Temelin - die nächste Runde

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Seit Mittwochabend steht sie also still, die riesige Turbine des Kernkraftwerks Temelin, deren Vibrationen in den letzten Tagen die Diskussion um das umstrittene AKW neu entfachten. Über die jüngsten Entwicklungen im Fall Temelin informiert Sie Olaf Barth.

Während die Techniker schon seit Tagen fieberhaft nach Lösungsmöglichkeiten suchen und nun weitere knapp drei Wochen Zeit haben, eine solche zu finden, fordert man vielerorts, den Reaktor solange abgeschaltet zu lassen, bis eine umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung gemäß internationalen Richtlinien durchgeführt sei. Der Sprecher des Kernkraftwerks, Milan Nebesar, zeigte sich zuversichtlich und meinte, es handle sich nur um ein technisches Problem, für das es eine technische Lösung gäbe. Bisher laufe alles darauf hinaus, dass die Vibrationen bis 5. Februar beseitigt seien. Danach soll der Probebetrieb wieder aufgenommen werden.

Ebenfalls am Mittwoch billigte die Tschechische Regierung den von Umweltminister Milos Kuzvart erarbeiteten Vorschlag zur ökologischen Überprüfung des AKWs Temelin. An der vorgesehenen Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) sollen vier Vertreter der tschechischen Regierung teilnehmen. Außenminister Jan Kavan wird die zuständige EU-Kommission auffordern, ihrerseits vier Mitglieder für das Prüfungskomitee zu benennen.

Der Sprecher des tschechischen Premierministers Libor Roucek teilte mit, man werde sich an die Melker Vereinbarung mit Österreich halten, die als Termin für eine abschließende Beurteilung der Umweltverträglichkeit des Kernkraftwerks eindeutig Ende Mai bis Anfang Juni vorsieht. Premierminister Milos Zeman bekräftigte noch einmal, dass ,wie in Melk vereinbart, die Ergebnisse der UVP für die Tschechische Republik verbindlich sein werden. Roucek bezeichnete des weiteren die Billigung der UVP durch die Regierung als eine außergewöhnliche Geste gegenüber Österreich. Österreichische Atomkraftgegner und tschechische Umweltschützer erklärten hingegen, dass die veranschlagte Zeit nicht ausreichend sei, um eine umfassende Prüfung des AKWs sorgfältig durchzuführen. Die Kommission solle sich nach Meinung der Umweltschützer auch mit den möglichen Auswirkungen auf die Umwelt befassen, die dann von dem Reaktor ausgehen könnten, wenn das AKW gänzlich abgeschaltet würde bzw. es zu einer Verschiebung seiner Inbetriebnahme um einige Jahre käme.

Autor: Olaf Barth
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