Tschechische Polen gedenken der Katyn-Opfer von 1940 und 2010

Andenken an Lech Kaczyński (Foto: ČTK)

Am Samstag und Sonntag wird Tschechien der Opfer des Flugzeugabsturzes gedenken, bei dem vor einer Woche der polnische Präsident Lech Kaczyński und seine Frau zusammen mit weiteren hochrangigen Vertretern des Staates ums Leben kamen. Beide Tage stehen offiziell im Zeichen der Trauer. Getrauert wird seit Anfang der Woche auch in Český Těšín / Teschen, einer Stadt an der tschechisch-polnischen Grenze. Dort sowie in der Umgebung leben rund 30.000 tschechische Bürger polnischer Nationalität. Gedacht wird dort auch der Opfer des Massakers von Katyn vor 70 Jahren.

In der Region von Český Těšín / Teschen lebt seit Jahrhunderten eine gemischte Bevölkerung. Außer Tschechen und Polen gehörten vor dem Zweiten Weltkrieg auch Deutsche, Juden oder Ungarn dazu. Durch die geschichtlichen Wirrnisse kurz vor dem Kriegsausbruch, zu denen maßgeblich der tschechoslowakisch-polnische Streit um dieses Grenzgebiet beigetragen hatte, wurden viele Teschener Polen, bis dahin tschechoslowakische Bürger, in die polnische Armee eingezogen.

Josef Szymeczek (Foto: www.ct24.cz)
Ungefähr von ihnen 400 sind dann 1940 in Katyn zu Opfern des stalinschen Terrors geworden. An sie erinnert seit einigen Jahren ein Mahnmal in Český Těšín. Dieser Tage wurde es zum Treffpunkt vieler in Tschechien lebender Polen. Unter ihnen auch Josef Szymeczek, Vorsitzender des Kongresses der Polen in der Tschechischen Republik – der Dachorganisation der polnischen Minderheit in Tschechien, die rund 50.000 Mitglieder vereint.

„Die Tragödie ´Katyn Nummer 2´ kann dazu beitragen, dass jetzt niemand mehr verschweigen kann, was vor 70 Jahren passiert ist. Jetzt hat es die ganze Welt erfahren, auch diejenigen, die die Ereignisse in Katyn bisher geleugnet haben und die damit nichts tun haben wollten. Jetzt können Sie der Wahrheit nicht mehr ausweichen.“

Massaker von Katyn
Am Teschener Denkmal für die Katyn-Opfer hat auch Meczislaw Wieczorek eine Kerze angezündet:

„Bis heute hat kein Täter seine Schuld bekannt und so leben wir damit. 50 Jahre lang durfte man darüber nicht sprechen. Meine Mutter lag im Sterben, als sie erfahren hat, was dort eigentlich passiert war. Sie hat nicht mehr geheiratet, weil sie die ganze Zeit auf ihren Ehemann gewartet hatte. Wir versuchen jetzt das Gedenken an unsere Väter wieder ins Leben zu rufen.“

Václav Klaus bei der Trauermesse im Prager Veitsdom
Ähnliche Gründe wie Herr Wieczorek hatten wohl alle, die in Teschen mit Blumen und Kerzen der Katyn-Opfer gedachten - derer von 1940 ebenso wie jener von 2010:

„In Katyn hat man den Bruder meiner Mutter ermordet. Das alles ist sehr traurig. Ich habe deswegen schon so oft geweint. Es ist eine schreckliche Tragödie. Dieser Tage steht die Welt ein bisschen auf der Seite der Polen.“

Foto: ČTK
„Warum wir gekommen sind? Weil es ein Bedürfnis unseres Herzens ist … Es ist schwer darüber zu sprechen.“

„Weil ich ein Pole bin und glaube, dass man der Opfer gedenken muss.“

Gekommen ist auch der Priester Bohuslav Kokotek:

„Mit dem tragischen Flugzeugunglück hat sich der Schmerz um Katyn verdoppelt und wir alle sind gerührt. Weil es eine emotionsgeladene Situation ist und so wollen wir in diesen schweren Momenten durch die Seelsorge behilflich sein.“