In Tschechien wird erstmals Gerichtsverhandlung live im Fernsehen übertragen

Karel Srba, Foto: CTK

Es ist ein absolutes Novum in der jüngsten tschechischen Geschichte: Erstmals seit 1989 wird an diesem Donnerstag und Freitag eine Gerichtsverhandlung live im Fernsehen übertragen. Es handelt sich um das Berufungsverfahren gegen Karel Srba, den ehemaligen Kanzleichef des tschechischen Außenministeriums, der im vergangenen Sommer der Vorbereitung eines Auftragsmordes an einer prominenten Prager Enthüllungsjournalistin beschuldigt und zu acht Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

Karel Srba, Foto: CTK
Der Fall hatte damals in der tschechischen Gesellschaft für enormes Aufsehen gesorgt - und damit begründet das öffentlich-rechtliche Tschechische Fernsehen (CT) auch seine Absicht, das Berufungsverfahren live zu übertragen. Der geplante Auftragsmord an der Journalistin Sabina Slonkova sei eine "Angelegenheit des öffentlichen Interesses", hieß es.

Anders sehen dies hingegen tschechische Spitzenpolitiker wie Premierminister Vladimir Spidla, Präsident Vaclav Klaus oder Justizminister Karel Cermak. Klaus erinnerte daran, dass die letzten öffentlichen Gerichtsprozesse in Tschechien während des Kommunismus stattgefunden hätten und befürchtet eine zu starke Politisierung des ganzen Prozesses und eine Beeinflussung des Richters durch die Medien.

Sehr kritisch äußerte sich am Montag in der Zeitung Lidove noviny auch der Journalist Jan Culik, Herausgeber der Zeitung Britske listy. Er hält die Vorstellung, dass man das tschechische Justizwesen durch einen Medienrummel um Gerichtsprozesse verbessern könne, für vergeblich und erinnert in diesem Zusammenhang an negative Beispiele aus den USA.

Doch das öffentlich-rechtliche Tschechische Fernsehen hält trotz dieser Bedenken an seinem Vorhaben fest, und so kann die tschechische Fernsehöffentlichkeit am Donnerstag und Freitag den Prozess gegen Srba und weitere drei Angeklagte in dem geplanten Mordkomplott live zuhause vor den Bildschirmen verfolgen. Karel Srba selbst übrigens hat gegen die Direktübertragung nichts einzuwenden, zitiert ihn die Zeitung Hospodarske noviny am Montag. Was ihn jedoch störe sei das Vorhaben der Fernsehanstalt, zusätzlich Kommentatoren ins Studio einzuladen, um sich über den Fall zu äußern.