Streik im Gesundheitswesen ist gebannt
Unter allen Ressorts, die sich auf den EU-Beitritt Tschechiens vorbereiten, nimmt das Gesundheitswesen eine bedeutende Stellung ein. Der Zugang zum einheitlichen europäischen Markt wird auch auf diesem Gebiet eine größere Konkurrenz mit sich bringen und zugleich auch Raum für die Zusammenarbeit von Fachleuten schaffen. Im Laufe der 90er Jahre hat sich vieles in diesem Bereich zum besseren entwickelt. Somit nimmt Tschechien heute unter den EU-Kandidatenländern in diesem Bereich einen der vorderen Plätze ein und auch mit den Mitgliedsländern kann es sich durchaus messen. Es geht z.B. um die Zahl der Ärzte, die auf ein Hundert Tausend Einwohner entfallen, oder die Sterberate der Kinder. Gleichzeitig weist das Gesundheitswesen aber auch Mängel auf, von denen der Mangel an Geld am größten ist. Dazu mehr im folgenden Beitrag von Jitka Mladkova:
Die Kosten, besser gesagt Unkosten des tschechischen Gesundheitswesens sind wohl die Hauptursache dafür, dass so viele Tschechen mit dem heimischen Gesundheitssystem unzufrieden sind. Von einer Reform war mit jedem neuen Gesundheitsministers die Rede, von denen es seit der Wende 1989 wesentlich mehr gab, als es der Zahl der Regierungsbildungen entsprechen würde. Besonders unzufrieden ist seit Jahren das medizinische Personal. Krankenswestern z.B. beziehen Gehälter, deren obere Grenze dem Durchschnittslohn von ca. 15 Tausend Kronen/ rund 500 Euro entspricht, viele aber müssen, wenn sie keine Überstunden leisten, mit wesentlich geringeren Einkünften vorlieb nehmen. Für ausgesprochen unterbezahlt - besonders im Vergleich mit ihren Kollegen in den EU- Ländern - hält sich die absolute Mehrheit der tschechischen Ärzte. Die bereits im vergangenen Jahr angekündigte Änderung der gültigen Tarife wurde letztendlich wegen der hohen durch das Hochwasser verursachten Schäden auf dieses Jahr verschoben. Doch mehr als von einer Aufstockung der Gelder im Gesundheitsressort spricht man hierzulande seit einiger Zeit von der Reform der öffentlichen Finanzen, sprich von harten Streichungen im Haushalt. Die Mediziner wollten aber nicht länger auf die versprochene Erhöhung ihrer Gehälter warten. So rief am 20.Mai die stärkste Gewerkschaftsorganisation der Beschäftigten im Gesundheitswesen, die 52 000 Mitglieder vereint, ihre Streikbereitschaft aus und für den 16.Juni wurde ein Streik angekündigt. Am Mittwoch verhandelten Vertreter dieses Gewerkschaftsverbandes mit der Gesundheitsministerin Marie Souckova. Das Fazit: beide Seiten einigten sich auf die Einführung eines geplanten Lohnsystems im Gesundheitswesen, das zu 85 Prozent aus dem Budget der Gesundheitsversicherung finanziert wird. Eben hier muss man fünf Milliarden Kronen einsparen, um das neu ausgehandelte System finanzieren zu können. Die Gefahr eines Streiks wurde somit gebannt- bis zum nächsten Mal!







