Tschechische Regierung will Umweltzonen in Städten erlauben

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Seit der politischen Wende hat der Autoverkehr in Tschechien stark zugenommen. Das bedeutet auch mehr Abgase, unter denen die Bewohner leiden. Deswegen rufen die tschechischen Gemeinden bereits seit einigen Jahren nach einer landesweiten Regelung für Umweltzonen. Die Regierung von Premier Nečas plant, solche Zonen nun nach deutschem Vorbild zu erlauben.

Das Umweltministerium hat die geplante Verordnung ausgearbeitet. Ressortleiter Tomáš Chalupa trat zu Wochenbeginn vor die Medien und erläuterte, warum die tschechischen Gemeinden nach Umweltzonen gerufen haben und die Regierung dem nun nachkommen will:

„Es gibt mehrere Gründe dafür, Umweltzonen einzuführen. In jeder Gemeinde sieht es ein bisschen anders aus, welcher Grund als wichtigster gilt. Es geht nicht nur um die Reduktion der Feinstaub-Belastung und der Luftverschmutzung, sondern auch stark um die Lärmreduzierung. Das ist für viele Gemeinden ein wichtiger Grund.“

Tomáš Chalupa (Foto: ČTK)
Noch muss das Regierungskabinett der geplanten Verordnung zustimmen. Das soll im Oktober geschehen, so dass die ersten tschechischen Gemeinden zum Herbst kommenden Jahres Umweltzonen einführen könnten.

Konkret sollen die Autos – im Unterschied zu Deutschland - sowohl nach den europäischen Feinpartikelnormen, als auch nach Alter in vier Umweltkategorien unterteilt werden. Als absolutes Unikum in Europa sollen auch Motorräder unter die Plakettenpflicht fallen.

„Wir sind der Ansicht, dass hier eine Gleichbehandlung bestehen muss wie bei der Autobahnvignette, die für Motorräder wie für Autos gilt. Deswegen sehen wir keinen Grund für eine Ausnahme“, begründet Minister Chalupa.

Umweltzonen einzuführen erwägen bereits mehrere Städte in Tschechien. Ein schwieriger Fall ist dabei Prag. Ein Großteil der Verkehrsbelastung kommt durch die so genannte Magistrale, die Autobahn mitten durch die Innenstadt. Doch Umweltzonen sollen nur erlaubt sein, wenn Umfahrungsmöglichkeiten bestehen. Und daran wird in Prag noch gebaut. Zudem besteht in der tschechischen Hauptstadt bereits ein Einfahrverbot für Lkw der Euro-Norm 1, ab Januar kommenden Jahres soll es auf die Normen 2 und 3 ausgedehnt werden.

Einen starken Effekt erhofft man sich hingegen im Kurstädtchen Klimkovice in Ostmähren mit seinen 4000 Einwohnern. Dort soll die Umweltzone für das gesamte Stadtgebiet gelten:

Jakub Unucka (Foto: Sdělovací technika)
„Der Hauptgrund ist, dass mehr als 8000 Autos täglich durch Klimkovice fahren. Ein Drittel davon sind Lkws. Wir haben in der Stadt drei steile Hügel, die Autos müssen dort immer wieder anhalten und wieder anfahren. Gerade bei den älteren Fahrzeugen sieht man dann die dunklen Abgaswolken. Der Vorteil ist, dass Klimkovice eine Autobahnumgehung hat. Manche Lkw- und Pkw-Fahrer nutzen jedoch die Umfahrung nicht, weil sie das Geld für die Autobahnvignette sparen wollen, und fahren durch das Zentrum von Klimkovice“, sagt der stellvertretende Bürgermeister, Jakub Unucka.

Allerdings erlaubt auch die geplante tschechische Regelung eine ganze Reihe von Ausnahmen vom Verbot, zum Beispiel für den Gemeindefuhrpark, für Busse und auch für Anwohner. Im nordmährischen Ostrau / Ostrava durften wegen Smogs schon seit dem vergangenen Winter Autofahrverbote verhängt werden. Dort war man jedoch ernüchtert: Das Fahrverbot habe nichts gebracht, sagte damals Oberbürgermeister Petr Kajnar.