Tschechischer Staatsfeiertag: Orden und Ehrenzeichen verliehen

Präsident Petr Pavel bei seiner Rede anlässlich der Verleihung staatlicher Ehrenzeichen

Der Staatsfeiertag am 28. Oktober, mit dem an die Gründung der Tschechoslowakischen Republik von 1918 erinnert wird, fand traditionell am Abend in einer Zeremonie auf der Prager Burg seinen Höhepunkt. Insgesamt 48 Persönlichkeiten, darunter Widerstandskämpfer, Vertreter von Kultur und Wissenschaft sowie Menschen, die Leben gerettet haben, wurden von Präsident Petr Pavel bei diesem Anlass geehrt.

Verleihung staatlicher Auszeichnungen im Vladislav-Saal | Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

Eine Parade mit historischen Militärflaggen und der Hussitenchoral Ktož jsú boží bojovníci leiteten am Dienstagabend die Zeremonie im Wladislaw-Saal der Prager Burg ein. Dort werden am Staatsgründungstag die Orden und Ehrenzeichen verliehen. Staatspräsident Petr Pavel betonte in seiner Rede zu diesem Anlass, dass die Tschechische Republik ein demokratisches, sicheres und souveränes Land sei. Vor 600 Gästen, darunter auch den vor knapp vier Wochen neugewählten Abgeordneten, sprach er unter anderem über die Ergebnisse der jüngsten Parlamentswahl. Angesichts der Regierungsbildung sagte er, er werde alles dafür tun, dass die Wahlergebnisse auf eine ordentliche, ruhige und konstruktive Weise umgesetzt werden können. Gleichzeitig wolle er aber jederzeit auf Verstöße gegen die Werte der Verfassung und die Prinzipien der Demokratie hinweisen, betonte der Präsident. Pavel sprach zudem die aktuelle Sicherheitslage an. Wenn jemand behaupte, dass uns nichts drohe, dann lüge er absichtlich, so das Staatsoberhaupt:

Der tschechische Präsident Petr Pavel  | Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

„Russland hat nicht nur im vergangenen Jahr enorm umfangreiche Mittel für die Rüstung ausgegeben. Wir müssen damit rechnen, dass sich der Kreml nicht auf eine Zukunft im Frieden vorbereitet. Eher im Gegenteil. Deswegen müssen wir und unsere Verbündeten militärisch so stark sein, um Russland und jeden anderen Aggressor rechtzeitig zu entmutigen, seine Pläne umzusetzen.“

Anschließend vergab Präsident Petr Pavel insgesamt 48 Staatsorden und Ehrenzeichen, die geringste Zahl seit seinem Amtsantritt. Die höchste Auszeichnung, der Orden des Weißen Löwen, wurde an fünf Persönlichkeiten verliehen. Posthum geehrt wurden zwei Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus beziehungsweise Kommunismus, Hugo Vojta und Jaromír Nechanský, sowie die kürzlich verstorbene langjährige Leiterin der Staatlichen Atomsicherheitsbehörde, Dana Drábová. Persönlich nahmen die Tennisspielerin Martina Navrátilová sowie der Schauspieler und Drehbuchautor Zdeněk Svěrák die Orden entgegen.

Zdeněk Svěrák | Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

Mit dem Tomáš-Garrigue-Masaryk-Orden werden Persönlichkeiten für ihre Leistungen für die Entwicklung von Demokratie, Humanität und Menschenrechten geehrt. In diesem Jahr ging der Orden an den Leiter der Hilfsorganisation Člověk v tísni (Mensch in Not), Šimon Pánek, sowie posthum an den ehemaligen Justizminister Otakar Motejl und die frühere Oppositionelle und Sprecherin der Charta 77 Dana Němcová.

Šimon Malý | Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

Mit einer Medaille für Heldentum wurde unter anderem der neunjährige Šimon Malý ausgezeichnet, der seinen Großvater aus dem Wasser retten konnte, nachdem dieser beim Schwimmen das Bewusstsein verloren hatte.

Am 28. Oktober wurden zudem die Verdienstmedaillen für Leistungen in verschiedenen Bereichen an insgesamt 32 Menschen vergeben. Im Verteidigungsbereich nahmen der ehemalige Diplomat und Sicherheitsberater der Regierung, Tomáš Pojar, sowie der Generalstabschef der tschechischen Armee, Karel Řehka, die Medaille entgegen. Unter den Vertretern von Kunst und Kultur waren etwa der renommierte Dirigent Jakub Hrůša, die populäre Filmschauspielerin Anna Geislerová und posthum der Architekt Jan Kaplický. Geehrt wurde ebenso der Kriegskorrespondent des Tschechischen Rundfunks in der Ukraine, Martin Dorazín. Er sagte:

Martin Dorazín | Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

„Das Problem betrifft uns alle, und seine Lösung sollte im Interesse von uns allen sein. Wir alle wollen den Frieden. Aber einen Frieden, der keine Kapitulation der Ukraine bedeuten wird.“

Im Bereich von Wissenschaft, Technik und Gesundheitswesen wurden unter anderem der Physiker Tomáš Jungwirth und die Kämpferin für Knochenmarkspenden Zdenka Wasserbauerová geehrt. Eine Medaille ging auch an den Bauingenieur und Hochschullehrer Jan Vítek. Der nun 100-Jährige entwarf unter anderem die Nusel-Brücke in Prag:

Jan Vítek | Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

„Es ist eine große Ehre für mich. Denn ich habe so etwas nie erwartet. Wie auch genauso wenig, dass ich 100 Jahre alt werde. Ich bin also sehr zufrieden. Ich glaube, dass ich nun kaum noch mehr vom Leben wünschen kann.“