Samstag in Sotschi hat sie besonders gefreut:

Martina Sáblíková (Foto: ČTK)
„Es ist ein absolut tolles Gefühl für mich, erst recht nach all den Problemen, die ich in dieser Saison hatte. Dieses Gold hat für mich einen sehr hohen Wert und ich bin unendlich froh über den Ausgang des Rennens.“

Sáblíkovás Probleme waren vor allem gesundheitlicher Natur. Im Januar und Februar musste sie mit starken Rückenschmerzen kämpfen. Das hatte zur Folge, dass sie bei den großen Mehrkampf-Konkurrenzen erstmals ohne Medaille blieb: Bei der EM in Heerenveen wurde sie undankbare Vierte, zur WM in Hamar trat sie gar nicht an. Nach dem Sieg in Sotschi sprach Sáblíková dann erstmals etwas ausführlicher über ihre Krankengeschichte:

„Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll, aber die Schmerzen gingen vom Beckenknochen über den Rücken bis in den hinteren Oberschenkel des linken Beins. Das war nichts Angenehmes. Jetzt ist es schon nicht mehr so schlimm wie im Januar, als ich große Schmerzen hatte. Ich hoffe, das Problem bald ganz loszuwerden, damit ich mich gut auf die nächste Saison vorbereiten kann.“

Der nächste Winter ist zudem keine gewöhnliche Jahreszeit für Top-Sportler, sondern eine olympische Saison. Bei den Winterspielen in Sotschi will Sáblíková nach Möglichkeit ihre beiden Langstrecken-Siege von 2010 in Vancouver verteidigen. Vom aktuellen Zustand des Olympiaortes Sotschi war die zehnfache Weltmeisterin allerdings nicht sonderlich begeistert:

„Hier wird überall gebaut und zur WM kamen auch nicht gerade viele Leute. Die Atmosphäre war nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. Doch ich denke, dass es im nächsten Jahr völlig anders sein wird. Aber falls wieder nur wenig Zuschauer kommen sollten, auch dann werden die Rennen gelaufen.“

Adler Arena in Sotschi (Foto: Archiv der Olympiade Sotschi)
Neben der Goldmedaille über die 5000 Meter hat Sáblíková zudem eine silberne über die 3000-Meter-Strecke gewonnen. Beste Voraussetzungen also, um schon mal in olympischen Träumen zu schwelgen?

„Ich habe schon ein paar Gedanken an die Winterspiele verschwendet, auch wenn diese nicht sehr tief und nachhaltig waren. Zumindest aber weiß ich nun, wo wir im kommenden Jahr um die Medaillen kämpfen werden. Auf der anderen Seite bin ich sehr froh, dass die Spiele erst in einem Jahr stattfinden. Ich hoffe nämlich, dann auch besser trainiert zu sein als in dieser Saison, in der mich die Rückenschmerzen ziemlich geplagt haben.“

Den ersten Schritt auf dem Weg nach Olympia will Sáblíková Mitte April vollziehen: Bei einem Reha-Aufenthalt in einem Kurbad will sie sich zunächst ganz von ihren Schmerzen befreien.

Autor: Lothar Martin
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