Treffen der Kulturen und neue Familienform: Preise für Drehbücher
Ein gutes Drehbuch ist die erste Voraussetzung für einen guten Film. Die tschechische Filmstiftung hat am Montag in Karlsbad die Preisträger in ihrem Drehbuchwettbewerb bekannt gemacht.
„Wie in den vergangenen Jahren, gab es auch dieses Mal ein breites Themenspektrum. Wir haben historische Stoffe, sogar ein Thema aus der Vorgeschichte, ebenso wie Science Fiction zu lesen bekommen. Gleichzeitig finden sich unter den Drehbüchern viele Märchen, aber auch etwa Musicals. Die vier ausgezeichneten Filme erzählen überwiegend von der Gegenwart.“
Gleich zwei erste Preise wurden verliehen. Lucia Klein Svoboda hat sich in ihrem Drehbuch „Jako v ráji“ (auf Deutsch: Wie im Paradies) die Frage gestellt, wie man in den vier Visegrad-Ländern die Freiheit, die Zugehörigkeit zu Europa und die neue Identität wahrnimmt. Die Beziehung zwischen einem Europäer und einer Muslima beziehungsweise einem Moslem und einer Europäerin steht im Fokus. Wie kann man seine Kultur und Identität behalten und dabei tolerant sein, fragt die Autorin:
„Es sind vier Stories aus Polen, Ungarn, der Slowakei und Tschechien. Ich habe neun Professoren für Orientalistik angesprochen und bin viel gereist, etwa zu einem Tschetschenen nach Polen und in mehrere Flüchtlingslager. Der Film erzählt über uns. Denn ich fühle Diskriminierung von Seiten Westeuropas. Wir werden als vier intolerante, dumme Länder präsentiert. Ich glaube aber nicht, dass es so ist.“Lucie Konečná schildert im „Karavan“ (auf Deutsch: „Der Caravan“) die Geschichte eines behinderten siebzehnjährigen Jungen, seiner Eltern und Großeltern:
„Ich wollte mit dem Film sagen, dass die Familie nicht immer traditionell sein muss. Wenn ein Mann zwei Frauen liebt und sie einverstanden sind, können sie zusammen leben. Wenn der Sohn feststellt, dass er schwul ist, kann er dann ruhig jemanden mit nach Hause nehmen. Die traditionelle Familie verwandelt sich, am wichtigsten ist aber, dass sich alle lieben.“
Der zweite Preis geht an Radek Bajgar für den Film „Teroristka“ (auf Deutsch: „Die Terroristin“). Er stellt die Gefühle der Hilflosigkeit bei einer Auseinandersetzung mit einem äußerst arroganten Menschen dar. Da helfe nur ihn zu verprügeln oder zu töten, aber das tue normalerweise niemand, so Bajgar.„Die Heldin ist eine ältere, anständige Frau, eine ehemalige Lehrerin, die immer an zivilisierten Umgang, Dialog und Verständnis geglaubt hat. Und sie tut es immer noch. Es passieren Sachen, die Züge einer Komödie tragen. Das Thema ist aber eigentlich traurig.“
Der letzte preisgekrönte Drehbuch-Autor Petr Žváček erzählt in „Nikdo nikde nikam nic“ (auf Deutsch: „Niemand nirgendwo nirgendwohin nichts“) seinen eigenen Worte zufolge über einen Zyniker, der ein Stück Gefühl in sich wecken könne:
„Er nimmt es deswegen mit einer Gang von Autodieben auf. Er ist ein Polizist, was ihm hilft. Die Gefühle weckt in ihm eine Frau, die er gewinnen will. Etwas Krimi, etwas Romanze, etwas Komödie kommen in dem Film zusammen.“
Eine Neuigkeit für die nächsten Jahre ist die Kategorie „Der Star von Morgen“ für Autoren bis 33 Jahre. Die Stiftung verleiht ihre Preise seit 2006, deren Gesamtwert bei fast 333.000 Euro liegt. Neun der insgesamt 89 preisgekrönten Drehbücher wurden seitdem in Filme umgesetzt.







