Tschechien ermöglicht Impfung von Kindern ab fünf Jahren und verkürzt Booster-Abstand

Seit Montag können Eltern in Tschechien ihre Kinder ab fünf Jahren zur Corona-Impfung anmelden. Zu den ersten Immunisierungen dürfte es ab Donnerstag kommen. Zudem wird weiteren Altersgruppen schrittweise ermöglicht, sich schon nach fünf Monaten boostern zu lassen.

Illustrationsfoto: Mohamed Hassan,  Pixabay,  CC0

In den Kinderarztpraxen oder auch im Impfzentrum. Dort kann der Nachwuchs zwischen fünf und elf Jahren gegen Corona immunisiert werden. Eltern melden dabei ihre Kinder auf dieselbe Weise online an, wie sie es für sich selbst auch schon gemacht haben. Zur Verfügung steht bisher nur ein Präparat – und zwar jenes von Biontech/Pfizer, das als bisher einziges von der Europäischen Arzneimittel-Agentur für diese Altersgruppe zugelassen wurde. Irena Storová leitet das Staatliche Institut für Medikamentenkontrolle:

„Die Dosen enthalten nur zehn Mikrogramm Konzentrat gegenüber 30 Mikrogramm bei Erwachsenen. Zur Unterscheidung hat der Kinder-Impfstoff einen orangen Verschluss. Die Impfung sollte bei rechtshändigen Kindern immer in den linken Arm sein und umgekehrt.“

Ilona Hülleová  (rechts) | Foto: ČT24

Die Impfung von Kindern ist in Tschechien aber nur möglich, wenn beide Elternteile zustimmen. Anders als die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland empfiehlt die tschechische Medikamentenkontrolle die Immunisierung nicht nur für chronisch kranke Kinder. Allerdings sollten sich die Eltern ärztlich beraten lassen. Ilona Hülleová ist Vorsitzende des tschechischen Verbandes der Kinder- und Jugendärzte:

„Den Informationen nach wird die Impfung allen Kindern empfohlen. Mit Sicherheit würde ich sie aber jenen ans Herz legen, die chronisch krank sind oder bei denen ein schwererer Krankheitsverlauf droht. Dazu gehören etwa übergewichtige Kinder. Letztlich liegt dies in der Entscheidungskompetenz der Eltern. Die Daten zeigen jedoch, dass die Vorzüge der Impfung deutlich die Risiken übertreffen.“

Illustrationsfoto: ČT24

Während es bei der Impfung der Kinder auch darum geht, dass nicht so viele Schülerinnen und Schüler oder ganze Klassen in Quarantäne müssen, hat das Boostern ganz klar eine lebensrettende Funktion. Bisher konnten Menschen ab 60 Jahren und chronisch Kranke hierzulande den Abstand zur Auffrischung von sechs auf fünf Monate verkürzen. Am Montag wurde dies auf die Altersgruppe ab 55 Jahren ausgedehnt, und am 20. Dezember wird die Grenze auf 50 Jahre herabgesetzt.

„Wir planen, danach bei den Altersgruppen schrittweise weiter nach unten zu gehen“, so der geschäftsführende Gesundheitsminister Adam Vojtěch (Partei Ano).

Andrej Babiš | Foto: Regierungsamt der Tschechischen Republik

Auch der scheidende Premier Andrej Babiš (Partei Ano) betonte am Freitag noch einmal, dass die Booster-Dosis entscheidend sei im Kampf gegen die vierte Corona-Welle. Nur sie biete den besten Schutz, so Babiš. Allerdings beklagte der Regierungschef, dass die Kampagne für die Auffrischung regional sehr unterschiedlich vorankomme:

„Die Lage ist so, dass in Prag die Impfzentren kaum ausgelastet sind. In anderen Regionen müssen wiederum die Kapazitäten erhöht werden.“

In der zurückliegenden Woche wurden in Tschechien täglich im Schnitt etwa 90.000 Impfdosen verabreicht. Eigentliches Ziel sind jedoch 150.000 Dosen am Tag.

Kinder in einem Impfzentrum | Foto: ČT24
Autoren: Till Janzer , Andrea Kubová
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