Todestag vor 550 Jahren: Wie Perchta von Rosenberg zu Tschechiens berühmtestem Gespenst wurde
Vor 550 Jahren starb Perchta von Rosenberg. Zu Lebzeiten war sie kaum bekannt, doch durch die vielen Legenden, die sich um sie rankten, ging sie später in die Geschichte ein.
Perchta wurde 1429 ins einflussreiche Adelsgeschlecht der Rosenberger geboren, das einen Großteil Südböhmens beherrschte. Ihre Kindheit verbrachte sie auf der Burg von Český Krumlov / Krumau, die heute eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Tschechiens ist.
Unglück durch tragische Zwangshochzeit
1449 heiratete Perchta Johann V. aus dem Geschlecht der Liechtensteiner. Dies geschah jedoch keinesfalls aus Liebe, sondern aufgrund politischer Absprachen und finanzieller Deals. Denn die Rosenberger brauchten Geld und die Liechtensteiner eine Mitgift.
Nach der Hochzeit fand sich Perchta in Mähren wieder. Ihr Mann erwies sich als jähzornig und gewalttätig. Seine Mutter und seine Schwestern betrachteten Perchta als Eindringling. Sie verboten ihr, mit ihnen am Tisch zu sitzen, gaben ihr nichts zu essen und stachelten Johann V. gegen sie auf – und das leider mit Erfolg, denn er schlug seine Frau und ließ sie nur in einem kleinen gemauerten Zimmer leben, in dem sie im Winter nicht heizen durfte.
In mehreren Briefen schilderte Perchta ihre Notlage und bat ihre Familie um warme Kleidung. Aus den Jahren 1449 bis 1470 sind insgesamt 32 solcher Schriftstücke erhalten, die an ihren Vater und die Brüder gerichtet waren. Ihre Familie griff jedoch nicht ein.
Intervention Georg von Podiebrads
Die Nachricht über die schlechte Situation Perchtas erreichte auch Georg von Podiebrad, einen der wichtigsten böhmischen Herrscher des 15. Jahrhunderts. Er sprach Johann V. ins Gewissen, dieser verbesserte die Lebensbedingungen für Perchta aber nur geringfügig.
1473 starb Johann V. Der Legende nach soll er seine Frau auf dem Totenbett um Vergebung gebeten haben. Dies lehnte Perchta jedoch ab, woraufhin sie von ihrem Gatten verflucht wurde. Tatsächlich wurde sie aber endlich freigelassen. Sie zog nach Wien und starb am 2. Mai 1476.
„Weiße Frauen“ auf den tschechischen Burgen
Nach Perchtas Tod verbreiteten sich Geschichten über eine Frauengestalt in weißem Gewand, die auf den Anwesen der Rosenberger ihr Unwesen treibt – vor allem auf der Burg von Krumau. Im 17. Jahrhundert entdeckte dann der Historiker Bohuslav Balbín die Briefe von Perchta und verknüpfte sie mit den Sagen. Und so wurde aus der unglücklichen Frau das berühmteste tschechische Gespenst. Mittlerweile ist sie aber nicht mehr alleine, denn heute geistern den Legenden zufolge insgesamt über 130 „Weiße Frauen“ über die Gänge der Burgen in Tschechien.







