Tschechen unterstützen und kaufen Satiremagazin „Charlie Hebdo“

Foto: ČTK

Nur eine Woche nach dem schrecklichen Attentat auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ haben die überlebenden Redaktionsmitglieder am Mittwoch eine neue Ausgabe herausgebracht. Das Interesse an dieser Ausgabe ist unglaublich groß. Statt der sonstigen 60.000 sollen diesmal weltweit bis zu drei Millionen Exemplare der Zeitschrift vertrieben werden. Auch in Tschechien wird die Ausgabe zu kaufen sein, zudem unterstützt ein Prager Karikaturist die neue Redaktion von „Charlie Hebdo“.

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In Frankreich waren die Zeitschriften mit dem weinenden Propheten Mohammed auf der Titelseite im Nu ausverkauft. Doch auch im Ausland ist die Nachfrage nach der neuesten Ausgabe von „Charlie Hebdo“ enorm: Statt der sonst nur 4000 Exemplare wurden diesmal 300.000 Stück bestellt, am meisten in Belgien und Kanada. Und zu den 25 Ländern, in denen die Zeitschrift vertrieben wird, werden sich vermutlich noch weitere hinzugesellen. Interesse an „Charlie Hebdo“ bestehe auch in Tschechien, bestätigt der Leiter des Pressevertriebs CZ Press, Štěpán Brožek:

„Seit Freitag klingeln bei uns die Telefone und Leute fragen, ob wir die Zeitschrift auch hierzulande einführen. Wir beliefern alle möglichen Institutionen im Land, von daher war das Interesse groß.“

CZ Press hat daraufhin mit seinen Partnern in Frankreich verhandelt, die zusicherten, die Satirezeitschrift auch nach Tschechien zu liefern. Wegen der weltweit großen Nachfrage aber werde dies noch etwas dauern, erklärt Brožek:

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„Die Zeitschrift wird nach Tschechien kommen, doch das wird nicht gleich passieren. Zunächst wird sie in Frankreich und danach auf den größeren ausländischen Märkten wie zum Beispiel in Deutschland vertrieben. Erst danach kommt sie zu uns. Ich rechne damit, dass sie an tschechischen Zeitungskiosken ab Beginn der nächsten Woche verkauft wird.“

„Charlie Hebdo“ soll hierzulande für umgerechnet drei bis vier Euro verkauft werden. Vorerst hat CZ Press 300 Exemplare bestellt, sollte die Nachfrage letztlich größer sein, werde man die Bestellung künftig aufstocken, so Brožek.

Štěpán Mareš (Foto: Prokop Havel, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Wenn die ersten Tschechen die neue Ausgabe oder spätere Veröffentlichungen von „Charlie Hebdo“ in den Händen halten, dann werden sie möglicherweise auch Karikaturen eines profilierten Landsmanns darin vorfinden. Die Rede ist vom Zeichner und Karikaturisten der Satirezeitschrift „Zelený Raoul (Grüner Raoul), Štěpán Mareš. Für ihn stand es außer Frage, dass er seinen französischen Kollegen bei der Fortsetzung ihrer Arbeit behilflich sein werde:

„Sofort nach den schrecklichen Ereignissen wurden überall in der Welt Karikaturen, Zeichnungen sowie verschiedene Artikel und Slogans zur Unterstützung der freien Meinungsäußerung und der übrigen Zeichner verbreitet. Es war sozusagen ein in Memoriam an die Getöteten. Auch ich habe mich gleich am nächsten Tag dazu entschieden.“

´Zelený Raoul´ (Quelle: Archiv Reflex)
In den zurückliegenden Tagen zeichnete Mareš vier Karikaturen für die aktuelle Ausgabe von „Charlie Hebdo“. Und selbst wenn keine davon im Magazin abgebildet sein sollte, für Mareš und seine tschechischen Kollegen gibt es noch andere Möglichkeiten, sich solidarisch zu zeigen. Eine davon bietet die neueste Ausgabe der eigenen Satirezeitschrift:

„Die Comics von ´Zelený Raoul´ erscheinen am Donnerstag. Darin beschreiben und karikieren wir sehr farbig unsere Sicht auf die Dinge, die sich in Paris abgespielt haben, was passiert ist und warum. Das wird unsere Art der Solidaritätsbekundung mit den Autoren von Charlie Hebdo sein.“