Tschechien will sozial abgehängte Gemeinden mehr fördern
Sozial abgehängte Gemeinden in Tschechien können sich seit Juni an einem neuen Förderprogramm beteiligen. Unter anderem will man damit gegen Arbeitslosigkeit und Armut ankämpfen.
Das neue Angebot wird von der Agentur für soziale Integration verwaltet, die dem tschechischen Ministerium für Regionalentwicklung unterstellt ist. Ausschlaggebend dafür, ob eine Gemeinde Teil des neuen Förderprogramms wird, ist unter anderem der Index sozialer Ausgrenzung. Um was es sich dabei handelt, erläuterte der Leiter der staatlichen Agentur, Martin Šimáček, in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:
„Den Index sozialer Ausgrenzung geben wir seit 2016 heraus. Auf einer Skala von 0 bis 30 ermöglicht er, die Armut und die Ausgrenzung auf dem Gebiet einer Gemeinde zu messen. Es gibt fünf Subindikatoren wie etwa die Verschuldung der Bevölkerung, verfrühte Schulabgänge vor dem Ende der neunten Klasse oder auch die Arbeitslosenquote und die Wohnungsnot.“
Um Teil des mindestens dreijährigen Hilfsprogramms werden zu können, müssen die Gemeinden zwischen 8 und 30 Punkte haben. Dies entspräche einer großen sozialen Not im ganzen Bereich der Ortschaft oder einem ihrer Teile, sagt Šimáček:
„Nur einmal zur Vorstellung: In Tschechien gibt es 539 Gemeinden, die einen Wert von acht oder mehr haben. Das ist quasi jeder zehnte Ort. Und das meint nicht nur kleine Dörfer; betroffen sind auch größere Städte bis hin zu den bevölkerungsreichsten.“
Wie aber will die staatliche Agentur diesen Orten helfen?
„Wir agieren als Partner der Gemeinden, stehen aber auch den Institutionen, NGOs, Behörden und Bürgern zur Seite, die dort tätig sind beziehungsweise leben. Wir helfen zum einen, die gegenwärtige Situation und das Ausmaß des Problems festzustellen. Dann erarbeiten wir Lösungsvorschläge, wobei wir auch auf bereits erprobte Verfahren setzen können.“
Die Erfolge würden im Laufe des Projekts immer wieder evaluiert werden, so Šimáček. Zentrales Ziel sei es, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, so dass die Gemeinden künftig selbst ihre Probleme angehen können.
Die Agentur für soziale Integration gibt es bereits seit 2008, und auch entsprechende Hilfsprogramme wurden in der Vergangenheit immer wieder angeboten. So hat man bereits mit Kadaň, Chomutov und Ostrava / Ostrau zusammengearbeitet, aber auch mit kleineren Orten wie etwa Velké Hamry und Česká Kamenice. Neu sei nun aber, dass man die Anwohner der Gemeinden noch mehr in die Entscheidungsprozesse einbinden wolle, sagt Šimáček.
Laut dem letzten Bericht zum Index sozialer Ausgrenzung gibt es die meisten abgehängten Gemeinden im Übrigen in den Kreisen Ústí nad Labem und Mährisch-Schlesien.







