Späte Fracht: Exilliteratur trifft in Prag ein

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Endlich ist sie da, wo sie auch hingehört: Die Sammmlung tschechoslowakischer Exilliteratur kam gestern im tschechoslowaischen Dokumentationszentrum in Dobrichovice bei Prag an. Zuvor war sie jahrelang im fränkischen Scheinfeld-Schwarzenberg eingelagert, schließlich ist sie jetzt quasi an ihrem Bestimmungsort eingetroffen. Mehr dazu von Bettina Schlener.

8000 Exil-Bücher, über 1500 Samizdat-Bücher und Zeitschriften, Video-Cassetten und Fotographien fanden am Montag den Weg nach Prag, in die Stadt, in die sie eigentlich schon immer gehörten. Darunter waren auch fremdsprachige Bücher über den Kommunismus, kistenweise Briefe bzw. persönliche Aufzeichnungen. Ebenfalls in dem Laster aus Deutschland war die Dokumentation des Prager Frühlings. Der Vorsitzende des Prager Dokumentationszentrums Vilem Precan betonte aber, daß die Sammlung nicht für eine Bibliothek, sondern für ein Forschungszentrum der Geschichte des antitotalitären Widerstands genutzt werden solle.

Dobrichovice ist erst einmal eine Art Zwischenlager, die komplette Sammlung - ein Teil von ihr war schon vor sechs Jahren nach Tschechien gekommen - soll in einem neurekonstruierten Gebäude des Nationalmuseums auf der Prager Kleinseite untergebracht werden. Das Ordnen des Archivs wird - so Precan - allein ungefähr vier bis fünf Jahre dauern.

Das Exil-Dokumentationszentrum war in den 80er Jahren von einer Gruppe Exil-Intellektueller gegründet worden. Vor sechs Jahren entschied sich Precan mit seinen Kollegen, ein Forschungszentrum für die Geschichte des antitotalitären Widerstands zu Hause und auch im Exil zu errichten. Sie gründeten die Stiftung des tschechosolwak. Dokumentationszentrums, die im Frühjahr 98 in eine gemeinnützige Gesellschaft verwandelt wurde.

Autor: Bettina Schlener
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