Tschechische Architektur aus dem 3D-Drucker: Kirche in Neratovice und Bergstation im Altvatergebirge

Zukünftige Kirche in Neratovice - Visualisierung

Als das mittelböhmische Neratovice zu kommunistischen Zeiten zur Stadt erhoben wurde, wollten die Machthaber dort keine Kirche haben. Und bei diesem Zustand ist es bis heute geblieben. Doch die katholische Kirche hat mittlerweile den Bau eines Gotteshauses in die Wege geleitet. Das Ungewöhnliche dabei: Viele Teile kommen aus dem 3D-Drucker. Aber es gibt hierzulande noch weitere Bauprojekte, die mithilfe dieser Technik entstehen.

3D-Druck der Kirche in Neratovice | Foto: Daniel Zach,  iROZHLAS.cz

Wenn schon modern, dann richtig. So scheinen die Katholiken in Neratovice zu denken. Denn ihre neue Kirche entsteht aus Betoneinzelteilen, und die kommen aus dem 3D-Drucker. Sie lassen sich dann wie Stücke eines Puzzles ineinanderschieben.

Das Gotteshaus geplant hat der anerkannte tschechische Architekt Zdeněk Fránek. Von Michal Mačuda wurde das Design an den 3D-Druck angepasst. Ursprünglich sollte nur der Kirchenturm auf diese Weise entstehen, nun wurde auch das gesamte Innengewölbe hinzugenommen. Daher muss es nicht extra verputzt werden. Denn die Druckteile mit ihrer wellenförmigen Oberfläche sind dekorativ. Außerdem helfen sie dabei, die Akustik zu verbessern.

Zukünftige Kirche in Neratovice - Visualisierung | Foto: Nadace neratovického komunitního centra

„Die Druckteile haben einen Hohlraum, der eigentlich keine Funktion hat. Wir haben aber kleine Metallröhren integriert und den Hohlraum mit Isolationswolle gefüllt. Die Geräusche aus der Kirche landen so in der Wolle, die die Vibrationen stoppt. So dämpfen wir die Geräusche in der Kirche“, so Mačuda.

Mehr als 20.000 Einwohner hat Neratovice heute. Die mittelböhmische Industriestadt liegt an der Elbe und ist von der chemischen Industrie dominiert. Eine Kirche wurde dort bisher nicht gebaut, obwohl der Ort schon vor fast 70 Jahren zur Stadt erhoben wurde. Petr Kováč verwaltet die dortige Pfarrei und merkte in Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks an:

„Die damalige Regierung sagte, dies wird die erste Stadt ohne Kirche. In den vergangenen Jahrzehnten gab es aber immer das Bemühen, doch eine Kirche zu bauen.“

Im Dezember soll in Neratovice damit begonnen werden, versuchsweise das Innengewölbe zusammenzusetzen. Dieses wird letztlich aus 520 Teilen bestehen. Die Kosten für die gesamte Kirche werden auf 204 Millionen Kronen (8,5 Millionen Euro) geschätzt. Bisher ist über Spenden rund ein Viertel der benötigten Summe zusammengekommen.

Innenansicht der Seilbahnstation in Kopřivná  | Foto: Adam Tomáš,  Tschechischer Rundfunk

Da sich die Technik schnell weiterentwickelt, entstehen auch weitere Gebäude hierzulande mit Teilen aus dem 3D-Drucker. So etwa die Bergstation des Sesselliftes im Skigebiet Kopřivná im Altvatergebirge. Jan Ležatka ist der Manager des Skigebietes. Seinen Worten nach war dies die praktischste Variante:

„Im unteren Stockwerk sieht man unterschiedliche Formen und Details in den Wänden, die zum Gesamteindruck beitragen. Das war nur im 3D-Druck möglich. Aber auch für die Form der Bar gab es keine andere Wahl.“

Wenn die neue Skisaison beginnt, wird die Bergstation das erste öffentlich zugängliche Gebäude Tschechiens aus dem 3D-Drucker und eines der größten in Europa sein.

Seilbahnstation in Kopřivná | Foto: Adam Tomáš,  Tschechischer Rundfunk
Autor: Till Janzer | Quelle: Český rozhlas
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