Siebzig Jahre schaffen, streben - Radio Prag feiert Geburtstag

Hörertreffen in Prag

Unsere regelmäßigen Hörer wissen es bereits: Das Jahr 2006 ist für Radio Prag ein besonderes Jahr. Vor 70 Jahren, genau am 31. August 1936, hat der damalige Tschechoslowakische Rundfunk seine Auslandssendungen auf Kurzwelle gestartet - die Geburtsstunde von Radio Prag. Radio Prag wird 70 und bleibt jung - und das nicht zuletzt dank Ihnen, unseren Hörer. Deshalb haben wir Sie, liebe Hörer, zu einem Jubiläums-Hörertreffen nach Prag eingeladen. Für alle, die nicht dabei sein konnten, berichtet Thomas Kirschner über den Tag in der folgenden Sonderausgabe des Hörerforums.

Hörertreffen in Prag
Siebzig Jahre tapfer leben, siebzig Jahre schaffen, streben, das ist Segen ohnegleichen, und nicht jeder kann's erreichen. Tu ins Märchen einen Blick: Sieben heißt dort immer Glück!

Und so viel Glück möchten wir bei Radio Prag natürlich nicht für uns selbst behalten, sondern wir wollen es mit denen teilen, die uns am Wichtigsten sind, also mit Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer! Ein Schritt dazu war das Hörertreffen, zu dem Radio Prag für den 22. Juni eingeladen hatte. Etwa zehn Hörerinnen und Hörer haben den weiten Weg nicht gescheut, der sie aus Großbritannien, Dänemark und Russland in die tschechische Hauptstadt geführt hat. Und auch drei Hörer aus Deutschland konnten wir in der Redaktion begrüßen: Wolfgang Brodöhl aus Köthen, Peter Boeck aus Offenbach und Hendrik Leuker aus Bamberg.

Mond- und Sonnenbahnen frage:

Jede Woche - sieben Tage!

Sieben Wunder hat die Welt.

Und sogar am Himmelszelt

steht die Sternensieben

feurig auf das Schwarz geschrieben.

Von links: Hendrik Leuker,  Thomas Kirschner,  Peter Boeck
Und dorthin, von wo aus Radio Prag seine Zeichen erstmals feurig an das Himmelszelt geschrieben hat, dorthin führte eine Exkursion für die Teilnehmer des Hörertreffens - zu der originalen Sendeanlage in Podebrady, wo Radio Prag seinen Sendebetrieb am 31. August 1936 aufgenommen hat. Nach einer Begrüßung und einer historischen Einführung durch Miroslav Krupicka, den Direktor von Radio Prag, sowie einer Besichtigung des geschichtsträchtigen Funkhauses an der Prager Vinohradska-Straße ging es also im Shuttle-Taxi nach Podebrady, etwa 50 Kilometer östlich von Prag. Expeditionsleiter war Oldrich Cip, langjähriger Mitarbeiter von Radio Prag und heute zuständig für die Koordinierung der Frequenzen - und das nicht nur bei Radio Prag, denn Oldrich Cip ist weltweit anerkannter Kurzwellen-Experte sowie Gründervater und Vorsitzender der internationalen High Frequency Coordination Conference (HFCC). Aber nebenbei ist er vor allem ein wandelndes Lexikon des böhmischen Radiowesens. Natürlich weiß er auch einiges über die Anfänge des Senders Podebrady zu erzählen:

Besichtigung des Rundfunkgebäudes
"Die Tschechoslowakei ist 1918 als ein ganz neuer Staat entstanden, und die Kriegserfahrungen haben gezeigt, dass die drahtlose Telegraphie und überhaupt die drahtlose Kommunikation enorm wichtig für die Verbindung mit der übrigen Welt ist. Und daher hat sich die Regierung der neuen Tschechoslowakei schnell entschlossen, ein System der Radiokommunikation zu errichten, und dessen Hauptglied war gerade das Sendezentrum hier in Podebrady. Mit dem Bau ist begonnen 1921 worden. Das Gebäude ist sehr interessant, weil es dem tschechischen Kubismus angehört ist und im Stil des so genannten Rondokubismus ausgeführt ist. Inzwischen wurden stehen sowohl das Gebäude wie auch die beiden Sendemasten, die noch aus den Jahren 1921 bis 1923 stammen, unter Denkmalschutz."

Während das Gebäude mit seiner prachtvollen Ausstattung originalgetreu erhalten ist und heute einem Golfklub dient, sind von der technischen Ausrüstung leider nur noch die beiden 150 Meter hohen Sendemasten erhalten geblieben. An ihren Spitzen begann vor 70 Jahren die Geschichte von Radio Prag, erinnert Oldrich Cip:

Sendeanlage in Podebrady
"Radio Prag ist also verhältnismäßig spät in die Annalen des Senders Podebrady eingetreten, erst mehr als zehn Jahre nach Aufnahme des Telegraphie-Betriebs, und zwar im 1936. Ein Rundfunk-Sender ist hier im Jahre 1935 installiert worden, und der regelmäßige Betrieb wurde genau um 10 Uhr vormittags Ortszeit am 31. August 1936 aufgenommen."

Nach der Rückkehr aus Podebrady stand dann ein Festabend mit allen Mitarbeitern von Radio Prag auf dem Programm - gleich am Moldaukai, mit Blick auf die abendliche Karlsbrücke. Unser Hörer Hendrik Leuker lässt den Tag nochmals Revue passieren:

Wolfgang Brodöhl  (links) mit Miroslav Krupicka
"Am stärksten im Gedächtnis geblieben sind mir die ausführlichen Erklärungen und der Lichtbildervortrag von Herrn Krupicka zu Anfang, aber auch die Führung durch die Studios und die technischen Räume. Es wird mit moderner Technik gearbeitet, das hat mir imponiert. Im Kontrast dazu stand der Ausflug nach Podebrady, wo man gesehen hat, wie früher mit einfachen Mitteln Rundfunk gemacht wurde und aus welchem Ursprung alles hervorgegangen ist. Es war ein sehr schöner Tag, der hier im Restaurant gemütlich ausklingt."

Oldrich Cip  (links) mit David Vaughan
Schon in Jahrzehnten lässt sich die Verbundenheit von Peter Boeck zu Radio Prag messen. Für ihn, wie er schmunzelnd berichtet, nicht immer ein ungetrübtes Vergnügen - für uns dagegen die schöne Bestätigung, dass bei Radio Prag zunehmendes Alter nicht abnehmende Qualität bedeutet:

"Ich höre Radio Prag seit 1972, und als ich mit dem DX-Hobby begonnen habe, habe ich alle Sender abgeklappert, die es so gab. Früher war es so, dass über Radio Prag sehr viel Blasmusik gespielt wurde. Das hat mich total interessiert - nämlich genau gesagt gar nicht. Aber nach der Wende hat sich das Programm vollständig geändert und mich dann auch angesprochen."

Auf die Wandlungen von Radio Prag geht auch unser dritter Hörergast aus Deutschland ein, Wolfgang Brodöhl aus Köthen. Er hat uns einige Tage nach dem Treffen einen sehr langen, sehr persönlichen und sehr, sehr herzlichen Brief geschrieben, aus dem wir abschließend einen kurzen Auszug zitieren möchten:

Von links: Bara Prochazkova,  Peter Boeck und Hendrik Leuker
"Vergleiche ich die Qualität der Sendungen vor der Samtenen Revolution mit der in der Gegenwart, so ist ein großer qualitativer Sprung nach vorn eingetreten, obwohl ich den Mitarbeitern, die vor der Wende mit in der Redaktion wirkten und die noch nicht die medialen Möglichkeiten der Gegenwart besaßen, unabhängig von ihrer politischen Prägung ein persönliches Engagement für die tschechische Kultur bestätigen möchte. Wenn ich heute in beiden Kulturen lebe, in der deutschen und in der tschechischen, so verdanke ich dies nicht nur meiner tschechisch stämmigen Partnerin, mit der ich mich seit Jahrzehnten in Liebe verbunden weiß, sondern auch in hohem Maße Radio Prag und seinen Sendungen."

Fünfundzwanzigtausend Tage -

wie viel Lust und wie viel Plage?

Sechsmal hunderttausend Stunden-

wie viel Freude, wie viel Wunden?

Siebzig Jahr - ein langes Leben -

und nun heißt es weiterstreben.

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