Tschechien hat modernste Forschungszentren, aber nur wenig Spitzenforscher

Foto: Europäische Kommission

Die „Štiříner Gespräche“ sind ein wirtschaftspolitischer Workshop mit Parlamentariern, Journalisten und Wirtschaftsvertretern. Am Dienstag wurde er zum 15. Mal auf Schloss Štiřín bei Prag veranstaltet. Die von der Konrad-Adenauer-Stiftung Prag und der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer organisierte Veranstaltung stand diesmal unter dem Thema „Wettbewerbsfähigkeit durch Innovation und Kreativität“.

Miroslava Kopicová (Foto: ČT24)
Um im internationalen Vergleich weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben, muss auch Tschechien in den kommenden Jahren verstärkt auf Innovation, Kreativität und eine Forschung setzen. Und, so die erste stellvertretende Vorsitzende des Regierungsrates für diese Bereiche, Miroslava Kopicová, die dabei erzielten Ergebnisse müssen sich auch schnellstmöglich auf dem Markt umsetzen lassen. Dabei gelte es, die digitale Technologie, die in der jüngeren Vergangenheit Einzug gehalten hat und die man mit der damaligen Industrierevolution gleichsetzen könne, wirksam in die Arbeitsprozesse einfließen zu lassen. Denn Tschechien hat bei Forschung, Entwicklung und Innovation einigen Nachholbedarf, sagt Miroslava Kopicová:

Foto: Archiv TPCA
„Tschechien ist ein durchschnittlicher Innovator. Aus regionaler Sicht können wir noch ganz gut mithalten, doch der Abstand zur Weltspitze ist leider nicht geringer geworden. Ihn zu verkürzen, muss aber unser Anspruch sein.“

Dass Tschechien in den genannten Bereichen den Anschluss verloren hat, habe auch mit der wirtschaftlichen Rolle zu tun, die das Land zuletzt gespielt hat. Die direkten Investitionen ausländischer Geldgeber haben den hiesigen Firmen einerseits auf die Beine geholfen, andererseits haben sie diese auch etwas unselbständig gemacht. Weil tschechische Unternehmen zumeist in die Rolle von Zulieferern geschlüpft sind, mussten sie folglich oft nur klar vorgeschriebene Aufträge erfüllen, so Kopicová:

Foto: Lucie Zemanová, Archiv des Tschechischen Rundfunks
„Wir waren nicht zu Innovationen gezwungen, und ebenso wenig dazu, Spitzenforschung zu betreiben und hochqualifizierte Arbeitnehmer zu beschäftigen. Denn für das, was wir zu tun hatten, waren unsere Arbeitnehmer ausreichend gut ausgebildet.“

In Tschechien scheint man zu begreifen, dass man auf einigen Gebieten mehr tun muss, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Bildung. Und die beginne bereits in Kindergarten und Grundschule, sagt Kopicová:

„Wir müssen im Unterricht mehr Wert darauf legen, dass die Kinder lernen, logisch und kreativ zu denken und Problemfragen zu lösen. Es geht darum, bei ihnen schon sehr früh die Sinne dafür zu schärfen, kreativ zu denken und zu handeln. Das sind Veränderungen, die jetzt vor uns stehen.“

Foto: Europäische Kommission
Im Gegensatz zum drohenden Fachkräftemangel und dem abzubauenden Defizit in der Bildung sei Tschechien aber auf einem anderen Gebiet mit Hilfe der europäischen Strukturfonds schon ein kleiner Coup gelungen:

„Wir haben sehr stark und wie kein anderes Land in Europa den Ausbau der Infrastruktur finanziert.“

Und zwar den Ausbau der Infrastruktur eben im Bereich Forschung und Entwicklung. In Tschechien stünden jetzt vier große und rund 50 kleinere, sehr moderne Forschungszentren, informierte Kopicová:

„Für rund fünf Jahre werden wir einen enormen Wettbewerbsvorteil haben. Unsere Forschungseinrichtungen sind so modern eingerichtet, dass sie viele junge, hochqualifizierte Wissenschaftler anlocken dürften. Und wir werden alles dafür tun, damit sie auch genutzt werden.“

Vermutlich aber werden in den ersten Jahren vor allem ausländische Spitzenforscher und Wissenschaftler in Tschechien tätig sein. Der eigene Nachwuchs aber hat zumindest einen Anreiz, im Land zu bleiben.