Umfrage: Sexting ist unter jungen Erwachsenen in Tschechien Normalität

Sexting, also das Verschicken von Kurznachrichten, Fotos oder Videos mit sexualisiertem Inhalt, ist für viele Erwachsene in Tschechien Normalität.

Dies ist die Erkenntnis einer Studie, die vom Forscherteam für Internet und Gesellschaft (IRTIS) an der Masaryk-Universität in Brno / Brünn erstellt wurde. Dazu wurden Daten aus drei Befragungen ausgewertet, an denen 4000 Jugendliche und 3460 Erwachsene in Tschechien teilgenommen hatten. Die Analyse belegt, dass die Hälfte der Menschen zwischen 18 und 29 Jahren Sexting betreibt. In der gesamten erwachsenen Bevölkerung ab 18 Jahren ist es ein Drittel. Darüber informierte die Hochschule im Januar in einer Pressemitteilung.

Ainize Martínez-Soto | Foto: Masaryk-Universität in Brno / IRTIS

Sexting ist ein Kofferwort aus Sex und texting, dem englischen Begriff für das Schreiben von Kurznachrichten über das Smartphone. Die schnelle Weiterentwicklung der digitalen Technologien hätten die Kontaktaufnahme und das Entstehen von Beziehungen stark verändert, erläutert Ainize Martínez-Soto aus der Forschergruppe:

„Für Jugendliche und Erwachsene tragen Onlineinteraktionen zu einer natürlichen Erweiterung ihrer sozialen Kontakte und ihres Liebeslebens bei. Die Technologie fördert nicht nur Freundschaften und Dating, sondern spielt auch eine zentrale Rolle dabei, wie die persönliche Identität sowie die eigene Sexualität entdeckt wird.“

In der Umfrage gaben 47 Prozent der 18- bis 59-Jährigen an, im letzten halben Jahr eine Nachricht mit sexualisiertem oder auch explizitem Inhalt erhalten zu haben. Verschickt wurde eine solchen von 36 Prozent. Bei den Heranwachsenden im Alter von 11 bis 16 Jahren hatten 21 Prozent eine entsprechende Nachricht erhalten und elf Prozent eine verschickt.

Vojtěch Mýlek | Foto: Masaryk-Universität in Brno / IRTIS

Mit Sexting sei aber auch eine Reihe von Problemen verbunden, macht Vojtěch Mýlek von IRTIS aufmerksam:

„Rund ein Drittel der Erwachsenen äußerte, unaufgefordert eine sexualisierte Nachricht erhalten zu haben. Dies betrifft häufiger Frauen, nämlich 40 Prozent im Vergleich zu 27 Prozent der Männer. Frauen sind im digitalen Raum unverhältnismäßig stärker einer ungewollten sexuellen Aufmerksamkeit ausgesetzt.“

Dies könne zu Depressionen, Angstzuständen, Stress und einem sinkenden Selbstbewusstsein führen, fügt Mýlek hinzu.

Bei den jungen Erwachsenen von 18 bis 29 Jahren berichteten neun Prozent, sogar jeden Monat oder noch häufiger unerwünschte Sex-Nachrichten zu bekommen. Zudem gaben in der Studie etwa 16 Prozent der befragten 11- bis 14-Jährigen an, sie seien schon einmal aufgefordert wurden, eine sexualisierte Nachricht oder ein entsprechendes Foto zu schicken. Dies hatten wiederum fast doppelt so viele Mädchen als Jungs erlebt. Da solche Situationen vor allem für die jüngsten Umfrageteilnehmer meist sehr unangenehm seien, fordern die Brünner Wissenschaftler dazu auf, Präventivarbeit schon im vorpubertären Alter zu leisten.

Illustrationsfoto: Profimedia
Autor: Daniela Honigmann | Quelle: ČTK
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