Tschechisches Davis Cup-Team nach 13 Jahren wieder im Halbfinale

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Im Sport bleiben die Uhren niemals stehen und die Leistungen von gestern sind heute oder morgen bereits schon Makulatur. Das war auch am zurückliegenden Sportwochenende nicht anders. Eine repräsentative Bilanz aus tschechischer Sicht:

„Die Gewinnerin der Silbermedaille ist Jana Korešová.“ So verkündete die Stadionsprecherin der Leichtathletik-Wettbewerbe bei der 25. Sommer-Universiade in Belgrad am vergangenen Sonntag bei einer Siegerehrung die Zweitplatzierte des Siebenkampfes der Damen. Diesen Platz errang die Tschechin nach einer famosen Vorstellung im abschließenden 800-Meter-Lauf. Mit 2:08,23 min stellte sie eine neue persönliche Bestleistung auf. Insgesamt kam Korešová auf 5956 Punkte und musste sich nur der Schwedin Jessica Samuelsen geschlagen geben, die 48 Punkte mehr erzielte. Jana Korešová gewann die letzte der sechs Medaillen, die die tschechischen Sportlerinnen und Sportler bei den 25. Weltsportspielen den Studenten erkämpft haben. Die so genannte Universiade ist am Sonntag in Belgrad zu Ende gegangen.


Radek Štěpánek (Foto: ČTK)
Am Sonntag zu Ende ging auch der dramatische Fight im Davis Cup, der ab Freitag im mährischen Ostrava / Ostrau zwischen den Tennisspielern aus Tschechien und Argentinien ausgetragen wurde. Die Auseinandersetzung der beiden Tennisnationen war deshalb so dramatisch, weil sie erst im vierten und abschließenden Einzel entschieden wurde. Nach drei Einzelduellen und dem Doppel, in dem Tomáš Berdych und Radek Štěpánek ihre argentinischen Kontrahenten klar beherrscht hatten, stand es 2:2. Berdych hatte gerade das Topduell gegen den Weltranglisten-Fünften Juan Martin Del Potro nach nur drei Sätzen verloren, da musste für Tschechien Radek Štěpánek ran und die Entscheidung auf die Seite der Gastgeber ziehen. Und das, obwohl der 30-Jährige noch am Freitag wegen einer schmerzhaften Knieprellung durch Ivo Minář ersetzt werden musste. Im nervenaufreibenden Fight mit dem Argentinier Juan Monaco aber biss Štěpánek auf die Zähne, während er dem Konkurrenten ebenjene einen nach dem anderen zog. Mit unglaublichem Einsatz und Laufaufwand war Štěpanek der klar dominierende Mann auf dem Centre Court. Schon nach drei Sätzen hatte Štěpánek Monaco in die Knie gezwungen und das tschechische Herrenteam damit erstmals nach 13 Jahren wieder in ein Davis-Cup-Halbfinale geführt. Entsprechend glücklich und zufrieden äußerte sich der „Held von Ostrau“ dann vor den Journalisten:

„Diesen Sieg stufe ich höher ein als jedweden anderen, ich habe dafür alles aus mir herausholen müssen. Ich hätte sehr gern an allen drei Tagen für unser Team gespielt, doch die Umstände haben es nicht zugelassen. Letzten Endes habe ich die Verantwortung auf mich genommen, auch wenn mir klar war, dass ich damit ein sehr hohes Risiko eingehe.“

Im Halbfinale des Davis Cups trifft Tschechien nun vom 18. bis 20. September auswärts auf Kroatien. Im Falle eines Sieges zöge die Truppe von Teamkapitän Jaroslav Navrátil nach 1975 und 1980 zum dritten Male in das Endspiel ein. Der Gegner wäre dann der Sieger des zweiten Halbfinals, das Israel und Spanien bestreiten.


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Das Topsportereignis im Monat Juli ist ohne Zweifel die Tour de France, die in diesen Tagen zum bereits 96. Male ausgetragen wird. Seit vorigem Jahr wird das populäre Rad-Etappenrennen auch in Tschechien wieder aufmerksam verfolgt. Der Grund dafür ist der 23-jährige Roman Kreuziger, der schon jetzt als eines der größten tschechischen Radsporttalente seit den Zeiten von Jan Veselý oder Jan Smolík gilt. Kreuziger, der seit drei Jahren für das italienische ProTour-Team Liquigas-Bianchi fährt, hat bereits einige Erfolge vorzuweisen. 2004 gewann er die beiden tschechischen Landesmeistertitel im Zeitfahren und auf der Straße und später holte er sich noch den Junioren-Weltmeistertitel im Straßenrennen. 2008 gewann er die Tour de Suisse und in diesem Jahr die Tour de Romandie. Bei seinem Einstand auf der „Großen Schleife“ in Frankreich belegte er voriges Jahr den sehr guten 13. Platz und wurde Zweiter der Nachwuchswertung. In diesem Jahr aber soll es noch weiter nach oben gehen. Kreuziger will nach der letzten Etappe im Gesamtklassement unter den Top Ten sein. Dafür will er seine besonderen Qualitäten am Berg voll ausspielen. Nach den ersten drei Bergankünften dieser Tour, die vergangenes Wochenende in den Pyrenäen absolviert wurden, war Kreuziger jedoch mit sich nicht im Reinen. Er hatte sich mehr ausgerechnet als die Etappenränge 35, 26 und 48. Entsprechend enttäuscht war dann auch seine Reaktion nach der 8. Etappe:

„Ich bin nicht zufrieden. Bei der ersten Bergetappe waren meine Beine noch etwas steif, deswegen ist es für mich nicht so gelaufen, wie ich wollte. Heute war es schon besser, doch gegenüber den Topfahrern fehlt mir noch ein Stückchen. Mir bleibt daher nichts anderes übrig als zu hoffen, dass es in den beiden verbleibenden Wochen doch noch ein wenig besser wird als derzeit.“

Am Dienstag lag Roman Kreuziger nach zehn Etappen mit 2:40 min Rückstand auf den führenden Italiener Rinaldo Nocentini auf dem 14. Platz.

Rinaldo Nocentini (Foto: ČTK)
Gleich acht Ränge weiter vorn landete der tschechische Mountainbiker Milan Spěšný am Sonntag im Cross-Country-Rennen bei der Europameisterschaft in den Niederlanden. Spěšný gelang damit die beste Platzierung eines tschechischen Mountainbikers in der EM-Geschichte überhaupt – das bisherige Maximum war der neunte Rang von Radim Kořínek im Jahr 2001. Das Rennen zu seinem Achtungserfolg beschrieb Spěšný anschließend wie folgt:

„Ich hatte große Angst vor dem Start gehabt, denn mir war bewusst: Wenn ich hier nicht gut wegkomme, wird es sehr schwierig, eine gute Platzierung herauszufahren. Es war in der Tat ein höllischer Start, der mir aber geglückt ist. Ich lag anfangs in etwa auf dem 30. Platz, doch ziemlich schnell habe ich mich so um die zehn Ränge nach vorn arbeiten können. Danach war ich in einer Gruppe dabei, die sehr gut zusammengearbeitet hat und immer mehr das Tempo des Rennens diktierte. Dadurch haben wir nach und nach jene Fahrer überholt, die das Rennen zu schnell angegangen waren. Am Ende ist dann für mich der sechste Platz herausgesprungen.“

Ein Roman Kreuziger auf der Straße, ein Milan Spěšný in den Bergen – tschechische Radfahrer machen in diesen Tagen also von sich reden. Und erzeugen die Motivation und Vorbildwirkung für weitere Radfahr- und Mountainbike-Talente im ganzen Land. Damit diese sowie alle radelnden Freizeitsportler genügend Möglichkeiten haben, ihren geliebten Sport auszuüben, werden in Tschechien auch immer mehr Radstrecken und Bikerkurse geschaffen. Der Prototyp eines modernen Radwegs entsteht derzeit im böhmischen Isergebirge im Umkreis der Stadt Nové Město pod Smrkem / Neustadt an der Tafelfichte. Die Besonderheiten dieses Radwegs erläutert Tomáš Kvasnička vom tschechischen Mountainbike-Verband:

„Wir haben beim Anlegen des Radwegs sehr darauf geachtet, dass die Streckenführung zum einen viel Spaß bereitet und zum anderen sehr stabil und sicher ist. Dem entspricht auch das Profil der Piste: Sie ist durchgängig leicht nach innen geneigt, und zwar mit einem Gefälle von bis zu vier Prozent. An den äußeren Seiten des Wegs sind Steine aufgeschüttet. Das hält die Radfahrer dazu an, stets in der Mitte des Wegs zu fahren. Es fahren quasi alle in ein und derselben Spur, die sich damit schnell verhärtet. Der Radweg steht also auf festen Füßen.“

Na dann, nichts wie raus ins Freie und losgeradelt. Mit seinem Drahtesel kann man überdies auch die landschaftlichen Reize der Tschechischen Republik noch viel ausgiebiger entdecken.

Autor: Lothar Martin
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