Schäden in Millionenhöhe, aber Exponate größtenteils gerettet - Nationalgalerie zieht Bilanz

Agneskloster während des Hochwassers

Wohin man im Augenblick schaut, überall werden die Folgen des Hochwassers deutlich und die Höhe der Summen, die zur Behebung der entstandenen Schäden notwendig sein werden, ist wahrlich schwindelerregend. Der Leiter der Nationalgalerie äußerte sich am Dienstag erstmals zum Ausmaß der Schäden, die dem Agnes-Kloster und dem Schloss Zbraslav in Prag entstanden sind. Ein Bericht von Katrin Sliva:

Agneskloster während des Hochwassers
Das 1234 als Klarissenkloster gegründete und nach seiner Begründerin Agnes, der Schwester von König Wenzel I., benannte Agneskloster ist das älteste, historisch und künstlerisch bedeutendste frühgotische Baudenkmal Prags. Schon deshalb waren die Befürchtungen groß, das "große Wasser", wie es im Tschechischen heißt, könne in diesen alten Gemäuern irreparabele Schäden angerichtet haben. Abgesehen von dem unschätzbaren Wert, den dieses Bauwerk an sich darstellt, beherbergt es darüber hinaus die Sammlung altester böhmischer Kunst, die hier die Nationalgalerie ausstellt. Eine weitere Sammlung der Nationalgalerie, und zwar die der Asiatischen Kunst im ehemaligen Schloss Zbraslav im Süden Prags, ist ebenfalls mit dem Hochwasser "in Berührung" gekommen. Milan Knizak, Leiter der Nationalgalerie gab gestern bekannt, dass die Höhe der Schäden sich auf 60 Millionen Kronen beläuft. Ein beträchtlicher Betrag zwar, glücklicherweise seien aber in erster Linie nicht die Gebäude selbst oder die Exponate betroffen, sondern vielmehr die Ausstattung und die Technik. Dies sei vor allem deshalb der Fall, weil Mitarbeiter bereits einige Tage bevor die Moldau in Prag ihren Höchststand erreichte, die im Erdgeschoss ausgestellten Werke, evakuiert hatten. Milan Knizak hebt lobend hervor:

Milan Knizak im Agneskloster während des Hochwassers (Foto: CTK)
"Die Nationalgalerie hat sich sehr statthaft verhalten. Sie hat sich nicht damit aufgehalten, fremde Hilfe zu suchen, sondern hier wurde sofort damit begonnen, die Folgen des Hochwassers zu beseitigen."

In Anbetracht der Tatsache, dass im Schloss Zbraslav etliche der insgesamt über 4000 hier aufbewahrten Plastiken offenbar unter Wasser standen, scheint es fast an ein Wunder zu grenzen, dass auch die Leiterin der betroffenen Sammlung, Nadezda Blazickova-Horova, bestätigt:

Agneskloster nach dem Hochwasser
"Es befanden sich hier Plastiken aus Bronze und Gips. Denen aus Bronze ist überhaupt nichts geschehen, die aus Gips sind natürlich sehr verschmutzt, aber keinesfalls drohen sie zu zerfallen."

Um künftig gar nicht erst Gefahr zu laufen, wertvolle Stücke einbüßen zu müssen, erwägt die Nationalgalerie, derartige Werke nicht mehr im Erdgeschoss auszustellen und die Sammlung böhmischer Kunst, die erst vor zwei Jahren in das Agnes-Kloster eingezogen ist, an einen anderen Ort zu verlegen.