Spolana: Streit über Verantwortung setzt sich fort

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Bereits gestern haben wir darüber berichtet: Die Debatte über Umweltschäden, die durch das vom Hochwasser erfasste Chemiewerk Spolana verursacht wurden, hat sich mittlerweile zu einem Diskussionsreigen um Verantwortung und Kompetenz ausgeweitet. Am Montag sollten auf einer Pressekonferenz in Neratovice wenigstens einige dieser Fragen geklärt werden. Gerald Schubert war dort, und hat folgenden Bericht für Sie vorbereitet:

Die unmittelbare Bedrohung durch über die Ufer getretene Wassermassen ist auch in Neratovice gewichen. Das mittelböhmische Städtchen gleicht unzähligen anderen, vor wenigen Tagen noch überschwemmten Ortschaften: Vor den Einfamilienhäusern, deren Wände teilweise bis über die Fenster immer noch feucht sind, stapeln sich Möbel und Gebrauchsgegenstände, und man hofft, wenigstens einige von ihnen so trocknen zu können, dass sie wiederverwendbar werden.

Die mittelbare Bedrohung durch die angrenzende Chemiefabrik Spolana ist hingegen noch nicht greifbar. Nachdem am Freitag zum zweiten Mal Chlorgas entwichen war, sind die Menschen vor Ort verunsichert. Und nicht nur in Neratovice selbst stellt man sich die Frage, ob tatsächlich alles getan wurde, um die fatalen Auswirkungen des Hochwassers in den Griff zu bekommen, und ob nun solche Personen an den verantwortlichen Stellen sitzen, deren Fachkompetenzen und deren Kommunikationsverhalten dem Ernst der Lage entspricht.

Jan Papez, der Präsident der Assoziation zur Ausarbeitung von Hochwasserschutzplänen, versuchte am Montag aus technischer Sicht eine erste Bilanz zu ziehen. Dabei verwies er immer wieder auf die Unvorhersehbarkeit der jüngsten Ereignisse, und nahm damit die Firma Spolana in Schutz, die aus seiner Sicht nicht mehr zur Verhinderung von Umweltschäden hätte beitragen können.

"Das ist einfach eine Katastrophe, ein Problem, das niemand vorhersagen konnte. Alle sagten, es kommt ein Hochwasser, aber niemand weiß das genau. Niemand weiß, auf welche Weise sich die Wolken letztlich auspressen, verstehen Sie?"

Anwesende Gemeindevertreter, in erster Linie Bürgermeister der umliegenden Ortschaften, zeigten sich jedoch mit der Informationspolitik und der Kooperationsbereitschaft von Spolana sehr unzufrieden. Und ein ebenfalls anwesender Bürger von Neratovice brachte die Sorgen der Bevölkerung auf den Punkt:

"Wie sehen die Sicherstellungen aus, dass kein Einwohner hier Angst haben muss, dass von dieser Seite Gefahr droht?"

Jan Papez verwies abermals auf das ungeahnte Ausmaß der Überschwemmungen:

"Dieses Jahrhunderthochwasser hatte einfach alle Anzeichen einer Katastrophe. Damit müssen wir uns leider abfinden."

Mittlerweile allerdings wurde, mit Wirksamkeit ab Dienstag, der bisherige Generaldirektor von Spolana, Radomir Vek, abgesetzt und durch den Chef der Firma Chemopetrol, Miroslav Kuliha, ersetzt. Eine globale Beantwortung der Frage, in welchem Verhältnis Katastrophen und menschliche Verantwortung zueinander stehen, wird wohl auch ihm nicht gelingen. Über die nächsten konkreten Schritte der Firma werden wir aber natürlich weiter berichten.