Stand der tschechisch-deutschen Beziehungen

Deutsche und tschechische Flagge

Das Gespräch mit Lida Rakusanova führte Olaf Barth.

Deutsche und tschechische Flagge
Heute, elf Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung, bezeichnen Politiker beider Seiten das tschechisch-deutsche Verhältnis als entspannt - und das trotz der kürzlich ausgesprochenen deutschen Forderung nach einer Stilllegung des AKW Temelin oder dem ewigen Thema der Vertreibung der Sudetendeutschen. Wir wollten wissen, wie eine Expertin der tschechisch-deutschen Beziehungen diese beurteilt und fragten Lida Rakusanova, langjährige Mitarbeiterin bei Radio Free Europe und heute freie Journalistin.

"Die deutsch-tschechischen Beziehungen sind sicherlich besser, als sie in der Vergangenheit je waren. Das heißt aber nicht, dass sie in Ordnung sind, sie könnten nämlich viel besser sein. Polen und Ungarn, zwei weitere EU-Beitrittskandidaten, exerzieren das vor. Und das schafft Tschechien nicht, dabei hätte die Tschechische Republik das wirklich nötig, schon wegen der EU-Osterweiterung - weil sie ja in Deutschland einen mächtigen Fürsprecher haben könnte. Das größte Problem sehe ich darin, dass die Sudetendeutsche Frage immer noch offen ist und das Verhältnis belastet."

Frau Rakusanova betont, dass trotz der Tschechisch-Deutschen Erklärung von 1997, die Klärung dieser Frage noch immer nicht mit der nötigen Offenheit betrieben wird und dass im Gegenteil, Bestrebungen auch von Seiten der Historiker bestehen, diese unter den Tisch fallen zu lassen. Und sie fügt hinzu:

"...und der Schattenaußenminister von ODS Zahradil sagte das auch schon mehrere Male, dass die Versuche die deutsch-tschechischen Beziehungen in der Vergangenheit neu zu sehen, eigentlich nur den Sudetendeutschen in die Hände spielen. Das ist eine Betrachtungsweise, die wir unter dem Kommunismus hatten. Ich glaube, dass die Tschechen sich die Lösung der Sudetendeutschenfrage selbst schulden, weil sie selbst davon am meisten profitieren würden. Nicht nur in Bezug auf ihr Verhältnis zu Deutschland, sondern auch wegen der Minderheit im eigenen Lande. Das sind Leute, die nach dem 2.Weltkrieg bleiben durften und dennoch haben sich die ganzen Dekrete und Enteignungen auch auf sie bezogen und sie sind dadurch Bürger zweiter Klasse. Spätestens mit dem EU-Beitritt muss das gelöst werden, aber es wäre natürlich fabelhaft, wenn man das schon vorher selbst lösen könnte, ohne unter Druck zu stehen und aus eigenem Antrieb."

Autor: Olaf Barth
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