Tenor Nekoranec: „Ich habe viele Traumrollen“

Petr Nekoranec

Petr Nekoranec gehört zu den erfolgreichsten jungen tschechischen Opernsängern. Zunächst feierte er Erfolge bei internationalen Gesangswettbewerben, dann war er beim Studio der Bayerischen Staatsoper beschäftigt. Des Weiteren sang Nekoranec zwei Jahre lang als Mitglied bei der Staatsoper Stuttgart – mit einem Zwischenstopp bei der New Yorker Metropolitan Opera. Seit dieser Spielzeit ist er Solist der Oper des Prager Nationaltheaters. Martina Schneibergová hat mit dem Tenor kurz vor seinem Debüt in Rossinis „Barbier von Sevilla“ gesprochen.

Petr Nekoranec in der Rolle des Grafen Almaviva | Foto: Zdeněk Sokol,  Nationaltheater Prag

Herr Nekoranec, in einer halben Stunde werden Sie in die Rolle des Grafen Almaviva in Rossinis „Barbier von Sevilla“ schlüpfen. Sie singen diese Rolle nicht zum ersten Mal, aber es ist Ihr Debüt in dieser Partie in Prag. Wie finden Sie die Regie von Magdalena Švecová?

„Ich muss sagen, dass Frau Švecová die Oper sehr toll inszeniert hat. Alles, was wir schauspielerisch darstellen und was wir singen, funktioniert sehr gut, die Partitur ist hervorragend.“

„Barbier von Sevilla“ | Foto: Zdeněk Sokol,  Nationaltheater Prag

Die Oper ist sehr beliebt, sie wurde schon viele Male aufgeführt. Ist es nicht schwierig, wieder etwas Neues zu finden, um das Publikum anzusprechen?

„Es ist, glaube ich, eine der bekanntesten Opern auf der Welt überhaupt. Und sicher lässt sich noch etwas Neues finden. Aber wichtig ist, dass wir unsere Partien bestens spielen und singen. Übrigens war Almaviva meine Debütrolle in der Staatsoper Stuttgart. Die Bühne sah natürlich völlig anders aus, aber es war keine neue Produktion, sondern eine Wiederaufnahme einer älteren Produktion – da gab es weniger Zeit, um die Rolle zu entwickeln. Hier in Prag handelt es sich um eine Neuproduktion, und wir hatten die typischen sechs Wochen für die Proben.“

„Barbier von Sevilla“ | Foto: Zdeněk Sokol,  Nationaltheater Prag

Welche weiteren Rollen erwarten Sie noch in Prag?

Staatsoper in Stuttgart | Foto: Andreas Praefcke,  Wikimedia Commons,  CC BY 3.0

„Meine erste Rolle auf Deutsch, in Mozarts ‚Zauberflöte‘. Und schließlich singe ich in einer weiteren neuen Produktion – in Mozarts ‚Cosi fan tutte‘. Diese wird Anfang nächsten Jahres Premiere haben.“

Zuletzt haben Sie uns vor etwa vier Jahren ein Interview gegeben. Seitdem hat sich einiges getan. Sie waren im Studio der Bayerischen Staatsoper, anschließend in der Metropolitan Opera in New York, dann ging es nach Stuttgart. Wie war der Anfang in der dortigen Staatsoper?

„Ich fand die zwei Jahre in Stuttgart wunderschön.“

„Das war mein erstes sozusagen echtes Engagement in einem Opernhaus – direkt nach der Bayerischen Staatsoper und dem Lindemann-Programm für junge Künstler in New York. Es war einfach ein Traum, direkt aus New York nach Stuttgart zu gehen und Partien in ‚Don Pasquale‘, dem ‚Barbier von Sevilla‘ oder in ‚La Cenerentola‘ zu singen. Ich fand die zwei Jahre wunderschön. Wegen Corona wurde dann aber alles abgesagt, doch ich komme bestimmt zurück – erstmals in der Neuproduktion von ‚Boris Godunow‘. Ich bin mir sicher, dass in der Zukunft noch weitere Rollen folgen werden.“

Petr Nekoranec | Foto: Petra Hajská,  Tschechische Philharmonie

Die Corona-Zeit war für alle Künstler sehr schwer. Es gab höchstens Online-Übertragungen aus den Theatern. Haben Sie in dieser Zeit geübt, geprobt, oder wie haben Sie sie verbracht?

„Die Zeit war für uns alle schwierig. Andererseits hatten wir ein wenig Pause, um uns zu entspannen und wieder zu uns zu finden. Denn sonst läuft die Opernkarriere sehr schnell, man hat nicht viel Zeit, um zu üben. Dabei ist das für die Stimme wirklich wichtig. Ich habe viel geübt, ein neues Repertoire studiert und Gesangsunterricht genommen. Am Ende war es aber schon schwer, keine Vorstellungen zu geben.“

„Andererseits hatten wir ein wenig Pause, um uns zu entspannen und wieder zu uns zu finden.“

Arbeiten Sie immer noch mit ihrem Gesangslehrer Carangelo aus Italien zusammen?

„Ja, ich arbeite weiterhin mit Maestro Carangelo zusammen. Ich habe das Gefühl, dass er mir noch viel zur Entwicklung meiner Stimme sagen kann.“

Illustrationsfoto: TravelCoffeeBook,  Pixabay,  CC0

Sie haben inzwischen Erfahrungen mit dem Publikum in verschiedenen Ländern gemacht. Unterscheidet sich das Publikum jeweils voneinander, was die Reaktionen betrifft?

„Ich würde sagen, dass eher jeder Musikstil ein anderes Publikum anzieht: die Barockmusik, der romantische Stil – und es gibt ein Wagner-, ein Mozart- oder ein Rossini-Publikum. Dazu kommen beispielsweise die Belcanto-Fans. Jedes Publikum ist speziell, das macht es interessant.“

Quelle:  Verlag G. Ricordi & Co.,  Wikimedia Commons,  gemeinfrei

Vor einigen Jahren bezeichneten Sie die Partie des Rodolfo aus Puccinis „La Bohème“ als Ihre Traumrolle, auf die Sie noch warten müssten. Sie haben sie noch nicht gesungen, nicht wahr?

„Nein, noch nicht. Aber vor kurzem habe ich darüber nachgedacht, ob es immer noch meine Traumrolle ist. Vermutlich ist es schon die schönste Partie. Aber ich bin dabei, das französische Repertoire zu entdecken, die Barockmusik. Deswegen kann ich momentan nicht mehr so genau sagen, welche meine Traum- oder meine Lieblingsrolle ist, denn es gibt wirklich so viele….“

Diana Damrau | Foto: Franz Johann Morgenbesser,  Flickr,  CC BY-SA 2.0

In den vergangenen Jahren sind Sie oft auch bei Konzerten aufgetreten, und das nicht nur in Tschechien. Planen Sie in den nächsten Monaten ein Konzert in Prag?

„Ja. Im Januar plane ich ein Konzert mit Opernarien zusammen mit zwei Kolleginnen von der Metropolitan Opera. Es sind Emily d’Angelo und Hera Hyesang Park, einer Mezzosopranistin und einer Sopranistin. Und für die nächste Spielzeit bereite ich ein Konzert mit Diana Damrau vor.“

Lada Bočková | Foto: Ivo Dankovič,  Tschechischer Rundfunk

Sie sind immer wieder auch in ihre Heimatgegend zurückgekommen, um bei Konzerten zu singen. Werden Sie die Tradition fortsetzen?

„Ja, im Sommer gab es ein Konzert mit Vincenzo Scalera und Lada Bočková in meiner Heimatstadt Polná nahe Iglau (auf Tschechisch Jihlava, Anm. d. Red.). Das war der Beginn einer Tradition, alle zwei Jahre wird hoffentlich in meiner Heimatstadt ein Open-Air-Konzert stattfinden.“

Inwieweit haben Ihnen bei der internationalen Karriere die Erfolge bei den großen internationalen Gesangswettbewerben geholfen?

„Allein durch das Vorsingen habe ich eigentlich noch keine Rolle bekommen. Die Wettbewerbe waren ausschlaggebend, vor allem der Sieg beim Internationalen Francisco-Viñas-Wettbewerb. Die Teilnahme an den Wettbewerben war für mich schwierig, denn ich bin sehr selbstkritisch, und in der internationalen Konkurrenz ist der Stress sehr groß. Das kennen alle Musiker. Aber diese Erfolge waren die wichtigsten Momente in meiner Karriere.“

Foto:  Supraphon

Wie sieht es mit Ihren CD-Plänen aus?

„Nach den ‚Mährischen Duetten‘ von Antonín Dvořák, die ich zusammen mit Markéta Cukrová und Simona Šaturová aufgenommen habe, wurde vor zwei Jahren meine CD mit französischen Arien herausgegeben. Es spielte die Tschechische Philharmonie unter der Leitung von Christopher Franklin. Für mich als einen kleinen Tenor aus einem Dorf inmitten Tschechiens war das ein Traum. Ich überlege, vielleicht auch Barockmusik aufzunehmen. Aber das kann ich noch nicht genau sagen.“

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