Sommer in Berlin: Ausstellung zum Geschlecht und junge alternative Musik im Tschechischen Zentrum

Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums Berlin

Der Sommer ist auf im Berliner Tschechischen Zentrum angekommen. Zu sehen ist im Juni eine spannende Ausstellung zum Thema Geschlecht, ein Dokumentarfilm über den Kampf gegen eine amerikanische Radarstation und ein Konzert eines deutsch-tschechischen Ensembles. Daneben stellt ein Internetprojekt spannende Musik aus Mitteleuropa vor und es gibt einen Ausflug nach Frankfurt an der Oder. Einzelheiten verrät die Programmdirektorin des Zentrums, Christina Frankenberg.

Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums Berlin
Frau Frankenberg, der Sommer steht bevor, auch im Tschechischen Zentrum gibt es im Juli eine Sommerpause. Vorher aber geht es nochmal richtig zur Sache. Fangen wir an mit der Ausstellung „Transgender Me“. Eröffnet wurde sie ja bereits am vergangenen Donnerstag, was erwartet den Besucher dort?

„In der Ausstellung zeigen wir verschiedene Künstler, die alle in Tschechien oder der Slowakischen Republik beheimatet sind. Sie alle beschäftigen sich mit dem Thema Geschlecht oder Geschlechtsumwandlung. Wir zeigen da ganz verschiedene Werke: Es sind drei Videoinstallationen zu sehen, Fotografien und Gemälde. Man findet also die ganze Bandbreite von Kunst in unserer Galerie vertreten. Kuratiert wurde diese Ausstellung von Lukáš Houdek und Michal Šiml. Um eine Vorstellung zu geben, was für Arbeiten zu sehen sind, möchte ich die Fotografien von Lukáš Houdek erwähnen. Er hat im Internet fotografiert, in einem Chatroom, in dem sich Leute darstellen, die über eine Geschlechtsumwandlung nachdenken oder diese bereits vollzogen haben. Dieser Chatroom ist für diese Menschen eine Art geschützter Raum, wo sie sicher sind vor Anpöbelungen von außen und sich untereinander austauschen können. Houdek hat in diesem Chatroom mit Erlaubnis der Beteiligten fotografiert und diese Arbeiten sind, unter anderem, an einer unserer Ausstellungswände zu sehen.“

Quelle: Archiv des Tschechischen Zentrums Berlin
Wie fotografiert man in einem Chatraum?

„Er hat den Monitor abfotografiert. Das erkennt man sofort an den Fotografien, weil sie leicht verpixelt sind beziehungsweise die Bildschirmstrukturen erkennt.“

Vielleicht gehen wir chronologisch weiter: Am kommenden Sonntag findet ein Konzertabend statt, er heißt „Der italienische Bach“. Was kommt da auf die Interessierten zu?

Foto: Prokop Havel, Archiv des Tschechischen Rundfunks
„Vielleicht wissen es ja die einen oder anderen Hörer: Bach war sehr fasziniert von den Werken Vivaldis und hat sich von ihnen inspirieren lassen in seinem eigenen Schaffen. So ist zum Beispiel sein italienisches Konzert entstanden. Und am nächsten Sonntag kommt ein junges, neu gegründetes Barock-Orchester nach Berlin. Es hat den Namen ‚Capella Anna’ und vereint deutsche und tschechische Musiker, die an diesem Abend eben jene Kompositionen von Johann Sebastian Bach vorstellen, die vom italienischen Musikschaffen seiner Zeit beeinflusst worden sind.“

Zeigen Sie am Montag danach, am 24. Juni auch wieder einen Dokumentarfilm beim Dokumontag?

Film ‚Böhmischer Frieden’
„Wir haben ja im Januar im Tschechischen Zentrum unsere Filmreihe ‚Dokumontag’ begonnen. Dort zeigen wir regelmäßig tschechische, aber auch internationale Dokumentarfilme. Am nächsten Montag steht dann wieder ein tschechischer Film auf dem Programm. ‚Český Mír“, der ‚Böhmische Frieden’ von Filip Remunda und Vít Klusák. Die beiden haben drei Jahre lang in der Tschechischen Republik den Krieg in den Medien und der Gesellschaft, wenn man das so sagen möchte, beobachtet, der sich an den Plänen der US-amerikanischen Regierung entzündet hatte, im kleinen Ort Brdy ein Radar aufzustellen. Dieses Radar sollte Teil einer großen amerikanischen Raketenabwehr sein, die Pläne sind aber mittlerweile ad acta gelegt worden. Aber in den Jahren, als die Pläne noch sehr aktuell waren, haben die beiden Filmemacher in der gesamten Tschechischen Republik gefilmt und viele Gegner, aber auch Befürworter des Projekts vor die Kamera geholt. Damit haben sie die verschiedenen Positionen und den Kampf der beiden Lager dargestellt.“

Lucia Udvardyová und Petr Gunda (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums Berlin)
Dann bleibt das Tschechische Zentrum musikalisch – am 26. Juni haben Sie eine Veranstaltung unter dem Namen „Do Pixels Dance the Polka“ angekündigt. Es ist schwer, sich darunter etwas vorzustellen, vielleicht könnten Sie uns da eine Idee geben?

„Während sich die Veranstaltung am Sonntag eher auf klassische Musik konzentriert, stellen wir am kommenden Mittwoch die ganz junge, unabhängige Musikszene in Tschechien und in der Slowakei vor. Das machen wir aber nicht selber, sondern wir haben dazu zwei Gäste aus Prag eingeladen: Lucia Udvardyová und Petr Gunda. Die beiden haben die Plattform „Easterndaze“ gegründet. Das ist eine Internetplattform zur Verbreitung neuer und unabhängiger Musik und Kunst aus Ost und Mittelosteuropa. Die beiden sind sehr viel unterwegs und reisen in verschiedene mittelosteuropäische Städte. Sie wollen dort einen Eindruck von der unabhängigen Musikszene einfangen und werden im Tschechischen Zentrum am nächsten Mittwoch Clips und audiovisuelle Musik aus Tschechien und der Slowakei vorstellen. Sie machen auch bekannt mit der unabhängigen Musikszene aus mehreren Städten, unter anderem aus Prag, Brno / Brünn, Zlín, Ostrava / Ostrau, Ústí nad Labem / Aussig, aus der slowakischen Hauptstadt Bratislava und aus Košice, was ja europäische Kulturhauptstadt 2013 ist.“

Frankfurt an der Oder (Foto: Wikimedia Free Domain)
Kann man dabei tanzen, oder ist es eher ein Vortrag?

„Es wird wohl weder direkt zum Tanzen einladen, obwohl ich das nicht ausschließen möchte, bei uns in der Galerie ist genügend Platz, noch ist es eine wissenschaftliche Veranstaltung. Die beiden werden die verschiedenen Städte und ihre Musikszenen auf Englisch vorstellen und dabei werden viele der Clips und Musikvideos zu sehen sein.“

Ende Juni dann macht das Tschechische Exkursion – etwa 100 Kilometer geht es nach Osten und zwar nach Frankfurt an der Oder. Dort gibt es einen „Tschechischen Abend“, vielleicht könnten Sie dazu ein paar Worte sagen?

Ondřej Buddeus (Foto: Nietzschema, CC BY-SA 3.0)
„Das ist ein Projekt, dass die Stadtgruppe der GFPS in Frankfurt/Oder vorbereitet hat. GFPS ist die Gemeinschaft für studentischen Austausch in Mittelosteuropa. Zu diesem tschechischen Abend ist der junge tschechische Dichter Ondřej Buddeus eingeladen. Er hat dieses Jahr den Jiří-Orten-Preis für Dichter und Poeten unter 30 Jahren erhalten. Er wird also einige seiner Gedichte in tschechischer Sprache und deutscher Übersetzung vorstellen. Dabei wird er von Vlado Micenko am Kontrabass begleitet und die Stadtgruppe der GFPS hat dazu Spezialitäten und tschechische Leckereien vorbereitet und wird ein wenig über die Tschechische Republik informieren.“