Sternwarte Ondřejov: Astronomische Spitzenforschung in Tschechien

Foto: Archiv der Akademie der Wissenschaften

Astronomen von der tschechischen Akademie der Wissenschaften nehmen derzeit teil an einem weltumspannenden Projekt. Die Daten erhalten sie vom größten Radioteleskop der Welt in Chile. Diese Informationen werden weiterverarbeitet und wiederum anderen Wissenschaftlern zur Verfügung gestellt.

Sternwarte Ondřejov (Foto: Archiv Radio Prag)
Ondřejov ist eine kleine Gemeinde bei Prag. Bereits 1898 wurde hier auf einem Hügel eine erste Sternwarte gebaut und 1928 der Prager Karlsuniversität geschenkt. Heute hat hier das Astronomische Institut der Akademie der Wissenschaften seinen Sitz. Auf einem Monitor vermischen sich helle und dunkle Farben. Der Astrophysiker Miroslav Bárta erklärt, was dort vor sich geht:

„Was wir hier im Bild rechts sehen, sind Galaxien, die sich miteinander verbinden. Was aber wirklich zu sehen ist, ist eine Darstellung von leuchtenden Gasen bei verschiedenen Geschwindigkeiten.“

Foto: Archiv Radio Prag
Seit über einem Jahr ist die Sternwarte in Ondřejov das europäische Zentrum eines Forschungsverbandes, dessen Kernstück ein riesiges Radioteleskop ist. Alma, so der Name, steht in Chile und ist seit 2013 in Betrieb. Es besteht aus 66 Antennen, die in der Atacamawüste auf über 5000 Meter Höhe installiert wurden. Derzeit laufen die ersten Daten auch in Tschechien ein.

„Unser Regionalzentrum ist eines von dreien auf der ganzen Welt: Eins steht in Südamerika, eines hier in Europa, und ein drittes befindet sich in Japan. Das Ziel dieses Netzes ist es, eine Schnittstelle zwischen der Nutzergemeinde und dem eigentlichen Observatorium zu bilden.“

Miroslav Bárta (Foto: Archiv Radio Prag)
Forscher aus ganz Europa können nun Anfragen an Alma stellen, um zum Beispiel einen bestimmten Nebel oder eine Galaxie zu beobachten. Diese Wünsche werden dann in Tschechien übersetzt, erklärt Bárta:

„Die Wünsche kommen bei uns in einfacher Textform an. Da schreibt dann ein Wissenschaftler, was er beobachten will. Weil aber Alma relativ kompliziert funktioniert, werden diese Wünsche dann mit einer speziellen Software codiert.“

Foto: Archiv ESO, Wikimedia CC BY 3.0
Die Ergebnisse der Beobachtungen werden dann wieder in Ondřejov entschlüsselt und an die Wissenschaftler weitergegeben. Darüber hinaus helfen die Astronomen der tschechischen Sternwarte ihren Kollegen aber auch bei der weiteren Interpretation der Daten, sagt der Astrophysiker. Die Informationen sind geschützt und stehen vor der allgemeinen Freigabe ein Jahr lang ausschließlich den Forschern zur Verfügung, die diese angefordert haben, betont Bárta.

In der Sternwarte Ondřejov werden aber nicht nur Serviceleistungen erbracht, sondern auch eigene Forschungen unternommen. So ist bereits ein neues Projekt in Vorbereitung, mit diesem wollen die Experten ab 2017 systematisch die Sonne erkunden.

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