Tschechien will HPV-Impfung voranbringen: Immer noch zu wenige Jugendliche immunisiert

Impfstoff gegen das humane Papillomavirus

Auch in Tschechien wird für Mädchen und Jungen eine HPV-Impfung empfohlen. Das Ziel ist, Gebärmutterhalskrebs und andere durch diese Viren verursachte Formen von Tumoren zu seltenen Erkrankungen zu machen. Doch bisher gehen die Pläne noch nicht auf.

Foto: Filip Jandourek,  Tschechischer Rundfunk

Seit vergangenem Jahr zahlen die öffentlichen Krankenkassen in Tschechien die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV), und zwar für Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 15 Jahren. So soll vor allem Gebärmutterhalskrebs vorgebeugt werden. Doch weiterhin sind ein Drittel der Mädchen und die Hälfte der Jungen nicht immunisiert. Auch Eva aus Prag hat ihren Sohn und ihre Tochter nicht impfen lassen. Gegenüber den Reportern des Tschechischen Rundfunks sagte sie:

„Ich denke mir, dass es vielleicht besser ist, die Kinder über sicheres Sexualverhalten aufzuklären, als sie impfen zu lassen. Denn mir scheinen die Informationen noch zu wenig, und es gibt viele Typen des Virus. Meiner Meinung nach sollte das Kind – wenn schon – dann selbst entscheiden.“

Beim tschechischen Gesundheitsministerium ist man jedoch der Meinung, genügend Informationen über Humane Papillomviren zusammengetragen und diese auch weitergegeben zu haben. Dies beweise etwa die steigende Impfquote bei Jungen, heißt es. Wie der Onkologe Jiří Sláma vom Prager Universitätskrankenhaus betont, kann der männliche Teil der Bevölkerung nicht nur das Virus ebenfalls übertragen, sondern auch selbst an ihm erkranken. Deswegen sagt der Mediziner:

Jiří Sláma | Foto: Bohumila Reková,  Český rozhlas

„Wenn es gelänge, mehr als 80 Prozent der Mädchen zu impfen, dann würde die Impfung für Jungen ihren Sinn verlieren. Denn dann würde sich HPV nicht mehr in der Gesellschaft verbreiten. Das Problem in Tschechien – aber nicht nur hierzulande – ist jedoch, dass sich eben nicht ausreichend Mädchen impfen lassen. Deswegen wurden die Jungen hinzugenommen, auch wenn sie nur in zweiter Linie gemeint sind.“

Allerdings verursachen HPV nicht nur Gebärmutterhalskrebs.

„HPV sind eine Gruppe von Viren, von denen bereits mehr als einhundert Typen beschrieben wurden. Rund 40 von ihnen können die Genitalien befallen. Mindestens 14 Typen der HPV, die als höchst risikoreich klassifiziert sind, können bei Frauen zum Gebärmutterhalskrebs führen und stehen mit weiteren genitalen Krebserkrankungen in Verbindung sowie mit Tumoren an Kopf und Hals bei Männern und Frauen“, so Štěpánka Čechová vom Staatlichen Gesundheitsinstitut (SZÚ).

In Tschechien wird Gebärmutterhalskrebs jährlich bei etwa 760 Frauen festgestellt, und mehr als ein Drittel von ihnen sterben an der Erkrankung. Aus den USA und Großbritannien gibt es jedoch Daten, denen zufolge durch Humane Papillomviren hervorgerufener Krebs im Mund-Rachen-Raum bei Männern mittlerweile häufiger diagnostiziert wird als Gebärmutterhalskrebs bei Frauen. Der Onkologe Milan Vošmik vom Universitätskrankenhaus in Hradec Králové ordnet dies ein:

Milan Vošmik | Foto: Milan Baják,  Tschechischer Rundfunk

„Das Problem liegt darin, dass sich die von HPV verursachten Tumorerkrankungen erst mehrere Jahrzehnte nach der Infektion entwickeln. Und etwa 80 Prozent aller Menschen infiziert sich irgendwann im Leben mit diesen Viren.“

Deswegen und weil die Ansteckung hauptsächlich durch sexuelle Kontakte erfolgt, sollten sich eben Jugendliche impfen lassen. Das tschechische Gesundheitsministerium plant daher nun eine neue Kampagne.

„Ziel ist, die Impfquote gegen diese Infektion zu erhöhen und dadurch ihre Inzidenz, die Zahl der Todesfälle sowie die Behandlungskosten zu senken. Wir wollen die Aufklärung in Zusammenarbeit mit den Patientenorganisationen erhöhen und planen gezielte Aktionen dazu“, so Ministeriumssprecher Jan Řeřábek.

Ende August soll der Entwurf für die Kampagne fertig ausgearbeitet sein.

Autoren: Till Janzer , Tereza Hübscherová | Quelle: Český rozhlas
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