Tschechoslowakische Hits von 1968 (Teil 1) – Nachtigallen, Gebete und Panzer
Heute und in den beiden kommenden Wochen wollen wir Sie in unserer Mini-Rubrik „MusikCzech“ in das tschechoslowakische Schicksalsjahr 1968 entführen. Das Jahr, das einen Frühling von Freiheit brachte, der dann am 21. August von Panzern des Warschauer Paktes niedergewalzt wurde. Politische und unpolitische Hits von 1968...
Politisch aber war das Lied „Modlitba pro Martu“ – das Gebet für Marta, gesungen von Marta Kubišová. Ebenso entstanden im Jahr 1968, sollte es nach der Invasion der Sowjetunion die Leute um Alexandr Dubček unterstützen, also die demokratisch orientierten Kräfte in der kommunistischen Partei.
„Friede sei mit diesem Land. Ärger, Neid und Streit, sie seien verbannt. Jetzt, wo die verlorene Herrschaft über Deine Angelegenheiten zu Dir zurückkehrt, Du Volk, sie kehrt zu Dir zurück.“
Eine Hymne für die demokratische Tschechoslowakei ist aus diesem Lied geworden. Nur wenige Monate nach der Okkupation wird Marta Kubišová das Singen verboten. Von 1969 an fristet sie ihre Existenz als Sekretärin in einer Baubehörde und wird später eine der ersten Sprecherinnen der Charta 77. Von der Sängerin zur Dissidentin. Erst wieder am 19. November 1989 steht Kubišová auf dem Melantrich-Balkon auf dem Wenzelsplatz neben Václav Havel und singt „Modlitba“ – die Hymne der demokratischen Tschechoslowakei. 20 Jahre erzwungene Gesangspause, haben Kubišová jedoch nie wieder anknüpfen lassen - an das, was sie vor dem 21. August 1968 war.







