Täglicher Nachrichtenüberblick
Tschechien erinnert an Samtene Revolution und Studentendemos 1939
Mit zahlreichen Veranstaltungen ist am Samstag in Tschechien an die Samtene Revolution von 1989 erinnert worden sowie an Proteste gegen die nationalsozialistische Besetzung im Jahr 1939. Viele Menschen legten traditionell in der Straße Národní třída in Prag Blumen nieder oder zündeten dort Kerzen an. Mehrere Veranstalter hatten dabei auch zu Demonstrationen aus aktuellem Anlass aufgerufen. Erneut gingen Kritiker von Premier Andrej Babiš auf die Straße, so unter anderem in Prag und Brno / Brünn.
Am 17. November 1989 hatten Studierende in Prag gegen das kommunistische Regime protestiert. Als die Polizei die friedliche Demonstration in der Národní třída brutal auflöste, breitete sich der Protest aufs ganze Land aus. Die Demokratiebewegung setzte sich letztlich gegen die Machthaber durch.
Zum selben Datum im Jahr 1939 ließen die nationalsozialistischen Besatzungsbehörden über 1200 tschechische Studierende verhaften, neun von ihnen wurden erschossen. Zudem wurden die tschechischsprachigen Hochschulen im sogenannten „Protektorat Böhmen und Mähren“ geschlossen. Zuvor war es nach einem Trauerzug für einen getöteten Studenten zu Protesten gegen die deutschen Besatzer gekommen.
Eklat um Blumenniederlegung von Premier Babiš und Präsident Zeman
Die Blumenniederlegungen von Premier Andrej Babiš und Staatspräsident Miloš Zeman in der Straße Národní třída in Prag zum Gedenken an den Beginn der Samtenen Revolution sind in einem Eklat geendet. Der umstrittene Regierungschef war bereits kurz nach Mitternacht an den Ort gekommen, an dem am 17.November 1989 Studentenproteste von der kommunistischen Miliz brutal niedergeknüppelt wurden. Unbekannte warfen den Strauß, den Babiš niedergelegt hatte, einige Stunden später in einen Papierkorb. Die Polizei stellte das Gebinde sicher und ermittelt wegen Sachbeschädigung. Auch die Blumen von Präsident Zeman sowie vom Vize-Abgeordnetenhauschef Tomio Okamura von der Rechtsaußenpartei SPD wurden in einem Abfalleimer wiedergefunden.
Andrej Babiš steht derzeit erneut in der Kritik. Ihm wird vorgeworfen, er habe seinen Sohn auf die Halbinsel Krim entführen lassen, um zu verhindern, dass dieser im Fall um das Luxusressort „Storchennest“ aussagt. Außerdem war der tschechische Regierungschef laut der slowakischen Stasi-Unterlagenbehörde wissentlich Mitarbeiter des kommunistischen Geheimdienstes StB.
Behörden beantragen Amtshilfe zu Babiš bei Zürcher Staatsanwaltschaft
Die tschechischen Behörden haben im April ihre Kollegen in Zürich um Amtshilfe bei ihren Ermittlungen zu Premier Andrej Babiš gebeten. Dies berichtete das Nachrichtenportal irozhlas.cz des Tschechischen Rundfunks. Konkret sei es um Bankunterlagen gegangen, wurde ein Sprecher der Zürcher Staatsanwaltschaft zitiert. Die Prager Staatsanwaltschaft lehnte einen Kommentar dazu ab.
Gegen Babiš wird in Tschechien wegen möglichen Betrugs bei der Annahme von EU-Fördergeldern für das Wellness-Ressort „Storchennest“ ermittelt. Außerdem hat die Polizei diese Woche weitere Ermittlungen eingeleitet. Dabei geht es um die mögliche Entführung von Babišs Sohn auf die Halbinsel Krim.
Gerichte müssen erneut Entlassung von Ex-Kulturminister Herman aus Stasi-Unterlagenbehörde verhandeln
Die tschechischen Gerichte müssen sich erneut mit der Abberufung von Ex-Kulturminister Daniel Herman von der Spitze des Instituts zum Studium totalitärer Regime befassen. Der Christdemokrat hatte die tschechische Stasi-Unterlagenbehörde von 2010 bis 2013 geleitet. Gegen seine Abberufung hatte Herman geklagt. Die Gerichte gaben ihm darauf in mehreren Instanzen recht.
Der Oberste Gerichtshof ist jedoch am Freitag zur Auffassung gekommen, dass in den bisherigen Verhandlungen die Argumente des Instituts zum Studium totalitärer Regime nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Der Fall wird deswegen wohl an das Amtsgericht im dritten Prager Stadtbezirk zurückgehen.
Behinderungen im Bahnverkehr in Prag wegen Störung an Oberleitung
Eine Störung an der Oberleitung in der Bahnstation Prag-Vršovice hat am Samstagmorgen zur Verspätung zahlreicher Züge geführt. Die Verbindungen aus der tschechischen Hauptstadt in Richtung Südböhmen wurden umgeleitet. Ankommende Zügen fuhren nur bis Vršovice, die Reisenden mussten dort auf den ÖPNV umsteigen.
Laut einem Sprecher der Tschechischen Bahn muss noch bis zum Sonntag mit Verspätungen oder Zugausfällen am Prager Hauptbahnhof gerechnet werden.
Eisschnelllauf: Sáblíková startet mit 13. Platz über 1500 Meter in Saison
Eisschnellläuferin Martina Sáblíková ist mit einem 13. Platz über 1500 Meter in die neue Saison gestartet. Den Sieg über die Distanz beim Weltcup im japanischen Obihiro holte die Amerikanerin Brittany Bowe.
Die tschechische Dreifach-Olympiasiegerin Sáblíková gilt über längere Distanzen als stärker.
Das Wetter am Sonntag, 18. November
Am Sonntag ist es in Tschechien zunächst meist heiter bis sonnig. Am Nachmittag nehmen jedoch von Norden her die Wolken zu, später kann es zu Schneeschauern oder Schneeregen kommen. Die Tageshöchsttemperaturen liegen bei 2 bis 6 Grad Celsius. In Lagen um 1000 Meter Temperaturen um den Gefrierpunkt.







