Rembrandt, Medek und Brutalismus

Mikuláš Medek: Großes Essen (Foto: Archiv der Nationalgalerie in Prag)
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Bei der Nationalgalerie in Prag laufen die Vorbereitungen für das Jahr 2020 auf Hochtouren. Kurz vor Weihnachten hat die größte tschechische Kulturinstitution ihre wichtigsten Projekte vorgestellt. Sie reichen von Rembrandt bis zum Brutalismus.

Mikuláš Medek: Großes Essen (Foto: Archiv der Nationalgalerie in Prag)
Das vergangene Jahr hatte einige Ausstellung-Highlights zu bieten. So zeigte die Prager Nationalgalerie etwa französischen Impressionismus oder auch den schweizerischen Bildhauer Alberto Giacometti. Für 2020 ist vielleicht nicht ganz so viel in dieser Liga geplant. Das heißt aber nicht, dass die Ausstellungen weniger interessant sein dürften.

Unter den Vorhaben zur tschechischen Kunst ragen sicher zwei heraus. Im Mai etwa startet eine Schau aus dem Werk von Mikuláš Medek. Er gilt als einer der wichtigsten Nachkriegskünstler des Landes. Medek starb 1974 im Alter von nur 47 Jahren. Die Ausstellung ist an drei Orten mit jeweils unterschiedlicher Ausrichtung geplant. Michal Novotný leitet die Sammlungen moderner und zeitgenössischer Kunst bei der Nationalgalerie:

„Es ist sicher die bisher ambitiöseste Ausstellung von Medek. Der Hauptveranstaltungsort ist die Wallenstein-Reitschule, dort liegt der Schwerpunkt auf der Malerei des Künstlers. Sie wird in einer Retrospektive gezeigt. Falls uns dies gelingt, dann wird es die größte Schau seiner Werke. Dazu möchten wir auch jene Bilder haben, die zu Privatsammlungen gehören und vielleicht in Wohnzimmern hängen. Wir wollen die Besitzer davon überzeugen, uns diese Werke für die Ausstellung zu leihen.“

Mikuláš Medek (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Weiterer Ausstellungsort ist das Agnes-Kloster im ehemaligen jüdischen Viertel. Dort wird zwar ansonsten vor allem mittelalterliche Kunst gezeigt, doch die Nutzung der Räume hat einen Grund.

„Im Agnes-Kloster werden wir uns auf die weniger bekannte Sakralkunst von Medek konzentrieren. Er hat relativ viele Bilder für Kirchen in Mähren geschaffen. Meist handelte es sich um Werke für Altäre“, so Novotný.

Und der dritte Teil der Ausstellung ist im Messepalast zu sehen, also dem Ort für moderne und zeitgenössische Kunst:

„Da wird Medek aus einem weiteren Blickwinkel beleuchtet, und zwar sein dekoratives Wandbild für das Restaurant des Flughafens Prag-Ruzyně. Dieses ist zehn Meter breit und dreieinhalb Meter hoch. Dieses riesige Bild, das aus mehreren Teilen besteht, hat Medek direkt für den Flughafen angefertigt. Wegen seiner Größe ist es aber nie anderswo ausgestellt worden.“

Eine im Vergleich kleinere Sonde in die tschechische Malerei bietet im Herbst des Jahres dann eine Ausstellung über die Künstlerkolonie im Ort Okoř bei Prag. Die Kolonie entstand ab Mitte der 1890er Jahre. Veronika Hulíková betreut bei der Nationalgalerie die Sammlungen von Kunst des 19. Jahrhunderts:

Antonín Slavíček: Ein Tag im Juni
„Diese Ausstellung erinnert an eine wichtige Etappe der tschechischen Malerei an der Schwelle zum 20. Jahrhundert. Sie konzentriert sich auf die Landschaftsmalerei. Damals trafen sich Vertreter dieser Richtung wie Antonín Slavíček, Otakar Lebeda und Antonín Hudeček in Okoř. Sie gründeten die wohl einzige tschechische Künstlerkolonie im 19. Jahrhundert. Dies wurde nicht nur für das Werk der beteiligten Künstler zu einem Meilenstein, sondern allgemein für die Entwicklung der Landschaftsmalerei hierzulande.“

Die Ausstellung wird Mitte Oktober im Messepalast eröffnet.

Kooperation mit Köln

Rembrandt: Selbstbildnis mit dem Säbel
Im vergangenen Jahr wurde der 350. Todestag von Rembrandt begangen. Aus diesem Anlass zeigt die Nationalgalerie ab April eine Ausstellung über den niederländischen Maler, die in etwas anderer Form derzeit noch in Köln zu sehen ist. Konkret im Wallraf-Richartz-Museum. Es sei jedoch keine Kopie dieser Schau geplant, betont Marius Winzeler gegenüber Radio Prag International. Der Schweizer leitet die Sammlungen alter Kunst der Prager Nationalgalerie:

„Wir werden zum Beispiel Werke aus dem Prado in Madrid zeigen können, die jetzt in Köln nicht zu sehen sind, und anderes mehr. Auch für Besucher, die schon im Wallraf-Ritz-Museum waren, wird die Ausstellung in Prag interessant sein.“

Ohnehin beruhe schon die Schau in Köln auf einer Kooperation, erläutert Winzeler:

„Das ganze Projekt entstand in enger Zusammenarbeit, weil wir in der glücklichen Situation sind, dass die Kollegin, die im Wallraf-Ritz-Museum die Barockgalerie betreut, früher in Prag gearbeitet hat. Es ist Anja Sevcik. Sie hat unter anderem den Sammlungskatalog der holländischen Kunst in der Nationalgalerie erstellt und einige Ausstellungen kuratiert. Daraus erwuchs die Idee, dass wir doch unsere gemeinsamen, bedeutenden Bestände im Fokus zusammenbringen könnten.“

Rembrandt: Ein Gelehrter in seinem Studienzimmer (Foto: Archiv der Nationalgalerie in Prag)
Ausgangspunkt ist dabei ein Ölgemälde des niederländischen Meisters von 1634. Dieses ist bereits seit Kriegsende im Besitz der Prager Nationalgalerie.

„Es ist eine große und ganz besondere Rembrandt-Ausstellung, weil im Mittelpunkt dieses Prager Bild steht – der Gelehrte in seinem Studierzimmer. Aber natürlich gehören dazu auch die Werke aus Köln, wie unter anderem sein spätes Selbstbildnis als Zeuxis. Das allerdings, muss ich gestehen, kann nicht nach Prag reisen, weil es in einem schlechten Zustand ist. Dafür aber kommen andere Stücke hierher wie eine sehr eindrückliche Atelier-Studie von Rembrandt selbst sowie Werke aus seinem Umkreis. Wir werden Rembrandt darstellen als Künstler, der auch sehr stark intellektuell gearbeitet hat. Wir versuchen, ein Stück weit den Geist seiner Bilderwelt zu durchdringen. Und die ganze Ausstellung ist als Drama des Geistes aufgefasst. Es wird eine Konzeption sein in fünf Akten mit Prolog und Epilog. Sie wird viele Überraschungen bereithalten. Ich denke, man wird da Rembrandt auch von vielen Seiten ganz neu sehen können“, so Marius Winzeler.

Die Werke des berühmten niederländischen Malers werden im Sternberg-Palais auf der Prager Burg gezeigt.

Architektur in Ausstellung

Ausstellung „Nicht abreißen!“ (Foto: Archiv der Nationalgalerie in Prag)
Zwei weitere Projekte der Prager Nationalgalerie stellen nicht die Malerei in ihren Mittelpunkt. Stattdessen beschäftigt sich ab März eine Ausstellung mit Architektur. „Nicht abreißen!“, postuliert die Schau in den Räumen des Messepalasts. Sie meint die Bauwerke des teils verpönten Brutalismus aus der Zeit von den 1960er bis 1980er Jahren. Laut Michal Novotný von den Sammlungen moderner und zeitgenössischer Kunst arbeitet ein junges Kuratoren-Team an der Ausstellung.

„Es versucht auch, den Begriff des Brutalismus neu zu definieren. Dies geschieht nicht nur anhand dieser Bauten mit dem typischen Sichtbeton, sondern allgemein für die Zeit. Die Ausstellung ist auch dadurch interessant, wie Architektur dargestellt wird. Die Ausstellungsstücke haben eine hohe künstlerische Qualität, aber wir zeigen zudem eine große Zahl an Gegenständen, die von Künstlern direkt für die Bauten geschaffen wurden. Des Weiteren ist die grafische Gestaltung hervorzuheben“, so Novotný.

Töchter Maras versuchen Buddha (Foto: Archiv der Nationalgalerie in Prag / Museums Rietberg Zürich)
Ganz anders hingegen die vielleicht größte Schau, die die Nationalgalerie für das anlaufende Jahr vorbereitet. Denn im Mittelpunkt stehen der Buddhismus und Religionsgründer Siddhartha Gautama, also Buddha. Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit dem Museum Rietberg in Zürich, das Kunst aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien beherbergt. Markéta Hánová leitet die Sammlungen afrikanischer und asiatischer Kunst der Prager Nationalgalerie:

„Bei der Ausstellung werden erstmals Meisterwerke aus der Zeit vom zweiten bis 20. Jahrhundert des Rietberg-Museums und der Nationalgalerie zusammen zu sehen sein. Dazu haben wir Multimedia-Elemente hineinkomponiert, die die Besucher durch die Themenkreise leiten werden. So geht es zum einen um die Entstehung und die Verbreitung des Buddhismus in Asien, zum anderen um die Symbolik in der buddhistischen Kunst.“

Insgesamt werden über 180 Kunstwerke gezeigt. Dies sind sowohl Skulpturen und Plastiken, als auch Malerei auf Papier und Seide.

Otakar Kubín: Edgar Allan Poe (Foto: Archiv der Nationalgalerie in Prag)
„Der Besucher sieht unter anderem Darstellungen von Buddha aus unterschiedlichen Kulturen Asiens. Somit lassen sich die unterschiedlichen Stile vergleichen. Zu erwähnen sind zum Beispiel repräsentative Statuen aus Gandhara im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet. Ein weiterer Bereich der Ausstellung schildert die Lebensgeschichte Buddhas. Und im vorletzten Teil zeigen wir, wie der Buddhismus mit dem geschriebenen Wort weiterverbreitet wurde – etwa durch sogenannte Sutras in handgeschriebener und gedruckter Form. Und nicht zuletzt lassen sich auch Gebetsrezitale anhören“, sagt Markéta Hánová.

Die Ausstellung über Buddha und den Buddhismus ist allerdings erst für den Herbst des Jahres geplant. Sie soll Anfang November eröffnet werden.

Weitere Veranstaltungen der Nationalgalerie für 2020 beschäftigen sich unter anderem mit dem amerikanischen Schriftsteller Edgar Allan Poe oder mit dem zeitgenössischen tschechischen Bildhauer Kurt Gebauer.

Autor: Till Janzer
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