Suche nach Atommüll-Endlager in Tschechien weiter schwierig

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Die tschechische Energieversorger ČEZ betreibt zwei Atomkraftwerke – eines in Dukovany und das zweite in Temelín. Der radioaktive Müll, der dabei anfällt, wird zurzeit in beiden Werken zwischengelagert. In nicht mehr allzu ferner Zukunft muss indes geklärt sein, in welches Endlager der radioaktive Abfall eines Tages gebracht wird. Das Umweltministerium hat nun am Dienstag der Erforschung möglicher Lagerstätten an fünf Orten die Genehmigung erteilt, an zwei weiteren Orten ist sie geplant. Die Einwohner der umliegenden Gemeinden sind damit aber mehrheitlich nicht einverstanden.

Radim Beneš (Foto: ČT24)
Insgesamt kommen sieben Orte für eine unterirdische Lagerstätte in die engere Auswahl, sie liegen in den Kreisen Plzeň / Pilsen, Südböhmen, Vysočina (Böhmisch-Mährische Höhe) und Südmähren. Aber lediglich die südböhmische Gemeinde Pluhův Žďár hat bisher ihr Einverständnis zur Untersuchung ihres Erdreichs gegeben:

„Für eine Entscheidung des Gemeinderats benötigen wir ein Maximum an Informationen“, erklärt dazu Bürgermeister Radim Beneš. Erst dann werde man erörtern, ob man der Errichtung eines Endlagers in der Umgebung zustimmen werde. Das vom Staat dafür angebotene Geld würde hierbei aber nicht die entscheidende Rolle spielen, betont Beneš.

Jiří Slovák (Foto: ČT24)
„Das Geld könnte uns sicher helfen, doch das war nicht der Hauptgrund dafür, dass wir der geologischen Untersuchung zugestimmt haben.“

Für die Arbeiten, die damit verbunden sind, erhält die Gemeinde 1,3 Millionen Kronen (ca. 47.000 Euro). Jiří Slovák ist der Beauftragte der Verwaltung zur Aufbewahrung von radioaktivem Abfall (SÚRAO). Er widerspricht der Auffassung, dass dieser Betrag bereits die Entschädigung für den Bau des Endlagers sei:

„In diesem Moment handelt es sich nur um eine Motivationszahlung, nicht aber um eine Kompensation. Die geologische Erforschung der möglichen Lagerstätten enthält nämlich überhaupt nichts, was der Umwelt schaden könnte. Erst wenn wir vor der geplanten Auswahl der Lagerstätte stehen, lässt sich auch von einer Entschädigung sprechen.“

Atommüll-Endlager (Quelle: Archiv SÚRAO)
Trotz der möglichen finanziellen Verbesserung ihrer kommunalen Budgets lehnen die meisten anderen Gemeinden, in deren Umgebung das Endlager stehen könnte, die Erforschung ihres Erdreichs weiter kategorisch ab. Der Bürgermeister der Gemeinde Chanovice im Kreis Pilsen, Petr Klásek, bezeichnete das finanzielle Angebot sogar als eine Beleidigung. Andere Gemeinden sind wiederum verärgert darüber, dass die zentrale Verwaltung zur Aufbewahrung von radioaktivem Abfall nicht mit ihnen direkt verhandelt. Die Anträge zu den geologischen Untersuchungen hat sie vielmehr durch andere staatliche Firmen stellen lassen. Dazu sagte der Bürgermeister der Stadt Horažďovice, Karel Zrůbek:

Karel Zrůbek (Foto: ČT24)
„Damit will ich nur dokumentieren, dass der Staat wirklich nicht offen mit den jeweiligen Ortschaften kommuniziert. Dann brauchen sich die Vertreter des Staates indes nicht zu wundern, wenn es starkes Misstrauen herrscht.“

Mit der Erteilung der Genehmigung zur geologischen Erforschung möglicher Lagerstätten durch das Umweltministerium ist es also nicht getan. Zumal die davon betroffenen Gemeinden dagegen auch Einspruch einlegen können. Die Suche nach einem unterirdischen Endlager für verbrauchte Kernbrennstäbe hat in Tschechien bereits 1990 begonnen, diese Stätte soll spätestens im Jahr 2065 bereitstehen.