Über 8000 Läufer beim 12. Prager Halbmarathon am Start – Janzer: Letzte fünf Kilometer sind hart

Pavel Nedvěd (Foto: ČTK)

Wer hierzulande gern Sport treibt, der hat besonders in Prag viele Möglichkeiten. Darunter sind auch mehrere öffentliche Wettbewerbe, so wie am vergangenen Samstag, als in der Moldaustadt der 12. Prager Halbmarathon ausgetragen wurde.

Als der Prager Halbmarathon im Jahr 1999 aus der Taufe gehoben wurde, nahmen 980 Läufer daran teil. Die Teilnehmerzahl ist mittlerweile um mehr als das Achtfache gestiegen, am Samstag waren über 8000 Läuferinnen und Läufer aus 68 Ländern am Start. Unter ihnen waren der als sportlich bekannte Prager Oberbürgermeister Pavel Bém ebenso wie der ehemalige Fußball-Nationalspieler und Profi von Juventus Turin, Pavel Nedvěd. Auch Radio Prag war aktiv vertreten, und das gleich doppelt: durch den Redakteur der französischen Redaktion, Guillaume Narguet und den Leiter der deutschen Redaktion, Till Janzer. Für Janzer war es eine Premiere, und deshalb zunächst auch nicht ganz einfach, sich im Pulk der Tausende von Beinen zurechtzufinden:

Foto: ČTK

„Die ersten Kilometer hat man auch etwas Angst davor, dass einer einem von hinten in die Hacken tritt oder dass man selbst jemanden ungewollt umrempelt, weil auch Schnellere ständig von hinten nach vorn laufen. Man findet deswegen seinen Rhythmus nicht so sonderlich schnell.“

Auch Pavel Nedved startete das erste Mal bei diesem Rennen, und das mit klaren Vorstellungen:

Pavel Nedvěd (Foto: ČTK)
„Ich will einfach nur dabei sein und mich sportlich aufraffen, ohne mich bis aufs Blut zu verausgaben. Wenn ich einen guten Tag habe, könnte ich die Strecke in 1:40 bis 2 Stunden schaffen.“

Europas einstiger Fußballer des Jahres bewältigte am Ende die gut 21 Kilometer lange Strecke in einer Stunde und knapp 50 Minuten. Der 37-jährige Wahl-Turiner tat danach kund, dass es für ihn ebenso schön gewesen sei, das wunderbare Prag auch mal als Fußgänger in Augenschein genommen zu haben, da er sonst nur mit dem Auto unterwegs sei. Eine Aussage, die bei Till Janzer nur ein schelmisches Lächeln hervorrief:

„Nun ja, das ist das Problem von Pavel Nedvěd. Ich selbst gehe ziemlich oft zu Fuß durch Prag. Beim Marathon dagegen habe ich nicht halb so viel von der Stadt gesehen, weil man sich doch schon sehr auf seine Leistung konzentriert. Man muss sich ebenso auf den Untergrund konzentrieren, weil man zwischendurch auch über Pflastersteine läuft und dabei aufpassen muss, sich nicht den Knöchel zu verstauchen.“

Pavel Nedvěd (Foto: ČTK)
Janzer brauchte für die anspruchsvolle Strecke zwölf Minuten mehr als der einstige Fußballstar. Als Langstrecken-Neuling war er dennoch sehr zufrieden:

„Es braucht eine gewisse Zeit, bis man sich dann auch bewusst wird: man hat diese 21 Kilometer bewältigt. Vergangenes Jahr habe ich am Staffelrennen teilgenommen, wo ich nur sechs Kilometer zu laufen hatte. In diesem Jahre wollte ich unbedingt den Halbmarathon laufen, doch ich fragte mich immer wieder: ´Schaffst du diese 21 Kilometer überhaupt´? Das es geht, habe ich mir jetzt bewiesen, aber es ist ein zäher Kampf mit sich selbst, vor allem die letzten fünf Kilometer. Da muss man schwer kämpfen, doch das ging nicht nur mir so.“

Joel Kimurer (Foto: ČTK)
Gekämpft wurde natürlich auch am Kopf des Starterfeldes, das der Kenianer Joel Kimurer ab dem achten Kilometer eindrucksvoll beherrschte. Der verdiente Lohn: Er gewann den Lauf in der Klassezeit von einer Stunde und neun Sekunden, womit er den Rekord des Rennens nur um ganze zwei Sekunden verfehlte. Doch egal ob eine oder zwei Stunden für 21 Kilometer – gewonnen haben alle, die aktiv dabei waren, denn sie haben Elan gezeigt und die oft zitierte Frühjahrsmüdigkeit schnurstracks aus den Beinen geschüttelt.

Autor: Lothar Martin
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