Skifahren in Tschechien

Ovcarna in Jeseniky (Foto: Volareza)

Weihnachtszeit, weiße Zeit, Skifahrzeit. Bereits seit einigen Wochen überzieht die weiße Pracht die tschechischen Anhöhen in den Beskiden, im Adlergebirge, im Böhmerwald, aber vor allem im Altvatergebirge - zu tschechisch: Jeseniky - und im Riesengebirge - Krkonose. Besonders auf die beiden letztgenannten Gebirgszüge werden wir in diesem Schauplatz eingehen, um Ihnen das Skifahren in Tschechien schmackhaft zu machen. Alles weitere von und mit Olaf Barth.

Ovcarna in Jeseniky (Foto: Volareza)
Tausende Autos wälzten sich bereits am zweiten Adventswochenende durch die Täler des Riesengebirges, um sich zumeist aus Prag oder dem nahen Liberec/ Reichenberg, aber z.T. auch aus Deutschland kommend, über verschneite Straßen zu Orten mit Namen wie Spindleruv Mlyn, Svaty Petr oder Horni Misecky - Spindlermühle, St. Peter und Ober-Schüsselbauden also -durchzukämpfen. Dort tauschen die Insassen der Autos ihre motorisierten vier Räder gegen zwei schnittige Holz- pardon, vielmehr Kunststoffbretter: Drauf auf die Skier, nach oben mit dem Lift, den Berg hinuntergewedelt oder gepurzelt und rein in die Kneipe zum Apresski. So das Szenario, dass es im Riesengebirge während der Wintermonate mal mehr, mal weniger häufig zu bestaunen gibt.

Auch in dem von den tschechischen Metropolen deutlich weiter entfernten Altvatergebirge sind die Zeiten längst vorbei, in denen sich an einem sonnigen, mit reichlich Pulverschnee bedeckten Berghang nur ein oder zwei Dutzend Einheimische und eine Handvoll abenteuerlustige Deutsche oder Skifreaks aus dem benachbarten Polen im Schneckentempo vom einzigen Lift weit und breit den Hang hoch ziehen ließen, um dann gemütlich, den malerischen Ausblick auf die verschneite Berglandschaft genießend, wieder hinunter ins Tal zu gleiten.

Zwischen den zahlreichen Auf- und Abfahrten stärkte man sich mit einem Schluck selbst gebrauten Grog aus der Thermoskanne und erst wenn sich die Dunkelheit über die Gipfel legte, zogen sich alle Skisportler in die einzige Hospoda (also Kneipe) zurück, die es in dem Dörfchen gab, um sich dort um den Kamin gescharrt nicht nur zu wärmen, sondern auch am köstlichen Pivo (Bier) oder Svarak (Glühwein) zu laben und sich trotz der sprachlichen Barriere - deutsch, polnisch und tschechisch - über die jeweiligen Skiabenteuer auszutauschen.

Doch auch rund um Jesenik, also im Altvatergebirge, sind die Parkplätze der Skiareale am Praded (Altvater) und Cervenohorske Sedlo (Roter-Berg-Sattel) nicht nur zur Weihnachtszeit längst überfüllt. Und an den zahlreichen in den vergangenen Jahren modernisierten Liften muss man doch einige Minuten ausharren, bevor man einen jener Anker oder Teller erreicht, die einen dann wieder direkt hineinziehen in das Skivergnügen.

Wie denn die Skibedingungen jetzt, in der Woche vor Weihnachten am Roten- Berg-Sattel sind, fragte ich den Chef des dortigen Skiareals Jan Nesvatba:

"Am Cervenohorske Sedlo liegen bereits rund 50 cm des feinsten Pulverschnees. Die Skibedingungen sind also ausgezeichnet. Die Besucherzahlen sind bisher allerdings eher mäßig."

Und auch am benachbarten Praded, dem höchstgelegnen Skigebiet Tschechiens, ist man mit dem Wetter bisher zufrieden. Der Chef des dortigen Skiareals, Josef Figura, schwärmt:

"Die Schneedecke misst jetzt einen Meter und die Temperaturen sind ebenfalls ideal. Das heißt es herrschen optimale Bedingungen sowohl für Abfahrtski als auch für Langlauf. Leider ist derzeit nur ein Lift in Betrieb - der sog. "große Wenzelsplatz". Erst in den nächsten Tagen werden weitere Lifte geöffnet."

Herrn Figura plagen allerdings noch andere Sorgen. Umweltminister Milos Kuzvart hat ihm nämlich vor wenigen Wochen den Betrieb seines wichtigsten Liftes untersagt und einen weiteren kürzen lassen. Hintergrund ist dieser: Das Skigebiet Ovcarna liegt inmitten eines Naturschutzgebietes am Praded/ Altvater.

Für den Lift- und damit Skibetrieb bedarf es einer Ausnahmegenehmigung des Umweltministeriums, die allerdings an gewisse Auflagen gebunden ist. Laut Meinung der Naturschützer und auch des Herrn Ministers habe der Hotelier und Liftbetreiber Figura zu oft gegen diese Auflagen verstoßen - deshalb die Sanktionen.

Josef Figura bestreitet die Vorwürfe und sieht in den Maßnahmen eher einen Angriff auf sich und sein Unternehmen:

"Die Stilllegung des Liftes wirkt sich nachhaltig auf die Zahl der Skifahrer aus - deren Anzahl sinkt zur Zeit rapide. An dem derzeit einzigen Lift fahren nur ein paar Dutzend Leute. Alarmierend ist für uns vor allem die Tatsache, dass viele Touristen den Skiort schon bald nach ihrer Ankunft verdrossen wieder verlassen, um woanders hin zu fahren - oft sogar ins Ausland.

Für mich und meine Firma sieht das ganz danach aus, dass ein paar Beamte bemüht sind, mich zu ruinieren. Die Stilllegung des C-Liftes bedeutet für mich einen Umsatzrückgang um rund die Hälfte."

Dementsprechend zurückhaltend sind seine Prognosen für die bereits begonnene Saison:

"Wissen sie, wir haben mehr Touristen erwartet, aber die Entscheidung der Staatsbeamten hat leider solche Auswirkungen, dass wir heute schon sehen, dass dieses Jahr viel weniger Touristen kommen werden. Wie ich schon sagte: Alle fahren nun in die Beskiden, zum Roten-Berg-Sattel oder sogar ins Ausland."

Ein paar Kilometer weiter, an eben jenem Roten-Berg-Sattel, blickt man viel zuversichtlicher in die Zukunft. So meint der dortige Skiarealleiter Herr Nesvatba:

"Ich denke, dieses Jahr werden wir mehr Besucher haben als im vorigen Jahr. Die Saison hat gut angefangen, die Schneeverhältnisse sind wie gesagt hervorragend, d.h. die Saison sollte gut laufen."

Und auch sein Kollege aus dem Riesengebirge, Miloslav Kebrle aus Spindlermühle, ist optimistisch:

"Ich denke, dass wir in diesem Jahr bei den Besucherzahlen erneut einen Anstieg von wenigstens 5% verzeichnen werden. Diesen Zuwachs haben wir wirklich jedes Jahr."

Schließlich habe man derzeit ca. 80 cm Schnee, darunter zwar auch etwas Kunstschnee, aber insgesamt seien die Verhältnisse geradezu ideal, schwärmt Herr Kebrle.

Und gerade im Riesengebirge hat man auch dieses Jahr wieder einige Attraktionen zu bieten: Snowrafting z.B., wie die halsbrecherische Abfahrt in einem Schlauchboot genannt wird. In Harrachov/ Harrachsdorf kann man sich diesen Adrenalinkick auf dem Gelände der dortigen Skischanze genehmigen.

Wem das noch nicht genug "Fun" ist, der kann in Spindlermühle auf der 1400 Meter langen Bobbahn seine Kurventüchtigkeit testen.

In mehreren Orten kann man auch dem Snowtubing fröhnen - also einem Ritt auf einem aufgeblasenen Schlauch von der Größe eines LKW-Reifens. Zwei solcher Anlagen gibt es auch in Spindlermühle bzw. in Horni Misecky.

Große Investitionen habe man in diesem Jahr nicht getätigt, erzählt Herr Kebrle, nur kleinere Verbesserungen vorgenommen. Das Skiareal wurde um eine schwarze und eine Touristenpiste erweitert.

Doch auch den Langlauffreunden habe man einiges zu bieten:

"Ich denke, dass das Riesengebirge für Langläufer gut geeignet ist. Allein in unserem Areal - ich meine damit Spindleruv Mlýn - präparieren wir alljährlich Loipen mit einer Gesamtstreckenlänge von ca 80 km."

Nur eines gibt dem Leiter des Skiareals in Spindlermühle zu denken:

"Ich habe das Gefühl, dass immer weniger deutsche Touristen hierher kommen, was sehr schade ist. Die umsatzreichen Jahre 89 und 92 sind leider definitiv vorbei. Aus Polen gibt es dafür jedes Jahr mehr Besucher. Sie wissen eben, dass die Pisten in Spindleruv Mlýn gut präpariert und die Schneebedingungen hier ziemlich gut sind. Deshalb kommen sie gerne zu uns."

Über zahlreiche Besucher aus Deutschland und besonders aus dem benachbarten Polen kann man sich auch am Roten-Berg-Sattel in Jesenik freuen. Herr Nesvatba berichtet:

"Zu uns kommen auch viele Besucher aus Polen - die haben es ja nicht so weit. Der größte Teil kommt aus der Region um Oppeln und sie sind hier sehr zufrieden. Des Weiteren haben wir natürlich auch Touristen aus Deutschland, die meistens zu längeren Aufenthalten hier verweilen."

Für die an der Region Interessierten hat man auch ein neues Informationssystem eingerichtet:

"Diejenigen, die zu uns zum Skifahren kommen wollen, können sich über unser neues elektronisches Infosystem ein paar Anregungen und Hinweise holen. Das ist sowohl über Internet als auch über den Teletext von CT 2 - dem zweiten Tschechischen Programm - möglich."

Außerdem hat man in Jesenik eine neue Langlaufloipe präpariert, die direkt vom Roten-Berg-Sattel zum Altvater führt und ca. 18 Kilometer misst. Und im Altvatergebirge führen eigentlich alle Langlauftrassen an zahlreichen gemütlichen Gaststätten vorbei, deren warmes Kaminfeuer gerade im Winter und nach sportlichen Aktivitäten besonders einladend wirkt.

Sie sehen also, liebe Hörerinnen und Hörer, hierzulande herrschen hervorragende Wintersportmöglichkeiten. Die Anlagen werden ständig modernisiert und den wachsenden Bedürfnissen angepasst. Und dennoch, im Riesen- aber vor allem im Altvatergebirge herrscht eben doch noch jene einzigartige, beinahe familiäre Atmosphäre, die ich eingangs beschrieben habe. Doch kommen Sie und überzeugen Sie sich selbst - Man freut sich auf Sie!

Ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest wünscht Ihnen Olaf Barth.

Autor: Olaf Barth
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