Sportreport

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Ahoi und herzlich willkommen zum Sportreport von Radio Prag. Am Mikrofon begrüßt Sie Lothar Martin.

Wir schreiben den 1. September und in Tschechien hat - wie alljährlich üblich - ein neues Schuljahr begonnen. Doch auch im Sport beginnen neue Wettbewerbe bzw. stehen unmittelbar vor der Tür, wie die achte Saison in der hiesigen Eishockey-Extraliga, die am kommenden Freitag beginnt, oder der Start in die I. Hauptrunde der Fußball-Champions League, in der der tschechische Meister Sparta Prag auf attraktive Kontrahenten trifft. Bevor wir uns aber diesen Themen zuwenden, blicken wir voraus auf das Sportereignis, das in diesem Monat die Schlagzeilen der Medienwelt beherrschen wird: die Olympischen Sommerspiele in Sydney. Und da wollen wir Ihnen eine große Medaillenhoffnung für die Tschechische Republik kurz etwas näher vorstellen. Über wen wir dabei sprechen werden, das erfahren Sie gleich.

Ein Kanu und ein Stechpaddel, das sind die Arbeitsgeräte des 26-jährigen Martin Doktor, der wie kaum ein Zweiter in den letzten Jahren das Weltniveau in den Einer-Canadier-Konkurrenzen mitbestimmt hat. Was Wunder, ist Doktor doch der Doppel-Olympiasieger von Atlanta über die 500- und 1000-m-Strecke.

Nach Sydney fährt der Blondschopf, der von seinem Vater Josef trainiert wird, also als Titelverteidiger. Andererseits weiß der Doktor aus dem ostböhmischen Sezemice auch, dass die Gegnerschaft nicht schläft. Im Gegenteil. Kurz vor seinem Abflug Anfang August ins Trainingscamp nach Südafrika, sagte der Prager Sportstudent vor Journalisten, dass sich ihm zuletzt immer jüngere und stärkere Konkurrenten entgegen gestellt haben. Dennoch sei er seit der WM 1995 in Duisburg nie ohne Medaille von einer internationalen Meisterschaft nach Hause gefahren, so Doktor, weshalb er sich auch für Sydney entsprechende Ziele gesetzt hat: "Also das Minimalziel ist, wie ich bereits sagte, der Gewinn zumindest einer Medaille. Ich wäre enttäuscht, wenn ich ohne heimkehren würde. Mein Maximalziel werde ich nicht verraten - nur soviel: ich werde versuchen alles zu geben und dann wird es von der Tagesform und den äußeren Einflüssen abhängen, was am Ende dabei herauskommt."

Auf seine stärksten Gegner angesprochen, nannte Doktor gleich ein halbes Dutzend: "Ganz sicher gehören der Russe Maxim Opelew und der Deutsche Dittmer dazu. Des weiteren rechne ich mit den Ungarn, die immer schnell sind, sowie mit einem Bulgaren und einem Kanadier."

Von der neuen Regattastrecke in Sydney war Doktor sichtlich angetan: "Das ist praktisch eine völlig neue Strecke, eine künstliche Strecke. Die Windverhältnisse sind dort ganz andere als vor vier Jahren in Atlanta. Andererseits trainiere ich bei uns in Racice auf einer ziemlich ähnlichen Anlage, sodass mir in Sydney nichts Überraschendes widerfahren sollte. Ich denke, die Strecke von Sydney wird mir liegen."

Das hoffen auch seine heimischen Fans. Martin Doktor jedenfalls gehört zu den ganz heißen Medaillenkandidaten der Tschechischen Republik in Sydney.


Heiß hergehen wird es für den tschechischen Fußballmeister Sparta Prag auch in der Champions League. Denn nachdem sich das Team von Trainer Ivan Hasek durch zwei 1:0-Siege über Zimbru Chisinau für die europäische Millionenliga qualifiziert hatte, bekamen die Blau-gelb-roten aus dem Stadtteil Letná auch sogleich erstklassige Gegner in der Gruppe B zugelost: den italienischen Champion Lazio Rom, den englischen Vize Arsenal London und die nicht zu unterschätzende Mannschaft von Schachtjor Donezk. Welch unangenehmer Widersacher die Ukrainer sein können, musste gerade in der Qualifikation Lokalrivale Slavia Prag erfahren, der trotz eines 1:0-Auswärtssieges aus dem Hinspiel noch die Segel streichen musste. Beim Prager 0:2 nach Verlängerung fiel das erste Tor - zum Entsetzen von Slavia - erst in der Nachspielzeit. Dumm gelaufen, denn ein 0:0 hätte zum Weiterkommen gereicht! Aber eine ebensolch schlimme Erfahrung hat Sparta bereits vor zwei Jahren gemacht, und da kam der Gegner auch aus der Ukraine. Es war Dynamo Kiew.

Trotz der starken Konkurrenz bleibt Trainer Hasek für den Verlauf der Gruppenspiele optimistisch: "Also ich denke, dass die Gruppe, in der wir sicher nicht der Favorit sind, eine schwere ist. Aber auf der anderen Seite sage ich: spielen lässt es sich mit jedem, wir werden kämpfen in jedem Spiel und um jeden Punkt."

Und mit Vorfreude sieht Hasek bereits dem Auftaktduell mit Arsenal London am 12. September in Prag entgegen: "Also ich sehe unsere Chance als offen an. Wir spielen daheim vor ausverkauftem Haus, die Zuschauer dürfen sich freuen, denn wir empfangen eine der besten Mannschaften der Welt. Doch es wird ein ausgeglichenes Spiel geben und ich glaube mit einem erfolgreichen Ausgang für uns."

Soweit zum Fußball. Da die Sendezeit leider schon wieder weit fortgeschritten ist, abschließend nur noch kurz die wichtigsten Neuerungen in der bevorstehenden Eishockeysaison der tschechischen Extraliga. Erstmals werden auch im hiesigen Eishockey drei Punkte für einen Sieg vergeben. Allerdings für einen in der regulären Spielzeit erzielten. Bei einem Unentschieden nach 60 Spielminuten gibt es eine fünfminütige Verlängerung. Beide Teams haben einen Zähler sicher, der mögliche Gewinner in der Overtime erhält einen weiteren dazu. Die Verlängerung - und das hat man sich einmal mehr aus der nordamerikanischen NHL abgeschaut - wird von beiden Mannschaften nur mit vier Feldspielern bestritten. Von diesen Regelungen erhofft man sich eine höhere Torausbeute und daher noch mehr Attraktivität.