Stadtpanorama gefährdet: Prager protestieren erneut gegen Haus-Abriss

Foto: Kristýna Maková

Auf den ersten Blick ist es ein eher unauffälliges Prager Haus: es steht an der Ecke des Wenzelsplatzes zur Opletalova-Straße. Das historische Gebäude aus dem Jahr 1880 liegt also im unter Denkmalschutz stehenden Stadtzentrum. Seit mehreren Monaten droht ihm jedoch der Abriss. Gegen die Pläne des Investors, anstelle des Hauses ein modernes Gebäude zu erbauen, wurde schon vor knapp einem Jahr auf dem Wenzelsplatz demonstriert. Am vergangenen Mittwoch protestierten rund 80 Menschen vor dem Kulturministerium gegen den Abriss des Hauses.

 Prager Haus an der Ecke des Wenzelsplatzes zur Opletalova-Straße (Foto: Kristýna Maková)
Mit Beifall wurden die Redner bedacht, die vor den Demonstranten sprachen. Einige der Protestierenden hielten Transparente hoch, auf denen sie die Kulturministerin zum Handeln aufforderten. Die Demonstration wurde von Vítězslav Praks von der Tschechischen Piratenpartei, der auch Mitglied der Bürgerinitiative „Monitoring Ring“ ist, einberufen. Er erinnerte an die unglückliche Entscheidung des Kulturministers aus dem letzten Jahr:

„Der ehemalige Kulturminister Besser kam den Interessen des Investors entgegen. Er ist inzwischen zurückgetreten und wurde durch Ministerin Hanáková im Amt abgelöst. Aber aus den Pressberichten des Ministeriums geht hervor, dass man nicht mehr vorhat, etwas für die Rettung des Hauses zu unternehmen. Zum Glück beantragte die Bürgerinitiative „Freunde der historischen Denkmäler“ beim Kulturministerium, das Haus zum Kulturdenkmal zu erklären. Mit dieser Demonstration möchten wir den Antrag unterstützen. Zudem möchten wir auf den oft absurden Umgang mit den Denkmälern im historischen Stadtkern von Prag aufmerksam machen.“

Martin Bursík (rechts). Foto: ČTK
Unter den Protestierenden waren Vertreter mehrerer Parteien, die zurzeit aber nicht im Parlament vertreten sind. Neben den Piraten, den Christdemokraten und den Konservativen waren auch die Grünen mit dabei, unter ihnen auch Ex-Umweltminister Martin Bursík. Er kritisierte das Verhalten des Kulturministeriums:

„22 Jahre lang lernen wir nun, in einer Demokratie zu leben. Aber die Beamten der Staatsverwaltung haben noch nicht gelernt, dass eine Demonstration vor ihrem Amt sie betrifft. Es wäre anständig, wenn jemand von diesem Amt kommen würde, um die Argumente der Protestierenden zu hören.“

Das Vorhaben des Investors, das historische Haus abzureißen und es durch ein modernes Gebäude zu ersetzen, wurde inzwischen von mehreren Prager Denkmalschutzexperten kritisiert. Architektin Marie Švábová ist Vizevorsitzende des Verbands für den Schutz des Kulturerbes der Tschechischen Republik. Ihrer Meinung nach würde das geplante Gebäude die dominierende Wirkung des Nationalmuseums mit dem Denkmal des Heiligen Wenzel im Stadtbild zerstören.

Foto: Martina Schneibergová
„Diese Situation wäre nicht entstanden, wenn die Stadt Prag über einen guten Regulierungsplan verfügen würde. Dann könnte ein Investor nicht jedes beliebiges Gebäude und Grundstück kaufen. Ich befürchte, dass dieser Plan in Prag absichtlich fehlt. Denn er würde die Möglichkeit der Bestechlichkeit bei Investorenplänen bedeutend einschränken.“

Erst nach der Demonstration erschien noch die Pressesprecherin des Kulturministeriums, Markéta Ševčíková. Sie sagte den anwesenden Journalisten, dass die Ministerin die Entscheidung ihres Vorgängers im Amt nicht einfach zurücknehmen könne. Gleichzeitig weckte Sie aber doch Hoffnung:

„Es kann sein, dass das Verfahren, das Haus zum Kulturdenkmal zu erklären, doch noch eingeleitet wird. Das Gebäude könnte also in Zukunft zum Kulturdenkmal erklärt werden. Dies können wir aber nicht versprechen, weil dies von einer ganzen Reihe von Faktoren abhängig ist.“

Foto: ČTK
Der Initiator der Protestkundgebung, Vítězslav Praks, war mit der Teilnahme zufrieden.

„Es sind Leute verschiedenen Alters gekommen. Unter ihnen waren Denkmalschützer, Vertreter von politischen Parteien und Bürgerinitiativen sowie Leute, die in der Nachbarschaft des Hauses wohnen. Wir haben vor, wenn es notwendig sein wird, die Proteste fortzusetzen.“

Es bleibt abzuwarten, ob sich das Kulturministerium in den Fall einschalten wird.