Tschechien hat neue Ombudsstelle für Kinder- und Jugendheime
In Tschechien wachsen derzeit etwa 6500 Kinder und Jugendliche in Kinder- und Jugendheimen sowie in geschlossenen Heimen auf. Seit dem Frühjahr gibt es hierzulande einen Ombudsmann für sie.
Seit 2014 gibt es in Tschechien einen Schul-Ombudsmann. Nach zehn Jahren seiner Tätigkeit hat das Bildungsministerium seine Kompetenzen überprüft und im Frühjahr dieses Jahres die Funktion neu definiert. Die Hilfe für die am stärksten gefährdete Gruppe von Kindern und Jugendlichen steht nun im Vordergrund: Die Ombudsstelle ist für Kinderheime sowie stationäre Einrichtungen für Kinder und Jugendliche zuständig. Štěpán Jílka wurde im März vom Bildungsministerium in dieses Amt ernannt. In den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks erläuterte er seine Aufgabe:
„Der Ombudsmann befasst sich mit Beschwerden und Anregungen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die in Einrichtungen wie Kinder- und Jugendheimen sowie Einrichtungen für geschlossene Heimerziehung leben. Außerdem beschäftigt er sich mit den Anliegen von deren Familien und Angehörigen, aber auch von der Leitung und den Mitarbeitern dieser Einrichtungen.“
In den ersten drei Monaten seiner Amtszeit hat Štěpán Jílka insgesamt 40 Beschwerden und Anregungen bearbeitet. Die Mehrheit betraf Probleme in Schulen, fünf Anregungen zielten eben direkt auf die Heime:
„Wenn ich das unter Wahrung der Vertraulichkeit sehr allgemein formulieren darf, ging es vor allem um Dinge, die die Atmosphäre in der jeweiligen Einrichtung, die Beziehungen und den Umgang des Personals mit den Kindern und Jugendlichen betrafen. Aber es kamen auch Fragen, ob in einem bestimmten Fall für ein bestimmtes Kind eine Heimerziehung angeordnet werden sollte und ob sie wirklich den erwarteten Zweck erfüllt.“
Interessant findet Jílka, dass sich einige Kinder und Jugendliche direkt über die sozialen Netzwerke an ihn gewandt haben. Das Bildungsministerium hat daher nun Accounts des Schulombudsmanns auf Facebook und Instagram eingerichtet. Veronika Lucká Loosová ist Sprecherin des Ressorts:
„Das Ziel ist es, den Kindern und Jugendlichen in den Heimen näher zu kommen, und ihnen einen einfachen und sicheren Weg zu bieten, sich zu äußern.“
Wie der Ombudsmann betont, sei es am wichtigsten, dass die Kinder und Jugendlichen nicht auch nur einen Moment lang das Gefühl hätten, dass sie mit ihrem Problem allein seien:
„Egal ob sie das Gefühl haben, dass ihnen etwas Unangemessenes widerfährt, oder ob sie sich in einer konkreten Situation zurechtfinden müssen. Ich versuche, ihnen in allen Belangen zu helfen, sie gegebenenfalls anzuleiten, sie zu unterstützen beziehungsweise ihnen etwas zu erklären.“
Dasselbe gelte auch für die Mitarbeiter der Einrichtungen, sagt Jílka. Er trifft sich mit ihnen unter anderem auf Seminaren, besucht konkrete Einrichtungen und vermittelt eine direkte Verbindung zum Ministerium. Jana Koubová ist Vorsitzende des Verbands der Kinder- und Jugendheime:
„Wir haben unter anderem auf das Problem der Flucht hingewiesen: Wenn jemand wegläuft, haben wir Schwierigkeiten, ihn in das Heim zurückzubringen, da wir oft weder über einen Dienstwagen noch über Personal verfügen, um das Kind abzuholen. Mit dieser Frage haben wir uns an den Ombudsmann gewandt.“
Der Ombudsmann hilft nicht nur bei der Lösung konkreter Probleme. Er arbeitet auch an bestimmten Änderungen und der Umgestaltung bestehender Netzwerke und an dem Gesamtkonzept für das künftige System der Heimerziehung.
Verbunden
-
Schutz der Jüngsten: Tschechien beschließt eine Ombudsstelle für Kinder
In Tschechien wird es demnächst eine eigene Ombudsperson für Kinderrechte geben. Das entsprechende Gesetz muss nur noch vom Staatspräsidenten unterschrieben werden.







