Tschechische Jugend forscht auf Deutsch: „Helle Köpfe“ im Prager Goethe-Institut

„Deutsch für helle Köpfe“

Haben Medikamente einen Einfluss auf den pH-Wert der Magenflüssigkeit eines Menschen? Wo findet man den gesündesten Aprikosenhybrid auf der Welt? Diese und viele anderen Fragen beschäftigten die Teilnehmer des Wettbewerbs „Deutsch für helle Köpfe“ in diesem Jahr. Zum zweiten Mal in Folge stellten tschechische Schüler in der Sprache des Nachbarlandes ihre Forschungsprojekte im Prager Goethe-Institut vor.

„Deutsch für helle Köpfe“

Begeisterung und Leidenschaft. Dies war beim Wettbewerb „Deutsch für helle Köpfe“ deutlich zu spüren. Die Teilnehmer im Alter von 15 bis 18 Jahren haben vergangene Woche ihre Forschungsprojekte im Prager Goethe-Institut vorgestellt. Ob Mathematik, Physik, Chemie oder Biologie – den Schülern und ihrer Kreativität waren keine Grenzen gesetzt. Alle Finalisten des Wettbewerbs hatten viel Zeit und Energie in ihr Projekt investiert, so auch Veronika Valešová. Die 18-Jährige aus Pardubice hat eine Tabelle über den exakten Vitamingehalt von Obst und Gemüse erstellt:

„Mein Projekt beschäftigt sich mit dem Vitamin-C-Haushalt des menschlichen Körpers. Das erste Jahr habe ich Probanden an der Schule untersucht. Das zweite Jahr an der Universität. Durch neueste Forschungsmethoden bin ich auf verschiedene Ergebnisse kommen. Meine Hauptfrage beschäftigt sich damit, wie viel Obst und Gemüse ein Mensch täglich zu sich nehmen muss, um den Vitamin-C-Haushalt des Körpers zu decken.“

Doch nicht nur die Forschungsprojekte waren Voraussetzung für die Bewerbung: Wofür hat Albert Einstein den Nobelpreis erhalten? Eine der Fragen, die es in der zweiten Phase des Wettbewerbs in einem Quiz auf der Website des Goethe-Instituts zu beantworten galt. Der Trick dabei: Die Antworten mussten auf Deutsch sein. Damit wiesen die Schüler nach, dass sie die Sprache auf dem Niveau A1 bis B1 beherrschen.

Die Jury war besetzt aus Mitarbeitern der tschechischen Akademie der Wissenschaften und der technischen Hochschule in Brno / Brünn. Sie wählte am Mittwoch aus den zwölf Forschungsprojekten die vier besten aus. Štěpánka Laňová, Beauftragte für Bildungskooperation am Goethe-Institut, über die Kriterien der Jury:

Göttingen (Foto: Daniel Schwen, Creative Commons 2.5)

„Sie entscheidet danach, wie viel Mühe sich die Schüler gegeben haben, wie motiviert sie sind und natürlich wie originell beziehungsweise innovativ das Forschungsprojekt ist. Aber auch welche Begeisterung die Schüler in das Projekt einbringen, das alles spielt eine große Rolle.“

Der Hauptpreis ist ein zweiwöchiger Sprachkurs in Göttingen im August. Ziel des Besuchs ist, Deutschland aus der Sicht der Wissenschaft kennenzulernen und sprachliche Kenntnisse zu verbessern.

Foto: Hinzmann

„In Göttingen treffen sich die Sieger aus Tschechien, Litauen, Lettland, Estland, Polen und der Slowakei. Insgesamt sind es 24 Schüler. Die lernen dann vor Ort am Goethe-Institut Deutsch. 40 Stunden Deutschunterricht sind geplant. Außerdem wird ihnen ein Begleitprogramm geboten. Beispielsweise besuchen sie „X-LAB“ und andere Labore. Drei Tage vor Rückreise fahren sie auch noch nach Bonn, wo sie die Zentrale der deutschen Telekom besuchen. Und auch in Bonn steht für den restlichen Aufenthalt in Deutschland noch viel auf dem Programm“, so Štěpánka Laňová.

Ein länderübergreifender Wettbewerb, der den Schülern ein attraktives Rahmenprogramm in Göttingen und Bonn bietet. Der Jury in Prag fiel die diesjährige Entscheidung nicht leicht:

Foto: Barbora Kmentová

„Alle Schüler, die heute hier waren, waren sehr gut. Und wir hatten eine sehr schwere Aufgabe, die vier auszuwählen.“

Michaela Krákorová zum Beispiel überzeugte die Jury mit einer neuen chemischen Farbverbindung, die unter anderem Banknoten sicherer machen könnte. Aber auch Veronika Valešová mit ihrem biochemischen Projekt durfte sich zu den glücklichen Siegern zählen. Ihre Mutter hatte ihr die ganze Zeit die Daumen gehalten:

„Jetzt ist die Freude sehr groß. Aber das gesamte Projekt hat sehr viel Zeit und Nerven gekostet. Zu viel Arbeit, zu viele Stunden im Labor, zu viele Stunden an der Uni. So war nicht viel Zeit für die Schule. Der Tag hat schließlich nur 24 Stunden, und das war wenig für so viele Tätigkeiten.“

Dass sich dieser Einsatz aber gelohnt hat, zeigte Veronikas Reaktion:

„Das ist super. Ich bin sehr glücklich und freue mich sehr auf das astronomische Zentrum am Institut und auf den Sprachkurs.“