Tschechische Wissenschaft im Zeichen von Corona

Visualisierung eines Biochips mit SARS-CoV-2-Virus

Die Wissenschaftler in Tschechien haben im vergangenen Jahr ihre Forschungen in vielen Bereichen auf Covid-19 ausgerichtet. Die Corona-Epidemie bot ihnen Gelegenheit zu neuen Entdeckungen, und sie feiern nun auch internationale Erfolge.

Ein Biochip,  der SARS-CoV-2-Viren nachweisen kann | Foto: René Volfík,  Tschechische Akademie der Wissenschaften

Ein Biochip, der SARS-CoV-2-Viren nachweisen kann – und das so schnell wie ein Antigen-Test und so zuverlässig wie ein PCR-Test. Diese Erfindung wurde von Physikern der tschechischen Akademie der Wissenschaften entwickelt und im Dezember vergangenen Jahres in einer Studie für die renommierte Zeitschrift ACS Applied Materials and Interfaces präsentiert. Die Forscherin Hana Lísalová sagte dazu in einer Videoaufnahme der Akademie der Wissenschaften:

„Es ist ein Meilenstein unserer Arbeit. Als wir die Forschung zum Nachweis des Coronavirus aufgenommen haben, war das für uns ein unbekannter Bereich. Es ist wunderbar, dass die Lösung, die wir entworfen und überprüft haben, nun von der Forschergemeinde bestätigt wurde.“

Hana Lísalová | Foto: René Volfík,  Tschechische Akademie der Wissenschaften

Das Team von Hana Lísalová arbeitete seit März 2020 an dem Biochip.

„Dieser kann alle Nachweisprozesse künftig sehr vereinfachen. Ein Vorteil des Chips ist, dass er mehrfach verwendet werden kann, bis ein positives Ergebnis nachgewiesen wird. Das beste Preis-Leistungsverhältnis bei der Nutzung ergibt sich in dem Moment, wenn die Epidemie am Abklingen ist und man aufpassen muss, dass die Infektion etwa in eine Firma nicht wieder eingeschleppt wird.“

Das war allerdings bei Weitem nicht der einzige Erfolg der Akademie der Wissenschaften. Eva Zažímalová ist Vorsitzende der Einrichtung und nennt einen weiteren:

Foto: René Volfík,  Tschechische Akademie der Wissenschaften

„Es ist ein Ansatz unseres biotechnologischen Instituts und weiterer Institute. Sie haben einen Test zum Nachweis von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 entwickelt. Nun wird über die Validität des Tests diskutiert, und es werden Daten dazu gesammelt. Ich denke, dass dieser Test künftig ein sehr wirksames Instrument sein kann.“

Das Coronavirus hat aber auch Fächer beeinflusst, bei denen man dies nicht erwartet hätte. Linguisten studieren etwa, wie sich die tschechische Sprache durch das Entstehen neuer Wörter und Begriffe verändert hat. Und es gebe noch weitere Beispiele, sagt Zažímalová:

Illustrationsfoto: Polina Tankilewitsch,  Pexels,  CC0

„Ich war angesichts der Corona-Plage positiv überrascht, dass sich Forscher in allen möglichen Bereichen mit der Pandemie auseinandergesetzt haben, ohne dass dies ihnen angeordnet oder empfohlen wurde. Ebenso spontan entstand eine interdisziplinäre Zusammenarbeit.“

Für die Vorsitzende der Akademie der Wissenschaften und ihre Kollegen beginnt das Jahr 2022 jedoch mit der Unsicherheit, wie die größte Forschungseinrichtung des Landes weiter finanziert werden soll. Denn der Staatshaushalt für das laufende Jahr wurde bisher noch nicht verabschiedet:

Eva Zažímalová | Foto:  Tschechischer Rundfunk

„Die neue Regierung hat mehrmals angekündigt, den Staatshaushalt gründlich zu überarbeiten und dabei zu sparen. Davor haben wir etwas Angst. Ich hoffe, dass die kleine Budgeterhöhung, die geplant war, beibehalten wird. Allerdings muss ich sagen, dass diese bei etwa 3,5 Prozent liegt, was nur der Hälfte der Inflation entspricht. Reell betrachtet reduzieren sich unsere Bezüge dadurch.“

Die Akademie der Wissenschaften soll dem Haushaltsentwurf zufolge ein Budget von sieben Milliarden Kronen (286 Millionen Euro) erhalten.

Autoren: Markéta Kachlíková , Ondřej Vaňura
abspielen