Sinkende Temperaturen: Prag streitet über Obdachlosenhilfe

War der Winter bis vor kurzem nur eine ferne Erinnerung aus dem vergangenen Jahr, schlägt er jetzt nun richtig zu. Die Kälte hat Europa fest im Griff, und auch in Tschechien fallen die Temperaturen. In Prag bedeutet das eine Gefahr vor allem für die Obdachlosen, ein erstes Opfer gab es bereits in der Nacht auf Dienstag, am Mittwoch morgen meldeten die Behörden im schlesischen Karviná ein weiteres Todesopfer.

Foto: ČTK
Wenn die Temperaturen fallen, wenn es also richtig kalt wird, beginnen die Menschen zu jammern. Die Kälte dringt durch alle Ritzen, und wer vor die Tür will, darf Mütze, Schal und Handschuhe nicht vergessen. Und natürlich steigen die Kosten, wenn die Heizung auf Hochtouren läuft. Während aber Kälte für die meisten Menschen höhere Kosten oder Unbequemlichkeiten bedeutet, heißt sie für viele Obdachlose Lebensgefahr. Gerade in der Hauptstadt Prag leben viele Menschen ohne festes Dach über dem Kopf. Um sie vor der Kälte zu schützen, hat die Stadt Prag verschiedene Maßnahmen ergriffen. Zuständig beim Prager Magistrat ist der stellvertretende Oberbürgermeister Ivan Kabický:

Schiff „Hermes“ (Foto: ŠJů, Creative Commons 3.0)
„Prag hat im Vergleich zur Vergangenheit den Beginn für die außergewöhnlichen Hilfsmaßnahmen auf minus fünf Grad angehoben. Das bedeutet, ab dieser Temperatur können die Obdachlosen alle Einrichtungen nutzen, die von Hilfsorganisationen und den sozialen Diensten der Stadt angeboten werden.“

Dazu gehören die Obdachlosenasyle der Stadt, das Schiff „Hermes“, das auf der Moldau liegt, und ein beheiztes Zelt, dass die Stadt derzeit errichten lässt. In diesem Zelt sollen sich bis zu 50 Obdachlose aufwärmen können. Allerdings kam es nun zu einigen Ungereimtheiten. Der Unternehmer Dalibor Dědek hatte mit den sozialen Diensten der Stadt einen Plan ausgearbeitet, wie den Obdachlosen dauerhaft geholfen werden könnte:

„Wir haben einen Plan ausgearbeitet, eine aufblasbare Halle zu betreiben. Der Plan war sehr gut ausgearbeitet, inklusive sozialer Betreuung, sanitärer Einrichtungen und Bewachung. Wir haben dann auf Grundlage eines Auftrags oder des Bedürfnisses des Zentrums für soziale Dienste die Halle gekauft. Aber zu unserer großen Verwunderung wurde uns, als wir die Halle übergeben wollten, erklärt, dass Prag diese Halle gar nicht will.“

Ivan Kabický
Die Stadt hat die Halle aber nicht wegen eines mangelnden Konzepts oder unzureichender Technik abgelehnt, wie Kabický vom Prager Magistrat erläutert:

„Unsere Konzepte für die Obdachlosen haben gezeigt, dass eine Zentralisierung dieser Menschen an einem Platz über drei Monate im Winter vollkommen falsch ist.“

Der Magistrat fürchtet vor allem, dass es zu Gewalt und Sicherheitsproblemen kommen könnte, weil viele Betrunkene und auch manche Drogenabhängige über eine lange Zeit hindurch einen festen Anlaufplatz hätten. Daher seien viele dezentralisierte Standorte eine bessere Lösung, dort könnten sich auch die Streetworker besser um die Probleme der Einzelnen kümmern, so Kabický.