Tschechische Fußballliga startet: Wer nimmt´s mit Meister Slavia Prag auf?

Verteidiger Adam Dohnálek (links) von Sigma Olmütz und Ex-Slavia-Stürmer Václav Jurečka

Am Freitag startet die tschechische Fußballliga in die neue Saison. Welches sind die Favoriten, welches die Abstiegskandidaten? Und welche interessanten Spieler konnten verpflichtet werden?

Fast zwei Monate lang dauerte die fußballlose Zeit in Tschechien, wenn man die heimische Liga nimmt. An diesem Wochenende beginnt aber die neue Spielzeit. Meister Slavia Prag gilt wieder als der große Favorit. Dazu der Vorstandsvorsitzende der Rot-Weißen, Jaroslav Tvrdík, bei der Pressekonferenz vor der Saison:

Jaroslav Tvrdík | Foto:  Tschechisches Fernsehen

„Wir sind uns bewusst, dass wir die Favoriten sind. Es wäre heuchlerisch so zu tun, als gelte das nicht. Wir haben einen außergewöhnlichen Kader. Letztlich liegt sein Wert laut dem Server Transfermarkt bei fast 130 Millionen Euro. Das zeigt die Stärke des Teams. Das Wichtigste für uns war, den Kader zu erhalten. Die größten Verstärkungen sind jene Spieler, die nicht weggegangen sind.“

Der Erhalt gelang bis auf den Fall des Defensivtalents El Hadji Malick Diouf. Der senegalesische Nationalspieler ist zu West Ham United in die Premier League gewechselt. Wie Tvrdík aber weiter betonte, müsse Slavia erstmals seit zehn Jahren keine Spieler wegen der Transfereinnahmen verkaufen. Das macht auch die sichere Teilnahme an der Champions-League-Gruppenphase möglich. Größte Verstärkung ist der Mittelfeldmotor und tschechische Nationalspieler Michal Sadílek, der von Twente Enschede verpflichtet wurde.

Malick Diouf | Foto: Michal Sváček,  MF DNES,  LN/Profimedia

Für den Sportsender des Tschechischen Rundfunks nannte zudem Ex-Fußballprofi Pavel Horváth die weiteren Vereine, die für den Titelkampf in Frage kommen dürften:

Pavel Horváth | Foto: Khalil Baalbaki,  Český rozhlas

„Sicher wollen Sparta Prag, Viktoria Pilsen und Baník Ostrau dem Meister den Weg zur Titelverteidigung erschweren. Ich weiß zwar nicht, ob noch weitere Teams in den Titelkampf eingreifen könnten, aber Slavia bleibt der große Favorit.“

In jedem Fall haben sich die genannten Mitbewerber um die Meistertrophäe – in Tschechien ist es ein Pokal und nicht eine Schale wie in der deutschen Bundesliga – ebenfalls verstärkt oder ihren Kader beieinander halten können. Bekanntester neuer Name bei Sparta Prag ist Pavel Kadeřábek. Ihn zog es nach zehn Jahren bei der TSG Hoffenheim zu seinem Jugendverein zurück, bei dem er auch zum Erstligaspieler reifte.

„Wenn ich hier durch den Spielertunnel auf den Rasen gehe, dann kommen die Momente früherer Spiele zurück und wie ich davor immer Schmetterlinge im Bauch hatte. Ich freue mich sehr darauf, mich daran bei den anstehenden Begegnungen wieder erinnern zu können und das erneut zu erleben“, sagte der 33-jährige Außenverteidiger für den Fernsehkanal von Sparta Prag.

Der Klub aus dem Stadtteil Letná hat sich aber auch auf der Trainerbank verstärkt – denn Erfolgscoach Brian Priske ist nach einem Jahr bei Feyenoord Rotterdam zum tschechischen Rekordmeister zurückgekehrt. Und beim Treffen mit Journalisten vorm Saisonstart betonte der Däne, dass Sparta natürlich um den Titel mitkämpfen werde.

Aber ebenso der Vorjahreszweite aus Plzeň / Pilsen und der Dritte aus Ostrava / Ostrau rechnen sich Chancen auf die Trophäe aus.

Vielleicht nicht im Kampf um den Titel, aber um die Starterplätze für die europäischen Pokalwettbewerbe könnten noch weitere Ligateilnehmer ein Wörtchen mitreden. Interessant ist da zum Beispiel Pokalsieger Sigma Olmütz. Der Verein aus Mittelmähren hat mit dem Unternehmer Milan Šimonovský einen neuen Eigentümer, und dieser sagt:

„Das erste Ziel lautet, regelmäßig um die internationalen Pokalwettbewerbe zu kämpfen und in Europa nicht zu enttäuschen. Das zweite Ziel ist, das Vertrauen der Fans in den Verein zurückzugewinnen. Und das dritte besteht darin, zusammen mit der Stadt, dem Kreis und weiteren Beteiligten das Umfeld zu erweitern und die Jugend zu unterstützen.“

Dafür wurde das Budget des Vereins verdoppelt, es liegt nun bei 200 Millionen Kronen (8,1 Millionen Euro). Ambitionen auf das internationale Geschehen hat zudem Slovan Liberec. Und auch der FC Hradec Králové möchte mitmischen und hat sich dementsprechend verstärkt. Von Aris Thessaloniki kam Ex-Nationalmannschaftskapitän Vladimír Darida, der früher beim SC Freiburg und lange Jahre bei Hertha BSC Berlin gespielt hat.

Auch Experte Horváth quittiert mit Wohlwollen die Transferaktivitäten in der tschechischen Liga:

„Damit steigt die Qualität der Liga weiter und auch das Interesse der Fans. Ein Beweis für die Entwicklung der vergangenen Jahre sind insgesamt fünf Mannschaften, die diese Saison in den europäischen Wettbewerben antreten – auch wenn sich einige von ihnen erst einmal in den Vorrunden beweisen müssen. Ich bin gespannt, was diese Spielzeit bringt und wie viele Fans sie anziehen wird.“

Um den Ligaerhalt dürften seiner Meinung nach vor allem Aufsteiger Zlín sowie Pardubice und Slovácko kämpfen.

Auch diese Saison besteht wieder aus zwei Teilen. Zunächst bestreiten die 16 Liga-Teilnehmer die normale Punkterunde. Nach 30 Spieltagen wird wie beispielsweise in der Schweiz das Feld getrennt. Und in drei Gruppen kämpfen die Teams dann um den Titel, die Platzierungen und gegen den Abstieg.

Autor: Till Janzer | Quellen: Český rozhlas , ČTK
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