Schüler-Redakteure entdecken: Das Böhmische Paradies ist umgezogen

Ballonflieger Franz Kratschmera (Foto: www.antikomplex.cz)

Im tschechischen Schulwesen tut sich eine ganze Menge. Unterricht soll immer häufiger auch von den Schülern aktiv mitgestaltet werden. In dieses Konzept passt eine neue Bildungsserie, die das Tschechische Fernsehen zurzeit produziert. Als Redakteure sind nämlich auch Grundschüler maßgeblich beteiligt. Alles dreht sich um einen erfundenen Ballonfahrer. Das, was er in den einzelnen Regionen erlebt, erkunden die Schüler unter anderem in Archiven, und auch das Drehbuch schreiben sie selbst. Die Idee geht auf die Bürgerinitiative Antikomplex zurück. Christian Rühmkorf sprach mit dem Leiter Ondřej Matějka.

Ballonflieger Franz Kratschmera (Foto: www.antikomplex.cz)
Das Tschechische Fernsehen dreht zurzeit im nordböhmischen Krupka / Graupen eine neue Bildungsserie. „Der Ballonflieger Franz Kratschmera“ heißt sie. Beteiligt sind daran auch Grundschüler, die für die Serie ihre Region erforschen. Das ganze geht auf eine Initiative der Bürgervereinigung Antikomplex zurück. Ondřej Matějka, was hat es auf sich mit dieser Serie, was ist das Ziel?

„Das Ziel ist vor allem, eine Bildungsserie zu produzieren. Es werden insgesamt mehr als 30 Folgen dieser Serie aus unterschiedlichen Teilen Tschechiens gedreht. Dabei bereiten immer Schüler aus einer Schule vor Ort die Unterlagen, das Drehbuch vor. Sie erarbeiten eine Geschichte, die Franz Kratschmera d. J. heute in der Stadt, in der Umgebung erleben kann; Interessantes und Schönes. Dann kommt das Fernsehen, und auf der Grundlage der von den Kindern entworfenen Geschichte dreht das Fernsehen dann den jeweiligen Teil der Serie.“

Dieser Franz Kratschmera ist der Urenkel des gleichnamigen Franz Kratschmera, der eine Legende ist - ein Ballonflieger, der Tschechien, Böhmen von oben entdeckt hat. Das böhmische Mittelgebirge, wo jetzt gedreht wird, war früher deutsche besiedelt. Ich könnte mir vorstellen, dass die Nachforschungen der Schüler da einige Überraschungen zutage fördern. Ist das richtig?

„Stimmt. Die wohl größte Überraschung war die Geschichte der Region ´Böhmisches Paradies´. Denn das Böhmische Paradies / Český ráj liegt heute woanders als früher. Es liegt in der Nähe der Orte Turnov und Sobotka, also in Ostböhmen. Und dass früher, um die Jahrhundertwende, das Böhmische Paradies eigentlich im Böhmischen Mittelgebirge lag, das ist heute völlig unbekannt. Es gibt eine kleine Geschichte dazu: Und zwar hatte es vielen Tschechen nicht gefallen, dass das ´Böhmische Paradies´ in dem deutschsprachigen Teil Böhmens war. Und deswegen haben sie gezielt das ´tschechische´ beziehungsweise das Böhmische Paradies einfach verlegt. Es war eine große Propaganda-Aktion, wenn man das so sagen kann, und mit der Aussiedlung der deutschen Bevölkerung ist diese Tatsache völlig in Vergessenheit geraten.“

Foto: www.antikomplex.cz
Wie geht es nun weiter mit dieser Serie?

„Die Serie wird weiterlaufen. Demnächst fahren wir nach Jablonec nad Nisou / Gablonz, wieder in das früher deutschsprachige Gebiet. Und dazu werden dann von unserem Methodologen Bildungsmaterialien entworfen. Die kommen dann in die Schulen und auf der Grundlage der Serie und der Unterrichtsmaterialien sollte dann die frühere Heimatkunde reformiert werden. Wir wollen neue didaktische Ansätze in einem sehr wichtigen Fach wie Heimatkunde bieten. Wir wollen eine Beziehung der Schüler zur eigenen Region anstiften und stärken.“

Und das Ganze wird natürlich auch im Tschechischen Fernsehen ausgestrahlt, richtig?

„Natürlich, das läuft dann wieder ab Januar.“