Wochenschau

Präsidenten Madl, Havel und Kwasniewski, Foto:CTK

Willkommen zum deutschsprachigen Programm von Radio Prag. Bevor wir Sie nun zu unseren gewohnten Rubriken einladen dürfen, hören Sie zunächst einen Rückblick auf das Geschehen der vergangenen Woche. Am Mikrophon begrüßt Sie dazu recht herzlich Gerald Schubert.

Am Montag war bereits absehbar, dass nach dem verheerenden Hochwasser in Tschechien weitaus größere Schäden befürchtet werden müssen, als ursprünglich erwartet. Premier Vladimír Spidla verlautbarte, dass die bisher bekannten Schäden auf einen Betrag zwischen 60 und 90 Milliarden Kronen (ca. 2 bis 3 Milliarden Euro) geschätzt werden müssen.

Am Dienstag hat sich der deutsche Umweltminister Jürgen Trittin wegen möglicher Umweltschäden durch die tschechische Chemiefabrik Spolana in Neratovice vor Ort ein Bild von der Lage gemacht. Das Werk wurde im Zuge des Elbe-Hochwassers überflutet. Trittin besuchte Spolana auf Einladung seines tschechischen Amtskollegen Libor Ambrozek, teilte das Umweltministerium in Berlin mit. Beide Minister vereinbarten konkrete Formen internationaler Zusammenarbeit, um die Bedrohung durch freigesetzte Chemikalien abzuwenden.

Vor dem Gebäude des Tschechischen Rundfunks unweit des Nationalmuseums wurde am Mittwoch Vormittag mit Kranzniederlegungen der Opfer gedacht, die beim Einmarsch sowjetischer Truppen in die Tschechoslowakei am 21. August 1968 ums Leben gekommen sind. Auch auf den Straßen von Brno/Brünn gedachten Vertreter des Südmährischen Landkreises und des Brünner Magistrats der Opfer der sowjetischen Okkupation sowie der Repressionen gegen friedliche Demonstranten im Jahr darauf.

Am Mittwoch früh durften Bewohner des vom Hochwasser am meisten betroffenen Prager Stadtbezirks Karlin erstmals wieder ihre Häuser besichtigen. Hunderte Menschen standen zuvor in langen Schlangen an, um die dafür nötige Genehmigung zu erhalten. Die Bewohner wurden auch aufgerufen, verdorbene Lebensmittel zu entsorgen. In Karlin ist durch das Hochwasser die Statik von über 40 Häusern ernsthaft bedroht.

Nachdem Schulministerin Petra Buzkova bereits in der Vorwoche ihre Zustimmung dazu gegeben hatte, dass in den vom Hochwasser beschädigten Grundschulen Prags sowie in Schulen, in denen evakuierte Personen beherbergt sind, das neue Schuljahr um 2 Wochen später beginnen soll, hat am Donnerstag der Prager Magistrat auch den Leitern der mittleren Schulstufe empfohlen, wegen der komplizierten Verkehrslage in der Hauptstadt die Wiederaufnahme des Unterrichts vorläufig aufzuschieben. Das neue Schuljahr beginnt in Tschechien traditionsgemäß am 1.September.

Präsidenten Madl, Havel und Kwasniewski, Foto:CTK
Die Präsidenten Tschechiens, Polens, und Ungarns kamen am Donnerstag in Castolovice beim ostböhmischen Rychnov nad Kneznou zusammen. Der slowakische Präsident Rudolf Schuster musste seine Teilnahme an dem Treffen der sog. Visegrad-Staaten aus Krankheitsgründen absagen. Die europäische Integration, die EU-Erweiterung und die Annäherung der Kandidatenländer an die EU seien die Hauptthemen der Gespräche, sagte der tschechische Präsident Vaclav Havel gegenüber der Nachrichtenagentur CTK. Das diesjährige Treffen findet vor allem deshalb in der Tschechischen Republik statt, weil es für Havel voraussichtlich das letzte vor Ende seiner Amtszeit Anfang kommenden Jahres ist.

Angesichts der durch die Hochwasserkatastrophe entstandenen Schäden sucht das Kabinett nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten und erwägt deshalb eine Steuererhöhung zu einem früheren Termin als ursprünglich vorgesehen. Finanzminister Bohuslav Sobotka schließt eine solche Steuererhöhung schon ab nächstem Jahr nicht aus. Alles sei Gegenstand politischer und ökonomischer Debatten, die im Laufe der kommenden Wochen abgeschlossen werden sollten, nachdem die Höhe der Hochwasserschäden beziffert worden sei, sagte der Minister.